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Ausflug

Die Stadtbären geniessen ihre Ferien

Zoo | Freitag, 15. Mai 2015 08:00, Text und Bilder: Matthias Gräub

Wenn es im Jura von etwas genug hat, dann ist es Platz. Den gibt es auch im Waadtländer Juraparc, wo Bären, Wölfe und Bisons in grossen Gehegen leben. Dieses Jahr sind hier die Bären aus Bern zu Besuch.

Es sieht aus, als wollten sie ihre Tiere verstecken. Der Juraparc im Waadtländer Jura ist mit dem öffentlichen Verkehr kaum zu erreichen. Zugfahrer müssen sich zwischen zwei Wanderungen entscheiden: einer halbstündigen von Le Pont am Nordzipfel des Lac de Joux, die vormittags schattig ist und Trittsicherheit voraussetzt, und einer etwas längeren von Vallorbe aus, alles bergauf bis zum Mont d’Orzeires. Autofahrer haben es einfacher. Sie können sich einen Parkplatz direkt neben dem Begrüssungskomitee, einer bunt gemischten Ziegenherde, aussuchen. «Wir möchten den ÖV keinesfalls ausschliessen», sagt Olivier Blanc, der Direktor des Juraparc. «Aber es ist fast unmöglich, eine Buslinie zu bekommen.» Also werden die Wanderschuhe geschnürt.

Der Juraparc ist die Heimat von Wölfen, Bisons, Przewalski-Pferden und Braunbären – und dieses Jahr bietet er drei Ehrengästen eine Sommerbleibe: Finn, Björk und Ursina aus dem Berner Bärenpark können hier in ihrem Welschlandhalbjahr besucht werden. Die Hauptstadtbären wurden Anfang April in den Juraparc transportiert, weil in ihrer Heimat Bauarbeiten anstehen. Anstatt sich also den Baulärm anhören zu müssen, geniessen die Berner Bären ihre Sommerferien in der Nähe der französischen Grenze. 

Die Tiere haben sich laut Blanc gut an ihr neues Zuhause gewöhnt: «Es gab überhaupt keine Probleme. Sie sind ruhig aus ihren Transportboxen gekommen und fühlen sich wohl.» Ein paar Tage lang hatten sich Pfleger aus Bern noch um ihre Schützlinge gekümmert, mittlerweile sind die Bären unter der Obhut des hiesigen Personals. Und das hat Erfahrung mit den Tieren. Neben den Sommergästen leben nämlich derzeit sechs weitere Bären im Juraparc. Darunter eine Mutter mit ihren beiden Jungtieren, die sie immer im Auge behält, wenn sie rund ums Wasserbecken tollen und sich balgen.


Respekt zwischen Bär und Wolf
Von einem Holzsteg aus haben die Besucher den Überblick über die weitläufigen Bärengehege, die nahtlos in die Landschaft eingebettet sind. Im Hintergrund eine steile Felswand, davor Bäume und Findlinge, die den Bären allerhand Versteck- und Spielmöglichkeiten bieten. Langeweile kommt bei den Bären nicht auf. Erst recht nicht, wenn die Wölfe auf Besuch kommen. Die dürfen sich nämlich unter die Bären mischen. «Das ist nicht gefährlich, weder für die Wölfe, noch für die Bären», sagt Blanc. «Nur zu den jungen Bären dürfen sie nicht.» Tatsächlich spürt man in der Wolf-Bären-WG den gegenseitigen Respekt. Kommt ein Bär angezottelt, räumen die Wölfe das Feld und suchen sich einen anderen Liegeplatz, ganz in der Nähe, um den Fremdling jederzeit im Blick zu haben.

Weniger gute Erfahrungen als mit Bären hat der Juraparc mit Luchs Félix gemacht. Er kam 2011 im Park an – und verschwand vor gut einem Jahr wieder, nachdem Braunbär Kupa ein Loch ins Holzgehege geknabbert hatte, gerade so gross, dass der Luchs hindurchschlüpfen konnte. Lange wurde vermutet, Félix sei tot, aber in der Zwischenzeit ist klar: Er lebt und wurde in Freiheit fotografiert. Die Suche nach ihm ist im Gang. 

Weniger Fluchtgefahr geht von den Bisons aus, die sich auf einer kleinen Anhöhe eingerichtet haben und schwerfällig über ihre Trampelpfade stampfen. Dabei käme ihnen eine Flucht wohl gelegener als dem Luchs. Schliesslich sind die Bisons auch im Juraparc-Restaurant wieder anzutreffen – als Steak, Salami oder Terrine.

www.juraparc.ch

 

Traumhafte Tropfsteine

Bevor hinter Vallorbe die Orbe aus dem Berg schiesst, durchläuft sie ein kilometerlanges Höhlensystem. Die spektakulären Grotten sind mehr als ein Schlechtwetterprogramm für Wanderer.

Aus dem Nichts taucht sie auf. Die Orbe spuckt ihre Wassermassen aus einer Felswand, weit und breit ist kein Zufluss zu sehen. Der Fluss kommt auf imposante Weise zur Welt. Jahrhundertelang zerbrachen sich die Bewohner des Tals den Kopf darüber, wo all das Wasser herkommt. Sie fanden es vor gut 120 Jahren heraus, als sie das Wasser im Lac Brenet, einem kleinen See ohne ersichtlichen Abfluss, einfärbten und nach einer Weile feststellten, dass das farbige Wasser aus der Felswand oberhalb von Vallorbe wieder herausgeschossen kam. 

Nun war klar: Hier muss es ein Höhlensystem geben. Doch erst seit 1974 sind die Grottes de Vallorbe offen. Heute kann jeder erleben, was bis dahin nur für Höhlenforscher sichtbar war: die grösste Tropfsteinhöhle des Jura. Auf einem gut einstündigen Rundgang können Besucher Stalaktiten, Stalagmiten und unzählige andere Kalksteinformationen bestaunen, die sich im Laufe der Jahrmillionen gebildet haben. Und nicht zuletzt können sie dem unterirdischen Flusslauf folgen und erkennen, mit welcher Wucht er sich seinen Weg durch das poröse Kalkgestein gefressen hat.

In den Grotten ist es immer angenehm kühl. Die rund 11 Grad bieten Besuchern also an heissen Tagen eine willkommene Abkühlung auf ihrer Wanderung, an Regentagen bietet die Höhle zumindest ein Dach über dem Kopf – wenn auch eins, das zuweilen tropft. Höhepunkt des Rundgangs bildet die «Kathedrale», eine 30 Meter hohe Kammer, die fast alle möglichen Kalkformationen beinhaltet. Untermalt wird das Schauspiel von einer eigens dafür komponierten Licht- und Musikshow.

www.grottesdevallorbe.ch

 


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