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Tierwelt 07/2014

Geschüttelt, nicht gerührt

Haustiere | Donnerstag, 13. Februar 2014 08:00, Oliver Loga

Hunde, die sich schütteln, sorgen selten für Begeisterung. Wenn die Fotografin Carli Davidson sie bildlich festhält, ändert sich das jedoch. Ihre Schnappschüsse sind nicht immer anmutig, dafür aber absolute Blickfänge. 

Die Augen sind verdreht, die Gesichter verzerrt. Es gibt zweifellos schönere Anblicke als jene von sich schüttelnden Hunden. Dennoch oder auch gerade deswegen ist es unmöglich, sich von ihnen abzuwenden. Jedenfalls bei den Bildern der preisgekrönten Fotografin Carli Davidson. Mit ihrer Hochgeschwindigkeitskamera macht sie Details sichtbar, die dem menschlichen Auge in Echtzeit verborgen blieben.

«Mein Mastiff Norbert beschenkte mich im Laufe der Jahre mit Tausenden Schüttel­aktionen. Diese drängten mich förmlich dazu, sie zu fotografieren», sagt Davidson. In ihrem Buch «Shake» stehen jeweils zwei Aufnahmen eines Hundes nebeneinander. Sie zeigen wie zwei aufeinanderfolgende Bilder eines Films die Bewegung des Tieres. Davidson hat vom Basset über die Bulldogge bis hin zum Nackthund über 60 Hunderassen abgelichtet. «Die Fotos erinnern daran, dass das Äusserliche vergänglich ist; oberflächliche Gedanken zum Aussehen eines Tieres basieren auf einer Momentaufnahme, auf einem zufällig eingenommenen Blickwinkel», erklärt die US-Amerikanerin. «Mein Buch soll herausfordern, das Vertraute mit neuen Augen zu sehen.»

Die knautschigen, verformten Gesichter lösen unweigerlich lautes Gelächter aus
Es ist schwierig, sich dem Wunsch der Fotografin zu widersetzen. Durch die skurrile Mimik wirkt manch harmloser Hund wie ein Monster, das in einem Horrorfilm Angst und Schrecken verbreiten könnte. Ein Chinesischer Schopfhund etwa erscheint wie eine Kreuzung aus Gollum («Herr der Ringe») und einem ekstatischen Heavy-Metal-Fan. Es gibt aber auch ästhetisch anmutende Aufnahmen. Zum Beispiel bei einem Springer Spaniel. Seine Schlappohren scheinen schwerelos und elegant gekräuselt in der Luft zu stehen. Zumindest einen Moment lang hält man ob dieses Anblicks inne. 

Bei den meisten Fotos verfällt der Betrachter aber unweigerlich in lautes Gelächter, weil die knautschigen, verformten Hundegesichter einfach extrem witzig aussehen. So erging es auch der 32-jährigen Künstlerin. «Die Bilder sollten eigentlich nicht komisch sein», sagt Davidson. «Dennoch finde ich es belustigend, wenn ich sie mir ansehe.»

Tierliebhaber werden an diesem Buch ihre helle Freude haben. Und Hundehalter sehen ihren Vierbeiner nach dem Durchblättern garantiert mit anderen Augen. 

Carli Davidson: «Shake – Hunde geschüttelt», gebunden, 144 Seiten, Verlag: Knesebeck, ISBN: 978-3-86873-707-3, ca. Fr. 25.– 


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