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Viel Aufwand für ein «Jö»

Eine neue Katze: Das muss man beachten

1 Kommentare Katzen | Mittwoch, 19. Dezember 2018, Andrea Trueb

Sich eine neue Katze anzuschaffen, ist aufregend und beglückend – der Entscheid hat aber weitreichende Folgen. 

So gross der Wunsch nach einer Katze auch sein mag – vor der Anschaffung lohnt es sich dennoch, einen Moment innezuhalten. Denn obwohl Katzen gerne als pflegeleichte Haustiere gepriesen werden, ist ihre Haltung mit einem grossen zeitlichen und finanziellen Aufwand verbunden. Katzen werden durchschnittlich 14 Jahre alt – wie eine englische Studie mit über 100 000 Katzen herausgefunden hat. Wobei Traumata –  insbesondere Verkehrsunfälle – die Liste der Todesursachen anführen. Katzen, die im Haus gehalten werden, leben denn auch deutlich länger (durchschnittlich rund 17 Jahre). 

Damit stellt sich auch bereits die erste entscheidende Frage: Soll die Katze rausdürfen oder nicht? Während manche Katzenfreunde den Freigang als einzige katzenfreundliche Haltung bezeichnen, behaupten andere genau das Gegenteil. Wer in Kauf nehme, dass die Katze durch Revierkämpfe oder Verkehrsunfälle verletzt, von Nachbarn angefüttert, von Fremden gestohlen oder von Artgenossen mit Krankheiten infiziert werde, sei wohl kaum ein richtiger Katzenfreund. 

Ebenfalls für eine Indoor-Haltung plädieren auch Naturfreunde. Sie sorgen sich aller­- dings weniger um das Wohl der Katzen, als vielmehr um deren Opfer, zu denen Kleinsäuger, Vögel, Reptilien und auch Amphibien gehören. 

Zwei auf einmal?
Wer sich entscheidet, seine Katze im Haus zu behalten, muss für viel Abwechslung, Fangspiele, Ausgucke, Klettermöglichkeiten aber auch Rückzugsorte sorgen. Einzeln gehaltene Katzen müssen zudem laut Gesetz täglich Umgang mit Menschen oder Sichtkontakt mit anderen Katzen haben. 

Eine Möglichkeit ist, gleich zwei Tiere anzuschaffen – was die Besitzer aber von den oben genannten Pflichten nicht befreit. Katzen, die gemeinsam aufgewachsen sind, verstehen sich erfahrungsgemäss am besten. Und: Katzenwelpen, die mindestens zehn bis zwölf Wochen mit ihren Wurf-Geschwistern zusammen waren, sollten später keine Mühe haben, sich in eine Katzengruppe einzugewöhnen. Ein gesicherter Balkon oder ein Gehege im Garten sind gute Möglichkeiten, das Dasein einer «Stubenkatze» attraktiver zu machen. 

Wer die Katze Voll- oder Teilzeit rauslassen will, muss für mindestens eine Katzenklappe und – je nach Wohnsituation – für eine sichere Katzentreppe sorgen. Die Katze jeweils vor der Türe warten zu lassen, ist nicht zu empfehlen. Bei bedrohlichen Situationen soll die Katze jederzeit ins sichere Zuhause fliehen können. Ausserdem fressen Katzen natürlicherweise über den Tag hinweg immer wieder kleine Mahlzeiten. 

Beachtliche Kosten
Ob in- oder outdoor: Die Bewirtschaftung von einem oder mehreren Katzenkistchen ist in beiden Fällen empfehlenswert – nicht zuletzt den Nachbarn zuliebe. Überhaupt sind die Ausscheidungen des künftigen Lieblings ein paar Überlegungen wert. So sollte etwa abgeklärt werden, wo die Katzenkistchen platziert werden können, ohne dass Geruch oder Anblick jemanden stören. Die Lagerung der genutzten Katzenstreu bis zur Kehricht­sammlung stellt je nach Wohnform eine weitere Herausforderung dar. 

