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Tierwelt 16/2013

Eine Hunderasse kämpft mit den Vorurteilen

11 Kommentare Haustiere | Donnerstag, 18. April 2013 08:00, Stephanie Federle

Die Olde English Bulldogge gibt es seit 40 Jahren – die junge Rasse geniesst aber keinen guten Ruf. Jasmine Kopp besitzt mit «C.J» eine solche Hündin und hat oft mit Vorurteilen zu kämpfen. Sie setzt sich deshalb ein für das Image der Rasse.

Wenn Jasmine Kopp mit ihrer Hündin «C.J» unterwegs ist, wechseln die Leute die Strassenseite oder gar das Zugabteil. «Das tut schon weh», sagt Kopp. «C.J» lebt seit einem Jahr bei ihr. Mit der eingedrückten Nase und dem muskulösen Körper erscheint die Hündin durchaus furchteinflössend. Doch nimmt man sich erst einmal Zeit, die Rasse kennenzulernen, erscheint sie in einem ganz anderen Licht. 

Die Olde English Bulldogge ist ein Familienhund, der sich besonders mit Kindern gut versteht. Er ist verschmust, neugierig und lernt extrem schnell. Trotz dieser positiven Eigenschaften hat es die Rasse nicht leicht, von der Gesellschaft akzeptiert zu werden. «Viele Leute denken, dass ich einen Kampfhund besitze», sagt Kopp. Dabei stehe die Olde English Bulldogge nicht auf der Liste der Kampfhunde. Viele wissen das nicht, oder wollen es nicht wahrhaben. «Hören sie das Wort ‹Bull›, leuchten die Alarmglocken», bedauert Kopp. Leider seien es vor allem die Halter, die der Rasse ein schlechtes Image verpassen. Es gebe immer wieder Bulldoggenbesitzer, die ihren Hund abrichten und ihn zur Kampfmaschine ausbilden. Dabei sei das mit jeder Rasse möglich, ist Kopp überzeugt. 

Jasmine Kopp will ihren Mitmenschen die Angst vor der Rasse nehmen
Sie möchte sich für die Rasse einsetzen. «Ich sehe nicht aus, wie eine typische Bulldoggenbesitzerin», sagt Kopp, die 2011 bei der Miss-Bern-Wahl teilnahm und heute als Model arbeitet. Genau mit diesem Gegensatz – sie als zierliche schlanke Person mit einer muskulösen Bulldogge – möchte sie ihren Mitmenschen die Angst vor der Rasse nehmen.

Kopp arbeitet neben ihren Modeljobs als Leiterin Administration und Marketing in einer Indoor Golf Lounge. Oft nimmt sie «C.J» mit zur Arbeit – und alle lieben die Hündin. «Sobald ich mit den Leuten spreche, sie aufkläre, ist die Angst vorbei.» Ihren Liebling nimmt sie auch mit zu Fotoshootings. «C.J» durfte sogar einmal für eine Kleidermarke vor der Kamera posieren. Bewusst nimmt sie ihren Hund überall mit. «Ich möchte zeigen, was für ein liebevoller Hund eine Bulldogge sein kann, wenn man sie richtig erzieht», sagt sie. Einmal pro Woche besucht Kopp die Hundeschule. Am Anfang sei man ihr sogar dort mit Skepsis begegnet. Doch mittlerweile hat «C.J» das Herz aller anderen Kursteilnehmer gewonnen.

Kopp nennt ihren Hund auch «Buddy». «Er ist ein einfühlsamer Freund, der immer für mich da ist», sagt sie und kommt richtig ins Schwärmen. Auf ihrem iPhone befinden sich mehrere Dutzend Fotos von ihrem Liebling. Es stört sie auch nicht, wenn ihr Vierbeiner mal ihre Schuhe zernagt oder mit schmutzigen Pfoten an ihr hochspringt. «Wenn man Hundebesitzer ist, gehört das einfach dazu, Model hin oder her», sagt sie lachend.

