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Pustepudel und Nadelaffe

Tiere aus Blättern und Blüten

Unterhaltung | Mittwoch, 15. Februar 2017, Oliver Loga

Ein Pudel aus Löwenzahn, ein Orang-Utan aus Kiefernnadeln und ein Elefant aus Wirsing. Klingt amüsant und sieht auch so aus. Die Fotografin Eva Häberle hat mit viel Fantasie Tiere aus Blüten und Blättern kreiert. Das Ergebnis ist verblüffend gut.

Warten kann lästig und langweilig sein. Es kann einen aber auch auf tolle Ideen bringen. Bei Eva Häberle war das der Fall. Als sie am Bahnhof eines kleinen Ortes im englischen Cornwall auf einen Freund wartete, fiel ihr nichts Besseres ein, als sich die Zeit auf einem Bordstein zu vertreiben und mit den Füssen Laub hin und her zu schieben. Plötzlich sah das Laub wie eine Eule aus. 

Es war der Startschuss für eine Tierserie und für eine neue Leidenschaft. Als freie Porträt-Fotografin für renommierte Magazine hatte Häberle in erster Linie Augen für menschliche Gesichter. Seit dem Aha-Erlebnis in England hält sie mit ihrer Kamera auch aus Blüten und Blättern zusammengesetzte «Tiere» fest.

Bei der Entstehung dieser witzigen Kunstwerke hängt vieles vom Zufall ab, wie Häberle gesteht. Manchmal gebe eine Pflanzenform ein Tier vor, manchmal komme ihr aber auch eine Idee, für die sie sich auf Materialsuche in die Natur begibt. Herausgekommen sind dabei Pustepudel, Birkenbiber, Mangold-Mücken, Wirsing-Elefanten und ein Chamäleon aus Blättern.

Fantasievolle Gebilde, amüsante Verse
Zu bestaunen sind die fantasie- und liebevollen Gebilde nun im Buch «Was macht das Blättertier denn hier». Sie alleine lohnen das Durchblättern. Doch es kommt noch besser. Denn zu den Hinguckern gesellen sich humorvolle Verse von Thomas Gsella, der einst Chefredaktor des Satiremagazins «Titanic» war. Er sorgt mit feiner Feder für unerwartete Wendungen voller Witz, Nonsens, aber auch hintergründiger Bedeutung. Kostproben gefällig?

Zum Pusteblumen-Pudel: «Ach, wie wimmelt es von Neidern, wenn ein hohes Tier sich zeigt und in filigransten Kleidern seinen Blick zum Himmel neigt! – Ach, was bleibt von den Gestalten, wenn ein Sturm tobt und sich legt. Die sich für gewichtig halten, werden leicht hinweggefegt.» 

Zum Blüten-Kakadu: «Nun betrachten wir in Ruh’ den Gelbhaubenkakadu. Ob er froh in Früchte beisst oder sehr weit oben über allen Tropen kreist: Diesen Vogel sehen heisst seine Schönheit loben! – Schön, wie gelb die Haube glänzt! Schön, wie schön die Federn! Schön, wie himmelweiss ihn schwänzt und die schönen Augen kränzt!»

Das ungewöhnliche Buch lässt einen nicht nur staunen und schmunzeln. Es macht auch Lust, in der Natur nach Inspirationen zu suchen und eigene Kunstwerke zu erschaffen.

Blättertier

Eva Häberle, Thomas Gsella:
«Was macht das Blättertier denn hier»
1. Auflage 2016 
Gebunden, 112 Seiten
mit 50 farbigen Abbildungen 
Verlag: Knesebeck, ca. 22 Franken 
ISBN: 978-3-86873-883-4

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