Sie sind hier: TierweltAktuell

Share

Tierwelt 24/2013

Spinnen fressen Fledermäuse

Wildtiere | Donnerstag, 13. Juni 2013 07:05, Simon Koechlin

Viele Fledermäuse fressen für ihr Leben gern Insekten und Spinnentiere. Doch manchmal drehen die Spinnen den Spiess um: Forscher haben eine Liste von Fällen erstellt, in denen eine Spinne eine Fledermaus erbeutet hat. 

Manche Menschen gruselt es vor Spinnen. Und die Fachpublikation, welche Martin Nyffeler von der Universität Basel und Mirjam Knörnschild von der Universität Ulm diesen Frühling veröffentlicht haben, dürfte wenig zur Beruhigung dieser Spinnenphobiker beitragen. Die beiden Forscher berichten nämlich im Fachmagazin «PLoS ONE» von 52 Beobachtungen, in denen eine Spinne eine Fledermaus erwischt hat. 

Die meisten Fälle ereigneten sich in tropischen und subtropischen Gebieten – hier kommen oft grosse Spinnenarten vor. Und nur einer Spinne mit einer bestimmten Grösse kann überhaupt das Husarenstück gelingen, eine Fledermaus zu überwältigen. In fast 90 Prozent der Fälle hatten sich die Fledermäuse in Netzen verfangen. Gefährlich werden können den Fliegern vor allem Weberinnen aus der Gattung der Seidenspinnen (Nephila). Diese Spinnen leben in tropischen Wäldern, haben eine Beinlänge von bis zu 15 Zentimetern und bauen äusserst starke Netze mit einem Durchmesser von bis zu 1,5 Metern, wie die Forscher schreiben. Manchmal tun sich einige Weibchen zusammen: Dann können Netze von vielen Quadratmetern entstehen.

In einigen Fällen überwältigten aber Spinnen auch ohne die Hilfe eines Netzes Fledermäuse. Die Forscher berichten von sechs Beobachtungen, bei denen ein Achtbeiner eine Fledermaus direkt angriff und erlegte. Vor allem Vogelspinnen und Riesenkrabbenspinnen seien bestens ausgerüstet mit Giften und Enzymen, die nötig seien, um kleinere Wirbeltiere zu überwältigen und zu verzehren, berichten die Wissenschaftler. «Der gelegentliche Fang einer Fledermaus ist deshalb keine Überraschung.»

Vogelspinnen gehen ab und zu ganz gezielt auf die Jagd nach Fledermäusen
Erbeutet wurden kleine Fledermaus-Arten. Grössere Flattertiere wie Flughunde würden schnurstracks durch ein Spinnennetz hindurchfliegen, schreiben die Forscher. Verfangen haben sich vor allem Fledermäuse, die sich von Insekten ernähren, die sie im Flug aus der Luft schnappen. Allerdings waren auch Exemplare von Arten darunter, die ihre Beute im Flug von einer Oberfläche «ablesen». Einige dieser Arten sind regelrecht auf Spinnen spezialisiert. Sie fliegen ganz nahe ans Netz und packen den dort sitzenden Achtbeiner. 

Studien zeigten, dass solche Fledermäuse häufig Spinnfäden am Körper und an den Flügeln hätten, schreiben Nyffeler und Knörnschild. Auch solche hochspezialisierte Flieger können also Fehler machen und Spinnennetze touchieren.

Bei der Datensammlung gingen die beiden Forscher sehr umfassend ans Werk: Zum einen durchforsteten sie klassische wissenschaftliche Datenbanken. Daneben suchten sie aber auch auf der Bilder-Website «Flickr» und kontaktierten Blogger, die Bilder oder Berichte über Fledermaus-fangende Spinnen publiziert hatten. Insgesamt, so ihr Fazit, kommt es also häufiger vor als angenommen, dass Spinnen Fledermäuse erbeuten. 

Trotzdem: Das Phänomen bleibt selten. Normalerweise verfangen sich in Spinnennetzen kleine wirbellose Tiere wie Insekten. Bleibt einmal ein grösseres Tier wie ein kleiner Vogel oder eben eine Fledermaus hängen, könne man dies als eine Art «Beifang» betrachten, heisst es in der Publikation. Zudem werden nicht alle gefangenen Fledermäuse von der Spinne gefressen: In mehreren Fällen wiesen die hängen gebliebenen Flattertiere keine Frass-Spuren auf.

Übrigens kann auch in unseren Breitengraden einmal eine Fledermaus einer Spinne ins Netz gehen: 2011 zeigte die deutsche Boulevardzeitung «Bild» das Foto einer toten Fledermaus, die in der Nähe von Stuttgart in einem Spinnennetz entdeckt worden war. Auch diesen Fall nahmen die Wissenschaftler in ihre Liste auf. 

 


Video einer Spinne, die eine Fledermaus fängt. Quelle: YouTube/NationalGeographic



Und diese Fischerspinne schnappt sich einen Frosch. Quelle: YouTube/NationalGeographic

Share

Kommentar schreiben


Die Redaktion behält sich vor, Kommentare zu kürzen, als Leserzuschriften im Heft abzudrucken oder auf die Publikation zu verzichten.

Galerien Alle Galerien