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Alpakas

Südamerikaner erobern Schweizer Weiden und Herzen

Nutztiere | Donnerstag, 19. Februar 2015 08:00, Brigitte Bircher

Ihr Fell ist verführerisch weich, ihre Augen kugelrund und rehbraun, ihr Wesen neugierig und lieb. Und dennoch: Alpakas sind keine Kuschel-, sondern Nutztiere. Sogar nach ihrem Fleisch wird in der Schweiz immer mehr gefragt.

Genauso flauschig, wie sie aussehen, fühlen sich die wolligen Wesen an. Es ist verführerisch, die Finger tief in ihre dichte Wolle zu vergraben. Zumal das auch gut möglich ist, denn die Alpakas vom Simmihof in Gams SG sind ganz schön zutraulich. Sogar die kleinen, erst wenige Monate alten Tiere nähern sich den Besuchern sofort, um sie mit ihren grossen, aufmerksamen Augen zu begutachten. Die leisen Geräusche, die sie dabei von sich geben, klingen wie eine freundliche Begrüssung. 

Fast noch neugieriger sind die Lamas, welche sich den Stall und die Weide mit den Alpakas teilen. Seit 13 Jahren betreut Meisterlandwirt Sven Baumgartner auf seinem Hof diese zwei zahmen Kamelformen – nebst Hunden, Melkziegen, Meerschweinchen, Kaninchen, Gänsen, Enten und Ziervögeln. «Früher habe ich Schafe gezüchtet. Durch einen Schäferkollegen, welcher auch Alpakas züchtete, begann die Alpakazucht auf dem Simmihof. Meiner Frau imponierten die Lamas, deshalb sind vor acht Jahren zwei Lamastuten dazugekommen.»

Die Kinder der Baumgartners waren von Beginn weg von den Neuweltkameliden begeistert. Denn die lassen sich streicheln, spazieren führen, sehen lieblich aus und sind es auch. «Alpakas und Lamas sind so ruhig und umsichtig», sagt Baumgartner. «Bei den Schafen war das anders, in deren Nähe hätte ich die Kleinkinder nie alleine im Stall gelassen.» So war schnell klar, dass die Familien-Entscheidung – Schafe oder Lamas und Alpakas – zugunsten Letzterer ausfallen würde. 

Bestens angepasst an die Berge
Als Leiter der Fachstelle für Kleinvieh beim Landwirtschaftlichen Zentrum des Kantons St. Gallen in Sale tat sich Sven Baumgartner zwar mit der Trennung von den Schafen zunächst schwer. Doch auch er war schon längst in die südamerikanischen Wiederkäuer vernarrt. Die Alpakas sind eine Attraktion bei Gross und Klein. Ursprünglich aus den südamerikanischen Anden stammend, sind sie in der Schweiz keine Seltenheit mehr. Sven Baumgartner kennt die Gründe: «Sie sind relativ einfach zu halten und bieten viele Vorteile. Sie sind sehr intelligent und sehr standorttreu.» Zudem sind sie robust und fressen Raufutter, welches auf dem Hof produziert wird. Laut Baumgartner ergänzen sie sich hervorragend mit den Milchziegen. Natürlich sind das Wissen über Tierart und die Pflege sehr wichtig. Regelmässiges gezieltes Entwurmen, Scheren oder Nagelpflege sind ein Muss. 

Ein weiterer Grund, weshalb die Alpakas bestens auf den Simmihof passen, ist das steile Weidegelände. Alpakas und Lamas weiden mühelos in noch so steilen Hängen und da sie keine Klauen, sondern Schwielen haben, verursachen sie kaum Erosionen im Gelände. Dass sie sozusagen «stubenrein» sind und sich im Stall und auf der Weide einen Kotplatz einrichten, ist sehr praktisch. 

Positiv ist auch der wirtschaftliche Aspekt: Alpakas lassen sich sehr gut verkaufen. Produkte aus Alpaka-Wolle sind sehr beliebt. Aufwand und Ertrag stimmt, auch das macht sie bei Züchtern so beliebt. «Wir stellen aus der Wolle unserer 24 Tiere jährlich ungefähr 15 hochqualitative Bettdecken her», sagt Baumgartner. «Den Rest lassen wir karden und verkaufen diese Wolle zum Filzen.» 

Auch für tiergestützte Therapien bei psychischen und neurologischen Erkrankungen oder Menschen mit Behinderung werden Neuweltkameliden mit Erfolg eingesetzt. Dabei steht ihr freundlich-neugieriges, aber dennoch zurückhaltendes Wesen im Fokus. Da die Menschen Alpakas gegenüber kaum Vorurteile, geschweige denn Angst verspüren, bieten sie sich dafür an. 

