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Ausstellung

Das brutale Geschäft der Tierschmuggler

Wildtiere | Donnerstag, 26. November 2015, Thomas Uhland

Illegaler Handel bringt einige Tierarten an den Rand der Ausrottung. Eine Ausstellung im Naturhistorischen Museum Bern dokumentiert das Milliardengeschäft des Schmuggels und räumt mit Vorurteilen auf.

Hörner von Nashörnern, welche die Potenz beflügeln sollen, rücksichtslose Sammlerei von geschützten Tieren oder Gier nach Fleisch von exotischen Wildtieren – dergleichen seltsame Leidenschaften treiben den illegalen Handel mit geschützten Arten an. Ein Handel, der heute zu den lukrativsten überhaupt gehört; nur mit Waffen- und mit Drogenhandel verdienen kriminelle Organisationen noch mehr Geld. Auf bis zu 20 Milliarden Dollar wird der Umsatz mit geschützten Tier- und Pflanzenarten geschätzt. Ein grosser Teil der illegal gehandelten Tierbestandteile geht nach Asien, wo korrupte Beamte oft ihre schützende Hand über die Verbrechersyndikate halten. Der Gewinn fliesst häufig in den Terror und in Bürgerkriege, was die betroffenen Länder noch mehr ausblutet und an ihrer Entwicklung hindert, während viele Tier- und Pflanzenarten fast ausgerottet werden (siehe Artikel auf den Seiten 24 und 25). 

Eine zunehmende Mittelschicht in asiatischen Ländern könne sich Produkte aus gewilderten Tieren inzwischen leisten, sagt Dora Strahm, Kuratorin der Ausstellung «Tierschmuggel – tot oder lebendig» im Naturhistorischen Museum Bern. «Und den wachsenden Wohlstand will man dann auch zeigen.» So gehöre es in Vietnam heute zum guten Ton, auf einen Geschäftsabschluss mit einem Glas Reisschnaps, vermischt mit Nashornmehl anzustossen. Dass die traditionelle chinesische Medizin an Boden gewinnt, ebnet zwielichtigen Geschäften mit dem Aberglauben und Wildtier-Produkten ebenfalls den Boden.

In der Schweiz glaubt wohl kaum jemand im Ernst daran, dass Nashörner die Potenz beeinflussen, und auch sonst spiele der Handel mit geschützten Tier- und Pflanzenarten in unserem Land eine untergeordnete Rolle, sagt Mathias Lörtscher, Leiter Artenschutz beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV. Auch im Handel mit Produkten wie Elfenbein sei die Schweiz «ein kleiner Fisch» – Ausnahmen bestätigen die Regel. «Gewisse Organisationen versuchen neuerdings, die Schweiz als Transitland zu nutzen.» Noch seien es kleine Mengen, die per Paketpost oder über Flughäfen in die Schweiz gesandt werden; so werden zum Beispiel lebende Tiere am Körper festgebunden. Doch die Zollbehörden hätten die Machenschaften bisher im Griff. 

Schutz kann auch schlecht sein
Dennoch könnten auch Schweizerinnen und Schweizer auf die Wilderei Einfluss nehmen, betont Dora Strahm. Ein grosser Teil der am Zoll konfiszierten Objekte seien nämlich Souvenirs wie Krokodilleder-Schuhe oder Schlangenschnaps. Dazu kommen manche traditionelle asiatische Arzneimittel, die man aus dem Urlaub mit nach Hause bringt. «Wir wollen den Konsumenten in der Schweiz zeigen, dass Wilderei und Tierschmuggel nicht etwas ist, das sich nur in finsteren Verbrecherkreisen abspielt.» Im Gegenteil, auch Herr und Frau Schweizer könnten, ohne es zu wollen, in dieses Geschäft involviert sein.

Tierschmuggel – tot oder lebendig
Die Ausstellung im Naturhistorischen Museum Bern zeigt die Abgründe des brutalen und lukrativen illegalen Handels mit Tieren. Sie wirft aber auch gängige Vorstellungen über den Haufen. Die Ausstellung eröffnet am 27. November..
www.tierschmuggel.ch

Mit der Ausstellung zeigt das Naturhistorische Museum Bern auch Überraschendes. Etwa, dass einfache Lösungen nicht immer greifen. Dass der totale Schutz etwa nicht immer zum Vorteil der Tiere ist. Denn die meisten geschützten Wildtiere stammen aus Entwicklungsländern. Wenn der Handel nicht mehr erlaubt ist, gelten sie oft nicht mehr als Einkommensquelle, sondern als Schädlinge, die es auszurotten gilt. Wie der indonesische Molukkenkakadu: Nach dem Totalschutz des gefährdeten Vogels sahen die Bauern keinen Grund mehr, den in ihren Augen nun nutzlosen Maisdieb zu schonen.

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