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«Tierwelt»-Förderpreis

Auf Tauchstation für die Umwelt

Natur & Umwelt | Samstag, 9. Juli 2016 12:00, Oliver Loga

Mit den Temperaturen steigt die Lust, in einen See zu springen. Doch es gibt auch Menschen, die lieber Müll in Gewässer werfen. Der Verein der Schweizer Umwelt- und Abfalltaucher (SUAT) kämpft dagegen an und säubert die Unterwasserwelt.

Das Bild treibt einem das Wasser in die Augen. Nicht, weil man sich mit dem kühlen Nass aus dem See gegenseitig bespritzt, sondern weil der Anblick himmeltraurig ist. Taucher bergen Flaschen, Dosen, Lampen, Autoreifen, Kühlschränke, Gartenmöbel, Polstergruppen, Motorräder und sogar Waffen. «Das Schlimmste, was ich gefunden habe, war ein Hund in einem Plastiksack eingewickelt», berichtet Thomas Niederer, der ursprünglich Taucher geworden ist, um die Stille und Schönheit der Unterwasserwelt geniessen zu können. «Was ich dann zu sehen bekam, hat mich jedoch schockiert. In vielen Seen befindet sich ohne Ende Abfall. So habe ich nach manchem Tauchgang im Logbuch vermerkt: saukalt, keine Fische, Mülldeponie.»

Niederer erkundigte sich deswegen besorgt bei grossen Umweltorganisationen wie Greenpeace und dem WWF, was gegen die Verunreinigung unternommen werde. Doch seine Anfrage wurde mit Verwunderung und Desinteresse beantwortet. «Das war für mich der Punkt, an dem ich mich entschieden habe, etwas gegen das Problem zu unternehmen», erzählt der Taucher aus Hergiswil NW. Deshalb gründete er 2010 den Verein der Schweizer Umwelt- und Abfalltaucher, kurz SUAT, dem er bis heute als Präsident vorsteht.

Schon bald meldeten sich Gleichgesinnte aus der gesamten Schweiz, um Niederer ehrenamtlich zu unterstützen. Ihr Ziel ist es, die Gewässer nicht nur als Trinkwasserquelle für den Menschen zu betrachten und die Sicherheit von Badegästen zu erhöhen, sondern auch den vielen tierischen Wasserbewohnern einen Lebensraum ohne Abfälle und chemische Verschmutzungen zu gewährleisten. «Es darf nicht sein, dass Fische, Vögel oder Schildkröten an achtlos entsorgtem Plastik zugrunde gehen», sagt Niederer.

Abfall aufspüren und entsorgen
Besonders stark von der Umweltverschmutzung seien Schweizer Gewässer betroffen, an deren Seepromenaden sich viele Leute zum Feiern und Grillieren aufhalten. Aber auch Bereiche, die nur mit einem Boot erreichbar sind, blieben von der illegalen Müllentsorgung nicht verschont, wie Niederer und die anderen SUAT-Mitglieder bei ihren Tauchgängen festgestellt haben.

Die Arbeit der Abfalltaucher, die wöchentlich ausrücken, besteht aus zwei Teilen: Erkundungstauchgänge, um den Abfall aufzuspüren und sogenannte Clean-ups, an denen die gefundenen Unterwasserdeponien eliminiert und der Abfall ordentlich entsorgt wird. Dafür schlüpfen die Umweltschützer in Trockentauchanzüge, die vor Kälte schützen, und führen kaltwassertaugliche Atemregler in doppelter Ausführung sowie spezielle Unterwasserlampen für dunkle Bereiche mit sich. «So trotzen wir dem kalten Wasser, vor allem im dunklen Winter, und verlängern die Tauchzeit, was die Effizienz unserer Arbeit deutlich erhöht», sagt Niederer. Denn es ist laut dem 50-Jährigen wichtig drei Punkte zu erfüllen: Sicherheit für die Taucher, Schonen der Unterwasserwelt und Effizienz beim Einsammeln von Abfall.

Wie viel die SUAT seit ihrer Gründung bewegt hat, lässt sich eindrücklich in Zahlen belegen. So haben die Taucher in den letzten sechs Jahren rund 300 000 Kilogramm Gesellschaftsmüll eingesammelt, nicht nur unter der Wasseroberfläche, sondern auch an den Uferbereichen. Die Arbeit hat allerdings ihren Preis. «Die Müllbergungen sind extrem kostenintensiv, genau wie die Ausrüstungen, die sehr unter unseren Einsätzen leiden», sagt Niederer. Daher würde das mögliche Preisgeld des «Tierwelt»-Förderpreises auch vollumfänglich in das Equipment fliessen.

Hilfreich wären aber nicht nur finanzielle Mittel, sondern auch weitere ehrenamtliche Helfer, entweder als Taucher oder als Müllsammler an Land. «Um bei uns Mitglied zu werden, braucht es nur den Willen, sich für eine gute Sache einzusetzen», betont der SUAT-Präsident. «Und wer gerne auf Tauchgang mit uns gehen möchte, aber kein Brevet dafür hat, kann es jederzeit bei einem unserer Tauchlehrer erlangen.» Eine reizvolle Möglichkeit, ein faszinierendes Hobby zu erlernen und gleichzeitig den Umweltschutz zu fördern.

www.suat.ch

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