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Symbiosen

Zusammen geht es besser – Symbiosen im Tierreich

Wildtiere | Donnerstag, 26. Mai 2016 06:00, Niklaus Salzmann

Wieso verschont die Muräne die Garnele? Wieso frisst die Vogelspinne den Frosch nicht? Und brütet ein Vogel neben einem Krokodil? Vom Zusammenleben profitieren jeweils beide Arten, es sind sogenannte Symbiosen.

Symbiosen – Win-win-Situationen im Zusammenleben zweier Arten – finden sich in der Biologie zuhauf. Meist stammt zumindest einer der beiden Partner aus dem Reich der Pflanzen, Pilze oder Bakterien. Seltener sind Symbiosen zwischen zwei Tierarten. Wir stellen Ihnen einige Beispiele vor.

Muränen und Putzergarnelen
Muränen sind in den Korallenriffen gefürchtete Räuber. In Nischen versteckt warten sie, bis ein Beutetier vorbeischwimmt, um es blitzschnell mit einem Biss zu erlegen. Auf ihrem Speiseplan stehen andere Fische, Krebse und Kraken. Nur die Putzergarnele spaziert ihr seelenruhig durch den Mund, ohne gefressen zu werden. Im Gegenzug – ihr Name sagt es – sorgt sie für die Körperhygiene der Muräne, indem sie Parasiten von der Haut und Speiseresten zwischen den Zähnen wegputzt. So hat die Garnele nicht nur Sicherheit, sondern auch gleich eine Futterquelle.

Seeanemone und Einsiedlerkrebs
Keine Räuber, aber doch wehrhafte Bewohner der Meere sind die Seeanemonen. Wer die Tentakel dieser quallenartigen Tiere berührt, macht unter Umständen unangenehme Bekanntschaft mit einem Nesselgift. Im Gegensatz zu den Quallen schwimmen sie aber nicht durchs Wasser, sondern bleiben an Ort, sie können höchstens langsam kriechen. Es sei denn, sie schnappen sich ein Transportmittel: Gerne schnappen sie sich ein Schneckenhaus, das von einem Einsiedlerkrebs bewohnt wird, mit dem zusammen sie fortan durchs Meer ziehen. Der Krebs geniesst den Schutz durch die Tentakel, die Seeanemone ist mobil und kriegt die Nahrungsreste des Krebses.

Knallkrebs und Grundel
Der Knallkrebs teilt sich aus Sicherheitsgründen sogar seine Höhle mit einem anderen Tier, und zwar mit einer Grundel. Zwar ist er selber wehrhaft: Der Knall, den er mit seiner Schere erzeugen kann, macht ihn zum lautesten Tier der Welt. Doch er ist kurzsichtig und würde nahende Gefahr zu spät wahrnehmen, würde ihn nicht die Grundel mit Flossenschlägen warnen. Zum Dank darf sich die Grundel in die Höhle zurückziehen, die der Knallkrebs gegraben hat.

Alligatoren und Wasservögel
Das Zusammenleben von Alligatoren mit Wasservögel sieht dagegen auf den ersten Blick nicht nach einer Win-Win-Situation aus. Denn die Alligatoren fressen die aus dem Nest geworfenen Vogelküken. Alligatoren, die unter Vogelkolonien leben, sind deshalb deutlich besser ernährt als ihre Artgenossen an anderen Standorten. Was die Vögel davon haben? Räuber wie Waschbären trauen sich nicht mehr in die Nähe der Nester. Und die Küken, die gefressen werden, hätten sowieso nicht überlebt – es sind überschüssige Tiere, die von den Eltern verstossen werden.

Nilkrokodil und Wellentriel
Auch Krokodile in Afrika leben in Symbiose mit einem Vogel, dem Wellentriel. Er ist für das Bewachen der im Sand eingegrabenen Krokodileier zuständig. Bei Gefahr alarmiert er mit seinem Pfiff das Krokodil, das nicht nur die eigenen Eier, sondern auch diejenigen des Vogels beschützt.

Vogelspinne und Engmaulfrosch
Auch die Goliath-Vogelspinne sorgt sich um ihre Eier. Davon profitiert der Engmaulfrosch. Von der Grösse her würde er druchaus auf den Speiseplan der Spinne passen, trotzdem verschont sie ihn. Denn er frisst Ameisen, Milben und weitere Tiere, die sich an die Spinneneier heranmachen und zu klein sind, um von der Spinnenmutter bekämpft zu werden.

Honigdachs und Honiganzeiger
Eine besonders schöne Symbiose pflegen der Honigdachs und der Honiganzeiger – angeblich. Die Vorliebe für Honig ist ihnen gemeinsam, und um an die leckere Speise zu gelangen spannen sie zusammen. Der Honiganzeiger, ein Vogel aus der Familie der Spechte, ist der Kundschafter, der die Bienennester ausfindig macht. Ist er fündig geworden, holt er den Dachs. Mit seiner dicken Haut wagt es dieser, die Waben herauszuholen. Nach seinem Mahl hinterlässt er reichlich Resten, an denen sich der Honiganzeiger gütlich tut. Nur – inzwischen wird angezweifelt, ob diese schöne Zusammenarbeit tatsächlich so existiert. Möglicherweise handelt es sich nur um einen hartnäckigen Mythos.

Madenhacker und Huftiere
Zum Schluss noch ein paar Worte zu einer bekanntesten Symbiosen zwischen Tieren – die allerdings womöglich gar keine richtige Symbiose ist: Wenn auf Bildern Vögel zu sehen sind, die auf dem Rücken eines Büffels oder eines Nashorns stehen, handelt es sich wohl um Madenhacker. Sie fressen die Insektenlarven, die auf Huftieren leben. Allerdings picken sie auch in den Wunden ihrers Wirts herum, was der Heilung nicht zuträglich ist. Deshalb bezweifeln Zoologen inzwischen, dass es sich um eine echte Symbiose handelt.

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