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Sinn oder Unsinn?

Ein Hamsterrad fürs Büsi

Katzen | Dienstag, 7. August 2018, Angelika Nido Wälty

Immer mehr Katzenhalter nutzen Katzenlaufräder, um ihren Vierbeinern Abwechslung und zusätzliche Bewegung zu verschaffen. Bei der Anschaffung eines solchen Sport- und Spielgeräts sollte man aus Sicherheitsgründen jedoch einige Punkte beachten.

Bewegungsarmut ist nicht nur bei Büromenschen, sondern auch bei Büsi weit verbreitet. Vor allem Katzen, die ausschliesslich in der Wohnung gehalten werden, sind oft zu wenig ausgelastet. Langweilen sie sich ständig und können sie ihren natürlichen Bewegungsdrang nicht ausleben, kann das zu Verhaltensauffälligkeiten führen. 

Bei Luna und Ginger war der Katzenjammer jeweils besonders gross, wenn ihre Besitzer und Besitzerinnen in den Ferien weilten. René Heeb hatte daher die Idee, seinen beiden Katzen ein Laufrad zu besorgen. In den USA und Kanada sind diese seit mehr als einem Jahrzehnt im Einsatz – mit Erfolg. Doch in der Schweiz konnte Heeb vor drei Jahren nirgends ein solches Laufrad für Katzen auftreiben. Also bestellte er ein Exemplar in Österreich. Doch als dieses nach vier Monaten noch immer nicht eingetroffen war, machte er sich in seiner Werkstatt im zürcherischen Effretikon selber an die Arbeit. Der gelernte technische Modellbauer, der einst für Audi und ABB Motorenmodelle anfertigte, tüftelte herum und stellte seinen eigenen Prototyp her. 

Getestet wurde dieser an Luna, der weissen Hauskatze, und Ginger, dem Siamkater. «Kaum stand das Laufrad, ging die neugierige Luna hinein und begann zu marschieren», erinnert sich Heeb. Beim ängstlicheren Ginger dauerte es hingegen fast zwei Monate, bis der Kater dem Gerät traute und es ebenfalls zu nutzen begann. 

Aus den Materialresten baute Heeb vier weitere Katzenräder, die er im Herbst 2015 an eine Katzenausstellung in Wallisellen mitnahm. Dort stiess er auf grosses Echo: Er verkaufte sämtliche Prototypen und erhielt Bestellungen für weitere Räder. «Seither habe ich die Modelle laufend weiterentwickelt und verbessert», sagt Heeb. 

Das Prinzip der rund 13 Kilo schweren Holzkonstruktion ist aber bis heute das gleiche geblieben: In einem stabilen Unterbau aus Pressholzplatten befinden sich vier gummigelagerte Antriebsräder, auf denen das Laufrad steht. Dieses hat – je nach Grösse und Gewicht der Katze – einen Durchmesser von 1 bis 1,30 Meter. Die je nach Modell 28 oder 38 Zentimeter breite, durchgehende Lauffläche ist mit einem strapazierfähigen Teppich belegt, auf dem die Katze zwar einen guten Halt findet, aber nicht mit ihren Krallen hängen bleiben kann. 

War am Anfang noch alles Handarbeit, hilft mittlerweile eine computergesteuerte Präzisionsfräse beim Zurechtsägen des Rades. Aber auch so kommt Heeb mit der Herstellung kaum mehr nach, obwohl es mittlerweile auf dem Schweizer Markt einige Mitbewerber gibt. Beim Katzenrad-Pionier treffen täglich mehrere Bestellungen ein. Heeb hat deshalb seinen Haupterwerb aufgegeben und zusammen mit Kurt Linsi als Geschäftspartner vor einem halben Jahr die Catspeed GmbH gegründet, die nun die Produktion und Vermarktung der Katzenlaufräder auf professionelle Beine stellt.

Kein Ersatz für Beschäftigung
«Die Nachfrage ist da und gemessen an der Anzahl der Wohnungskatzen in der Schweiz erwarten wir, dass sie weiter steigen wird», sagt Linsi. Ein Teil der Produktion soll nun ausgelagert werden, auch damit sich der kreative Kopf der Firma um weitere Neuentwicklungen kümmern kann. «Ideen habe ich jede Menge. Mir schwebt zum Beispiel ein Ladegerät für das Handy vor, das durch die Katze im Laufrad angetrieben wird», sagt Heeb. 

