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Bauernzirkus

Vom Bauernhof in die Manege

Nutztiere, Unterhaltung | Donnerstag, 24. Oktober 2013 00:01, Michael Götz

Statt Löwen und Elefanten treten im St. Galler Bauernzirkus Maute Kühe und Hühner auf. An der Landwirtschaftsmesse Olma liessen sich die Artisten auch durch schlechtes Wetter nicht aus dem Gleichgewicht bringen.

Antonius ist völlig cool. Egal, ob der Muni mit dem weissen Band über den Rücken sich auf ein Podest stellen oder als Rutschbahn für Akrobaten dienen soll: Er nimmt es locker. Antonius ist der Hauptdarsteller im Zirkus Maute. Und er ist nicht die einzige Kuriosität, die die kleine Truppe zu bieten hat. Zirkusdirektor Jakob Maute etwa ist hauptberuflich Landwirt.

Mit seinen jungen Artisten und seinen Bauernhof-Zirkustieren ist er auch dieses Jahr zu Gast an der Landwirtschaftsmesse Olma in St. Gallen. Maute führt Antonius langsam und ohne Hektik durch alle Zirkusnummern. Auch die Artistinnen und Artisten, welche ihre Kunststücke am Muni zeigen, wirken ruhig. Alle haben Zeit und Geduld. Nicht Perfektion ist oberstes Ziel, sondern ein harmonisches Zusammenspiel von Mensch und Tier.

«Alle, die mitmachen, müssen Tiere gernhaben», sagt Jakob Maute ins Mikrofon. «Dann haben uns die Tiere auch gern.» Und offensichtlich harmonieren dann Mensch und Tier. Die Gesichter der Artistinnen jedenfalls strahlen, wenn sie nach jeder Nummer die Arme auseinandernehmen und sich vor dem Publikum verneigen. Es ist wirklich wie im Zirkuszelt. Die Zuschauer fiebern mit, wenn ein junger Artist den Jungmuni Zambo unter dem Bauch von Antonius hindurchführen will. Dieser hat seine Vorderbeine wie ein Zirkuselefant auf ein Podest gesetzt. Während Zambo sich unter dem Bauch des über eine Tonne schweren Munis hindurchzwängt, macht dieser keinen Wank. Doch das Tät­scheln seines Meisters ist ihm wohl wichtig. «Wir haben noch nie so einen Muni gehabt», lobt der Zirkussprecher.

Es braucht viel Übung, bis sich eine Kuh in der Manege einfach auf den Boden legt
Zwischendurch darf sich Antonius entspannen. Zum Beispiel, wenn Lea mit dem Hofhund Loris auftritt. Mit Musik führen die beiden einen Tanz auf. Lea auf zwei, Loris auf vier Beinen. Auch eine Clownin fehlt im Bauernzirkus Maute nicht. Sie lässt den grösseren ihrer zwei Hunde den kleineren in einem Kinderwagen herumführen.

Ein Pferd dazu zu bringen, sich hinzulegen, kennt man aus anderen Vorstellungen. Dass so etwas auch bei einer Kuh funktioniert, lässt sogar Spezialisten staunen. Artistinnen und Hund richten sich dann auch noch auf der liegenden Kuh auf. Ein deutlicher Vertrauensbeweis der verschiedenen Tierarten zueinander – und zu ihren Dompteuren.

Ein Höhepunkt der Nummer sind die Sprünge über den Muni mittels Trampolin. So etwas Kopf voran zu wagen, erfordert von den jungen Akrobaten ganz schön Mut. Und die Übungen auf dem Rücken von Antonius und der beiden Freibergerpferde verlangen neben turnerischem Können auch ein exaktes Ausbalancieren, denn der gewölbte Rücken der Tiere ist alles andere als ein flacher, fester Boden. Ohne Übung und Spass an der Sache würde das alles nicht gehen.

Der Dauerregen, der an diesem Olma-Tag mit der Zeit schon fast in Schnee überging, brachte die Zirkusleute und ihre Tiere nicht aus dem Gleichgewicht. Ein kurzes Frösteln in den platschnassen T-Shirts – und schon waren die Artisten und Artistinnen wieder ganz bei der Sache. «Die Landwirtschaft lässt sich eben nicht so schnell einschüchtern», meinte der Moderator lakonisch. Und der Zirkusdirektor strahlte am Ende der Vorstellung. «Wir haben in dieser Atmosphäre das Wetter gar nicht gemerkt.» Der Bauernzirkus Maute ist eben ein Zirkus aus dem Herzen.

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