In der Schweiz gibt es zwei anerkannte Züchter der Olde English Bulldogge
Kopps Hündin «C.J» stammt aus der Zucht von Rosario Adamo in Bolken SO. Adamo ist einer von nur zwei anerkannten Olde-English-Bulldoggen-Züchtern in der Schweiz. Die Rasse ist vor allem in Deutschland, Holland, England und in den USA verbreitet. Rosario Adamo und seine Frau Angela züchten seit 2007. «Mir gefällt vor allem ihre eingedrückte Nase. Einige Leute finden sie hässlich, ich finde gerade das sehr schön», sagt der Züchter. Auch er kennt die Vorurteile gegen die Rasse. «Es ist viel Aufklärungsarbeit nötig.» Massgebend sei jedoch immer die Person hinter der Leine und nicht die Rasse. 

Adamo ist Präsident des «Olde English Bulldoggen Club» Schweiz. Der Club ist oft an Schauen vor Ort, mit dem Ziel, das Image der Rasse zu verbessern. Ausserdem besuchen Adamos mit ihren Welpen auch Kindergärten und Schulen. Einerseits werden die Tiere so sozialisiert und andererseits könne man so Ängste abbauen. «Es sind vor allem die Medien, die aus der Olde English Bulldogge einen Kampfhund gemacht haben», sagt Adamo. 

Bis heute haben Rosario Adamo und seine Frau sechs Würfe grossgezogen. Sie besitzen zwölf Hunde, wobei nur sechs bei ihnen leben. «Wir wollen unsere Zuchthunde in einem sozialen Familienumfeld aufwachsen lassen», sagt das Ehepaar. Deshalb leben sechs ihrer Zuchthündinnen bei Familien in der Umgebung. Die Hündin wird alle zwei Jahre einmal für die Deckung beansprucht – und das maximal drei mal in ihrem Leben, mehr nicht. Im Gegenzug mussten diese Familien für den Zuchthund nichts bezahlen. Normalerweise kostet ein Welpe 2000 Franken.

Am 19. März ist Adamos letzter Wurf mit sechs Welpen zur Welt gekommen. Bereits vor der Geburt waren die Kleinen reserviert. Die Nachfrage sei auch ohne Werbung enorm gross. Adamos suchen ihre Käufer sorgfältig aus. «Wir wollen anständige Besitzer, die mit dem Hund arbeiten und viel Zeit mit ihm verbringen», sagt Adamo. Er möchte die Rasse populär machen und seine Freude und Faszination mit anderen Menschen teilen, erklärt er seine Motivation als Züchter. Jasmine Kopp kommt immer wieder gerne zu Adamos. Sie möchte es ihnen einmal gleichtun und später Olde English Bulldoggen züchten. «Ich will, dass sich die Rasse weiterentwickeln kann und in der Schweiz erhalten bleibt.»

Weitere Informationen:
www.adamobulls.ch
www.oebswissclub.ch

Kommentare (11)

J. St am 24.10.2018 um 16:00 Uhr
Ich kam gerade letzte Woche dazu, als sich zwei eurer so lieben Hunde in die Pferde eines Kutschers verbissen. Von wegen kein Kampfhund! Wenn ein Köter immer noch zubeisst, wenn er alle vier Beine in der Luft hat und nur noch am Sprunggelenk des Pferdes hängt, kann wohl niemand von Familienhund sprechen.
Sorry, aber macht mal die Augen auf. Ist übrigens polizeilich gemeldet, keine Erfindung.

Dani am 30.07.2018 um 09:45 Uhr
Hey, habe gestern einen OEB von adamo bekommen, der ist eifach klasse! So verschmusst und ruhig. Meine zwei frenchies haben sich tierisch gefreut als er die türe hinein kam!
Danke rosario und angela für euer vertrauen!

Biggi am 02.01.2017 um 21:34 Uhr
Wir haben auch einen Old English Bulldog. Er ist erst 5 Monate alt und ich hoffen niemand wir ihn diskriminieren

Eugenio Troglia am 17.09.2015 um 19:13 Uhr
Meine kleine Englische Bulldogge Lisa ist durch nichts zu Ersetzen.
Jeden Morgen in dieses Gesicht zu schauen ist immer wieder ein Hit.