Nicht zuletzt sollte man sich über die anfallenden Kosten Gedanken machen. Laut dem Ratgeber «Beobachter» sowie einer Umfrage des Vergleichsdiensts «Comparis» ist bei einer Lebenserwartung von 15 Jahren mit jährlichen Kosten von rund 1300 Franken zu rechnen. Wobei in diesem Betrag etwaige ausserordentliche Tierarztkosten, etwa für Verletzungen nach Kämpfen oder Krankheiten, nicht eingeschlossen sind. Die Kosten für die Anschaffung der Grundausstattung betragen ebenfalls mehrere Hundert Franken.

Trotz all dieser ernsthaften Gedanken: Es gibt gute Gründe, sich eine Katze anzuschaffen. Laut diverser Studien sind Menschen mit Katzen zufriedener mit ihrem Leben als Menschen ohne Katzen. 

Die grosse Checkliste
Bevor die Katze einziehen darf, gilt es ein paar Fragen zu klären, Anschaffungen zu tätigen und Bauvorhaben umzusetzen. Eine Checkliste, damit nichts vergessen geht. 

  • Grundsätzliche Fragen zur Tier­haltung klären. Sind Tiere in der Wohnung erlaubt? Hält das Budget jährliche Mehrausgaben von rund 1300 Franken aus? Ist die Betreuung mit grosser Wahrscheinlichkeit auch in der nahen und fernen Zukunft und in den Ferien gewährleistet?
  • Welche Katze passt am besten? Jung oder alt? Weibchen oder Männchen? Rassekatze oder Mischling? Ein oder zwei Tiere?
  • Woher kommt die Katze? Vom Bauernhof, von Bekannten, aus einer Zucht oder aus dem Tierheim? 

  • Bekommt die Katze Freilauf oder soll sie in der Wohnung leben?

  • Freilauf: Inwiefern sind die nötigen Katzentreppen und -klappen realisierbar? 

  • Stubenkatze: Hat die Katze genügend Anregung? Ist die Montage von erhöhten Rückzugsorten und Laufstegen möglich? Kann der Balkon gesichert werden? Ist im Garten ein geschützter Auslauf möglich? Wo kommen Kistchen und Kratzbäume hin? Wo kann die genutzte Katzenstreu bis zur Kehrichtabfuhr gelagert werden?

  • Gibt es eine passende und gut erreichbare Tierarztpraxis in der Nähe (Alternativ- oder Schulmedizin oder beides? Hightech erwünscht?)? 

  • Wie soll die Katze gefüttert werden? Nass, trocken, gemischt oder mit Rohfutter (Barf)? Je nach Alter hat die Katze andere Futter-Bedürfnisse, eine junge Katze von Beginn weg an verschiedene Futtermittel gewöhnen.

  • Besichtigung möglicher Kandidaten. Darauf achten, ob die Jungtiere und ihre Mutter (und etwaige andere Katzen vor Ort) gesund und munter sind und ob der Besitzer daran interessiert ist, dass seine Katzen an einen guten Platz kommen. Ein verantwortungsvoller Züchter gibt seine Tiere nicht vor der 12. Lebenswoche ab. Seine Jungtiere sind geimpft, entwurmt und stubenrein und haben einen Impfpass (Rassekatzen haben einen Stammbaum).

  • Nötige Anschaffungen tätigen: Futter, Katzenkistchen (doppelt so viele wie Katzen), Katzenstreu, Napf, Bürste, Transportbox, Spielzeug, bei Zweitkatze eventuell ein Türgitter für das sanfte Kennenlernen.

  • Terminplan beachten: Die Ankunft der Katze so legen, dass in den nächsten Tagen viele gemeinsame Stunden möglich sind und keine Haus-Party und kein Umbau geplant ist, Aufregung und Lärm vermeiden. 

  • Freigang: Bevor die Katze das erste Mal raus darf, sollte sie seit mindestens drei Wochen im neuen Zuhause leben. Während der Indoor-Zeit eine gute Beziehung aufbauen und der Katze beibringen, dass es sich lohnt zu kommen, wenn man sie ruft.

  • Beim Tierarzt einen Termin vereinbaren und vor Ort bereits die nächsten Impf-Termine sowie den Zeitpunkt der Kastration festlegen. Chipen lohnt sich bei Freigängern (bei Verlust, zur Personalisierung der Katzenklappe).

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Kommentare (1)

Koller am 13.01.2019 um 18:01 Uhr
habe es mir überlegt will keine Katze

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