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Toni Dürrenberger: Biberfan

«Ich rieche schon wie ein Biber»

2 Kommentare Wildtiere | Mittwoch, 22. Juli 2015, Monika Zech

Seit der Naturfreund Toni Dürrenberger an der Birs im Baselbiet eine Biberdame entdeckt hat, ist er täglich in ihrer Nähe. Um sie und ihre Familie zu beobachten – und zu beschützen. 

Frühmorgens, wenn die meisten Leute noch in ihren Betten liegen, macht sich Toni Dürrenberger auf den Weg ans Ufer der Birs. Und in der Regel geht er am Abend nochmals. Fast jeden Tag. Er geht dorthin, wo seit der Renaturierung des Flusses am Ufer eine üppige Auenlandschaft entstanden ist. Wo sich oberhalb des Flusses die Reinacherheide, das Naturschutzgebiet der Gemeinden Arlesheim und Reinach ausbreitet. Es ist ein paradiesischer Flecken, die Hektik der zivilisierten Welt scheint weit weg. 

Hier, in dieser Umgebung, lebt eine Biberfamilie. Wo genau, soll zum Schutz der Tiere geheim bleiben. Aber diese Biber sind der Grund, weshalb der pensionierte Informatiker aus Reinach, ausgerüstet mit Feldstecher und Fotoapparat, zweimal täglich je etwa drei Stunden am Birsufer verbringt. «Mir geht es wie denen, die im Fernsehen Serien schauen – ich muss immer wissen, wie es weitergeht.» Begonnen hat alles an dem Tag, an dem er und seine Frau die Biberdame Justine entdeckt hatten. Toni Dürrenberger weiss noch das exakte Datum: «Es war am 8. Mai 2014.»

Die Biberdame aus den Schlagzeilen
Er und seine Frau Irène, die mit ihm die Leidenschaft für die Natur und die Hobbyfotografie teilt, waren an der Birs unterwegs, in der Hoffnung auf ein paar schöne Fotosujets. Plötzlich habe sie ihm zugeflüstert: «Psst, hier ist ein Biber.» Und sie waren sich sicher: Das musste Justine sein.

Justine ist eben nicht irgendein Biber, sondern eine kleine Berühmtheit: Die Schweizer Medien berichteten vor zwei Jahren über einen Biber, der in einer Aprilnacht vor dem Haupteingang des Basler Zoos stand. Weil die Nachtwächter glaubten, es handle sich um einen zurückkehrenden Ausreisser, liessen sie den Biber hinein. Doch es stellte sich heraus, dass er ein Neuzugänger war und auch, dass es sich um ein Biberweibchen handelte. Es erhielt den Namen Justine. 

In Zusammenarbeit mit der Biberfachstelle des Bundes und Pro Natura Baselland wurde Justine kurz darauf wieder ausgewildert. Um sie vor allzu neugierigen Menschen zu schützen, an einem geheimen Ort. Nur so viel sickerte durch: dass es irgendwo an der Birs sein musste. Die Dürrenbergers wussten nun, wo. Von da an gehörte die Biberbeobachtung zum täglichen Programm, vor allem bei Toni. So bemerkte er bald, dass sich ein Bibermännchen zu Justine gesellt hatte. Am 23. Juli 2014 entdeckten er und seine Frau den Nachwuchs. «Bei der Biberfachstelle konnten sie es zunächst kaum glauben», erzählt Toni Dürrenberger, «bis wir ihnen unsere Fotos zeigten.» Dieses Jahr ist die Familie um zwei weitere Junge angewachsen, vermutet er. Gesehen hat er sie noch nicht, «aber Justines grosse Zitzen deuten darauf hin.»

Eine unvergessliche Begegnung
Dürrenberger ist mittlerweile fast ein Teil der Bibergemeinschaft. «Ich glaube, ich rieche schon wie ein Biber.» Sicher ist er sich, dass Justine ihn inzwischen kennt. Das schliesst er aus einer für ihn unvergesslichen Begegnung: Als er zu seinem Beobachtungsposten gehen wollte, «sass sie direkt vor mir und nagte an einem Ast.» Und die Biberdame ergriff nicht die Flucht, sondern «kam auf mich zu und blickte mich an.» Daraufhin habe sie sich umgedreht, sei ins Wasser geglitten und ganz gemütlich Richtung Biberburg geschwommen. 

Ihm ist auch aufgefallen, dass er das typische Klopfen schon lange nicht mehr hört, das Biber mit ihrer Kelle erzeugen, wenn sie Gefahr wittern. Nein, von Dürrenberger droht ihnen wirklich keine Gefahr – im Gegenteil. Er beschützt sie. Entdeckt er beispielsweise allzu nahe am Ufer ein Schlauchboot, weist er die Paddler an, Abstand zu halten, «weil sie sonst die Biber stören». Nicht zuletzt ist es auch seinem Engagement zu verdanken, dass der Bau von Ölwehren direkt beim Futterplatz der Biber vorläufig gestoppt wurde. 

Aber nun ist Justine doch verschwunden. «Wahrscheinlich hat sie sich durch die vielen Badenden in der Birs gestört gefühlt und ein ruhigeres Plätzchen gesucht», sagt Dürrenberger und bedauert, «dass Naturschutzgebiete nicht besser beachtet und Übertritte nicht streng geahndet werden». Immerhin sind da noch die beiden letztjährigen Jungbiber, die trotz der vielen Menschen den Fluss rauf- und runterschwimmen. «So vergeht kein Tag, ohne dass ich einen Biber gesehen hätte.» Auch ist er zuversichtlich, dass Justine zurückkommt, wenn der Rummel an der Birs vorbei ist. Toni Dürrenberger wird zur Stelle sein – wie immer. 

Kommentare (2)

beni gnos, naturschutzwart reinacherheide am 23.07.2015 um 12:34 Uhr
ps und vielen dank für die eindrücklichen fotos!

beni gnos, naturschutzwart reinacherheide am 23.07.2015 um 12:31 Uhr
dieser einfühlsame bericht über die biberfamilie in der reinacherheide hat mir sehr gut gefallen!
hoffen wir, dass sich die menschlichen störungen durch "naturliebende" menschen in grenzen halten.
toni dürrenberger vielen dank für seine unermüdliche fron-arbeit!!
naturnahe grüsse beni gnos

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