Alpaka-Liebhaber und selbst Züchter hören es laut Sven Baumgartner nicht gerne, aber die Tiere liefern auch ausgezeichnetes Fleisch. «Die Qualität ist sehr gut. Ich erhalte immer mehr Anfragen nach Alpaka- und Lamafleisch.» Noch sei dies ein heikles Thema, für manche gar ein Tabu. Baumgartner ist jedoch überzeugt, dass es in einigen Jahren normal sein wird, dass das Fleisch dieser Tiere auf den Tisch kommt.

Lamas und Alpakas ernähren sich hauptsächlich von Gras. Und weil dessen Qualität bei uns viel besser ist als in den Anden, reicht auch etwas weniger gutes Grün. Beachten müssen Alpakahalter hierzulande allerdings, dass die Zähne der Tiere lebenslänglich nachwachsen. In Südamerika schleifen sie diese durch die Steine und den Sand im Futter ab. Bei uns ist das kaum der Fall. 

Und wie sieht es mit der Hitze aus? Kein Problem für die anpassungsfähigen Tiere. Im Winter profitieren sie von ihrem dicken Fell, im Frühling werden sie geschoren. Dann geniessen Alpakas die Wärme. Die Simmihof-Tiere legen sich manchmal bei grösster Hitze freiwillig in die Sonne. «Sie haben genügend Bäume, die Schatten spenden, oder können sich jederzeit in den kühlen Stall zurückziehen. Manchmal sind sie aber richtige Sonnenanbeter», erzählt Baumgartner.

Sensible und aufmerksame Wächter
Beim Züchten von Jungtieren achtet er auf die Jahreszeit: Nur einmal im Jahr gibt es Nachwuchs. So können die Jungtiere gemeinsam aufwachsen. Frühling bis Sommer ist laut dem Züchter die ideale Zeit, denn die Fohlen brauchen Sonne. «Im Sommer haben wir jeweils einen richtigen Kindergarten, die Kleinen spielen und toben miteinander herum. Ein herrliches Schauspiel.» 

Die Sanftmütigkeit der Alpakas und auch der Lamas ist in der Herde spürbar. Streit gibt es kaum. Wenn sie die Rangordnung definieren, wird höchstens mal gespuckt. Wenn ein Tier einen Menschen anspuckt, ist dies laut Baumgartner auf eine Fehlprägung zurückzuführen. Dann hatte das Tier eine Erwartung an den Menschen, die nicht erfüllt wurde. Hat jemand beispielsweise immer Futter bei sich und verwöhnt seine Tiere damit, kann er schon mal feucht getroffen werden, wenn er sich ohne Leckereien in ihre Nähe wagt. 

Alpakas und Lamas sind nicht nur sensibel und aufmerksam, sondern auch gute Wächter. Bei Gefahr flüchten sie nicht, sondern stellen sich zwischen Herde und Feind oder greifen sogar an. Mit Stampfen, Schlagen und Beissen versuchen sie ihn zu vertreiben. «Lange bevor ich merke, dass Hirsche oder Füchse in der Nähe sind, stehen meine Tiere ganz ruhig und aufmerksam da und wissen es», erzählt Baumgartner. Wagt sich ein Fuchs oder ein fremder Hund in ihr Revier, jagen sie ihn weg. 

Auch wenn Lamas und Alpakas eine angeborene Abneigung gegen alle Hundeartigen haben: Die Hütehunde Trip und Lia akzeptieren sie. Treibt Trip die Herde zusammen, ist klar, wer das Sagen hat. Lia ist noch jung und lernt erst, was es heisst, ein Hütehund zu sein. Vor der Simmihof-Herde hat sie noch ziemlich Respekt.  

Alpaka-Show in Fehraltorf

Wer Alpakas erleben will, dem bietet sich bald eine prima Gelegenheit: In Fehraltorf ZH findet am 14./15. März eine Alpaka-Show statt. Im Showring werden Alpakas von Richtern beurteilt. Beim Lama- und Alpaka-Gymkhana zeigen Tiere und ihre Führer ihr Geschick. Jeder Besucher kann aber auch selber einmal ein Tier führen und so dessen Wesen von ganz nah erleben. Ausserdem werden an Verkaufsständen diverse Produkte aus Alpakawolle angeboten.

www.alpaka-show.com


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