Wie sie die Bewegungsenergie ihres Haustiers nutzen können, darüber haben sich wohl die meisten Katzenhalter noch keine Gedanken gemacht. Sondern schon eher, wie ihre Wohnungstiger überschüssige Energien loswerden. Ein Katzenlaufrad kann dabei helfen. «Für Katzen, die nicht ins Freie können und einen grossen Bewegungsdrang haben, ist das Laufrad eine sinnvolle Ergänzung», findet Katharina Aeschimann, tierpsychologische Beraterin I.E.T von AnimalSoul in Winterthur. Sie gibt aber zu bedenken: «Das Laufrad ist kein Ersatz für die Beschäftigung mit der Katze. Katzen wollen sich nicht nur bewegen können, sondern auch im Kopf gefordert werden.» Aus gesundheitlicher Sicht sind die Laufräder unbedenklich, wie Aeschimanns veterinärmedizinische Beraterin, die Klotener Tierärztin Claudine Hohler Hüppi bestätigt. Vorausgesetzt, das Rad wird entsprechend der Grösse der Katze gewählt, damit sie mit einem geraden und nicht durchgebogenen Nacken und Rücken im Rad läuft. Zu kleine Durchmesser führen zu einer unnatürlichen Köperhaltung, was auf Dauer zu Schäden am Bewegungsapparat führen kann. 

Im Gegensatz zum Hamster, der als Wüstentier gewohnt ist, weite Strecken zurückzulegen, und der in Käfighaltung kaum andere Beschäftigungsmöglichkeiten hat, wurden bei Katzen im Laufrad noch keine Stereotypien beobachtet. Die meisten Büsi nutzen es jeweils nur für ein paar Minuten, dafür mehrmals am Tag und legen so mehrere Trainingskilometer zurück. 

Für die Sicherheit der Katze ist es wichtig, dass das Laufrad stabil gebaut ist und auch stabil steht. Wackelt es oder kippt es sogar um, besteht Verletzungsgefahr. Ein sicheres Katzenlaufrad hat ausserdem eine geschlossene Lauffläche. Die Sprossen oder Querstreben, wie man sie bei den Laufrädern aus dem Nagerbedarf kennt, sind für die Katze ungeeignet: Die Gefahr, dass sie mit ihren Pfoten durchrutscht und sich verletzt, ist zu gross. Die Lauffläche sollte aus einem griffigen Obermaterial bestehen, ohne dass sich die Katze mit den Krallen darin verfangen kann. Ausserdem sollte man darauf achten, dass das Rad möglichst leise läuft und nicht quietscht, rattert oder brummt. 

Bei der Anschaffung eines solches Geräts sollte man deshalb auf eine gute Qualität achten, auch wenn Massivholz-Katzenlaufräder aus Schweizer Produktion ihren Preis haben: Sie kosten je nach Modell und Ausführung mehrere Hundert Franken. 

Härtetest auf der Katzenstation
In der Katzenstation Buchs SG, die sich seit 1997 um Findel-, Verzichts- und Wildkatzen kümmert, stehen sechs Katzenräder. «Wir haben die Räder seit einigen Jahren im Einsatz und damit gute Erfahrungen gemacht», erklärt Daniel Meister, Gründer und Leiter der Auffangstation. Ob, wie oft und wie intensiv die Laufräder genutzt werden, sei abhängig von der jeweiligen Katze. Bei der Angewöhnung an das neue Trainings- und Spassgerät helfe in der Regel die angeborene Neugier der Katze. Ein bisschen nachhelfen könne man mit einem Spielzeug oder einem Laserpointer, die man in Laufrichtung im Rad bewegt und die Katze so zum Loslaufen animiert. Bei ängstlicheren, vorsichtigen Tieren kann es einige Wochen oder sogar Monate dauern, bis sie sich ins Rad wagen und Vertrauen in das bewegte Objekt fassen. 

In der Regel werden die Laufräder von den Katzen jedoch sehr gut angenommen. «Von 100 Katzen nutzen mindestens 98 das Laufrad nach einer gewissen Zeit», sagt Kurt Linsi. Sollte eine Katze sich ganz und gar nicht für das Laufrad interessieren, nimmt seine Firma die Geräte innerhalb von vier Monaten wieder zurück und erstattet dem Käufer einen Teil des Kaufpreises. Laut Linsi kommt dies allerdings so gut wie nie vor. 

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