Sie sind hier: TierweltAktuell

Ausstellung

Wer Hund sagt, sagt auch Mensch

Haustiere | Donnerstag, 24. April 2014 08:00, Niklaus Salzmann

Das naturhistorische Museum Neuenburg widmet sich den Hunden und der Beziehung des Menschen zum Hund. Eine Ausstellung zum Schmunzeln und Stirnrunzeln, Schauen und Hören, aber auch zum Anfassen. 

In der Schweiz fällt durchschnittlich zehn Mal pro Sekunde ein Hundekot zu Boden – so die Schätzung des Naturhistorischen Museums Neuenburg in der Ausstellung «Donne la patte! – Gib s Pfötli!». Einige dieser Häufchen werden mit gelben Säckchen aufgelesen, auf denen Werbung für ebendiese Ausstellung prangert. Es sind die offiziellen Flyer, die derzeit in Neuenburg die herkömmlichen Robidog-Säckchen ersetzen, und sie verkörpern den Geist der Ausstellung: humorvoll und verspielt. 

Indem die Kuratoren den Blick auf das älteste und treuste aller Haustiere lenken, halten sie dem Menschen den Spiegel vor. Die Objekte etwa, die den Hund in häuslicher Umgebung repräsentieren, werfen Fragen auf. Spätestens beim Hundeshampoo wird klar: Dieses Produkt braucht kein Hund, es entspricht ausschliesslich einem Bedürfnis des Menschen. Doch auch wenn Menschen sich bemühen, sich in den Hund hineinzuversetzen, ist es zuweilen schwierig, ihn zu verstehen. Das zeigt sich in der Ausstellung bei einem kleinen Spiel, das sowohl Kinder als auch Erwachsene fasziniert und fordert. Ziel ist es, verschiedenen Fotos eines Hundegesichts Emotionen wie Traurigkeit, Wut oder Angst zuzuordnen. Und das kriegt kaum jemand auf Anhieb richtig hin. 

Die Ausstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern zeigt vielmehr das breite Spektrum unserer Beziehungen zum Hund. Die Hundesäckchen-Designs, vergrössert auf Weltformat, würden sich als moderne Kunst in jeder Luxusvilla gut machen. Stattdessen wird der Blick im nächsten Raum auf die Strasse geführt: Zu einer Fotoserie mit Obdachlosen und ihren Hunden.

Eine Serie von Einblicken ins Wolfsrudel
Die beschreibenden Texte bleiben strikt sachlich. Ausgestellte Objekte wie der Klicker oder der Maulkorb werden in wenigen Sätzen erläutert. Auch beim Beschrieb der ausgestorbenen Cordoba-Kampfhunderasse ist es den Besuchern überlassen, sich einen Reim darauf zu machen. Und den Wolf, der bekanntlich seit seiner Rückkehr in die Schweiz die Gemüter von Schafbesitzern, Jägern und Tierschützern kräftig erhitzt, können die Besucher in Videoaufnahmen beobachten. Dazu steht nicht nur ein Bildschirm bereit, sondern eine ganze Serie, sodass sich alle ihren eigenen Einblick in das Wolfsrudel aussuchen können.

Die Texte übrigens sind meist auf Französisch geschrieben oder gesprochen. Doch im Katalog oder mittels Kopfhörern stehen den Besuchern auch die deutschen Übersetzungen zur Verfügung. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt ohnehin nicht auf den Worten, sondern in den Anschauungs- und speziell den Anfühlobjekten. Während an einer Wand eine Projektion der European Dog Show mit einer riesigen Vielfalt an Rassen läuft, können die Besucher Felle und Schädel aus der Sammlung des Schweizer Geologen Albert Heim anfassen. Nur der ausgestopfte Berner Sennenhund ist hinter Glas.

Doch wer etwas Glück hat, trifft im Museum sogar einen lebendigen Hund zum Anfassen an: «Lewis» ist ein verspielter, aber wohlerzogener Border Collie und besucht mit seinem Meister öfters die Eingangshalle des Hauses. Er ist übrigens auch der Vierbeiner, der auf den Plakaten und den gelben Hundesäckchen in Neuenburg abgebildet ist, die Werbung für die Ausstellung machen. 

Die Ausstellung im Muséum d’histoire naturelle Neuchâtel dauert noch bis am 29. Juni. Öffnungszeiten: Dienstag–Sonntag 10–18 Uhr. Montags geschlossen (ausser Pfingstmontag).
www.museum-neuchatel.ch

Kommentar schreiben


Die Redaktion behält sich vor, Kommentare zu kürzen, als Leserzuschriften im Heft abzudrucken oder auf die Publikation zu verzichten.

Galerien Alle Galerien