Kojero am 22.03.2014 um 09:56 Uhr
Ich besitze auch eine Blue OEB und ist mir auch aufgefallen das viele Leute denken sie ist ein Kampfhund aber sie ist so freundlich und untergiebt sich meistens bei fremde menschen und lässt sich gerne streicheln. Ich denke das mal die OEB Rassen im TV erscheinen müssen wie die Charakter dieser Rasse ist dmit die Leute besseren Eindruck zu dieser Rasse haben .Ich denke ein Schäferhund ist gefährlicher wie andere Rassen . ;-)

hille am 20.09.2013 um 17:19 Uhr
halte seit 1993 sokas ! problemlos! bulli-mix, 2 rottis, staff/pit-mix.
mich interessierte das dumme gerede mancher leute nicht im geringsten! ausserdem weiss ich mich sehr gut verbal zu wehren :-) !
ich wohne in dortmund/NRW/BRD. hier haben wir das LHG (landeshundegesetz) von 2003. man hält sich dran und gut is. problemlos! alle hundehalter u. deren hunde lieben meinen rotti- tyson, ein goldschatz. im th betreue ich z.zt. einen pit bull ....so ein toller hund! kann ihn leider nicht nehmen....auch ein rüde. hoffe sehr er findet gute (!!) menschen!!!!!!
ein grundsatz, den ich seit 1975 befolge:
alles für meine hunde! gegen jeden und alles! selbst wenn ich dadurch freunde verliere..........
übringens kauften wir vor 11 jahren ein haus ( damals hatte ich noch dany-rotti und wollte tobyas-staff/pit aus dem th holen) für sokas......

esther Eicher am 17.09.2013 um 23:34 Uhr
Da ich seit 16,5 jahren eine DobiRoti habe und von uns aus noch nie Problemme bekamm auser das andere Hunde meine Gebissen haben finde ich diese Regeln Halb Halb gut den es sind doch nicht die Hunde die kommen nicht falsch erzogen auf die Welt man müsste die Halter noch sorgfähltiger auslesen Besser die Hunde Trainer da gibts solche die gegen geld so manches durchgehen lassen wie in meiner Gemeinde durch einen Trainer Auch die Schulungen sollten verbessert werden was ich da schon gesehen und erlebt habe ist das nackte grauen statt zu helfen bei unerfahrenen und mit einem Strassen Hund Welpen krigt man den Kommentar der will ich nicht in der Welpenschule haben der muss zuerst Sozialiesiert sein wie macht das jemand der noch nie einen Hund hatte ich finde man sollte die Schulen mehr Kontrolieren und die zukünftigen Halter besser vor dem Kauf eines Hundes Prüfen

Jasmine am 12.06.2013 um 09:53 Uhr
Vielen Dank für die tollen Rückmeldungen - wir ALLE haben uns sehr gefreut! Alles Liebe

Claudia Senger, Deutschland/ Berlin am 19.04.2013 um 11:37 Uhr
Toller Artikel, spricht uns aus der Seele, haben eine 2-jährige Hündin, mehr Freundlichkeit gibt es nicht ;), dass viele sie noch nicht mal von einem Boxer unterscheiden können sagt einiges aus. Nur die wenigsten Leute fragen. Die reine Verunsicherung lässt Meinungen hören, wo wir als Oeb-Besitzer nur die Köpfe schütteln können. Mfg Berlin

Beate Schmidt am 19.04.2013 um 05:57 Uhr
Ich besitze auch eine OEB und finde diesen Artikel klasse.
Er spricht mir aus der Seele!

Tanja Mauersberger am 18.04.2013 um 18:11 Uhr
Hey...als Besitzerin eines Oeb und Hundetherapeutin kann dazu nur sagen, warum ziehst du dir den Schuh an... Ich brauche mich nicht zu rechtfertigen für meinen Oskar.. gegen Dummheit und Volksunwissenheit kann man einfach nichts ausrichten.. Hauptsache DU weisst wie du mit deinem Liebling umgehen musst... alles andere ist nur Verunsicherung des eigenen Hundes.. denkt mal darüber nach.. :-)

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