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Rassekatzen

Rasse und Klasse über dem Zürichsee

Haustiere | Dienstag, 7. März 2017, Niklaus Salzmann

Die Katzenausstellung in Wollerau vom vergangenen Wochenende liess die Herzen von Züchtern, Haltern und Katzenliebhabern höherschlagen.

Die junge Ägyptische Mau mit dem Namen Chemetra von Skarrabäus kuschelt sich im Käfig an eine andere Katze aus ihrer Zucht. Ein paar Schritte weiter links blinzelt ein Britisch-Kurzhaar-Kater, der schon einmal den Titel Grosser Internationaler Champion gewonnen hat, mit grünen Augen aus seinem Kistchen heraus die Besucher an. Die junge Russisch Blau daneben äugt hinter ihrem Vorhang hervor. Eine braune Burma döst in ihrem Kistchen. Zwei Britisch Kurzhaar, ein Männchen und ein Weibchen in der Farbe «seal silver tabby pointed», lassen sich streicheln; der Besitzer hat auf Wunsch von zwei Mädchen extra den Käfig geöffnet. 

Wir befinden uns an der Internationalen Katzenausstellung, die der Schweizer Kurzhaar Katzenclub Ebocat am vergangenen Wochenende in der Mehrzweckhalle Wollerau oberhalb des Zürichsees durchgeführt hat. Ein gelber Zettel an den Gitterstäben von Chemetra, der Ägyptischen Mau, sagt in ihrem Namen: «Ich bin für die ‹Best in Show› nominiert.» Sie wird also hier gegen Ende des Tages auf der Tribüne präsentiert und von allen vier Richtern begutachtet werden – und sie hat beste Aussichten auf den Sieg in ihrer Klasse. Nominiert wurde sie von der dänischen Richterin Britta Busse. Die Frau war sichtlich entzückt vom Kätzchen, streichelte es ein bisschen länger als die meisten anderen der knapp 50 Tiere, die sie an diesem Tag zu beurteilen hatte. «Ich habe gehofft, sie auf meinem Tisch zu haben», hatte sie zu Chemetras Züchter gesagt. 

Gut möglich, dass das Jungtier später Auszeichnungen gewinnt wie die anderen beiden Tiere aus ihrer Zucht, die hier zu bewundern sind: der Kater ist ein Supreme Premior, die Katze ein Grosser Internationaler Premior. Um einen solchen Titel zu führen, muss ein Tier an Ausstellungen in verschiedenen Ländern die Richter von seinen Qualitäten überzeugen und Punkte sammeln. Das Renommee, das es zu gewinnen gibt, ist für Katzenzüchter ein wichtiger Anreiz, ihre Tiere an Ausstellungen zu präsentieren. Anderen Ausstellern geht es dagegen hauptsächlich um den Austausch mit Bekannten. So Patrick Mösch, welcher der Richterin gerade einen zweifachen World Winner, Orientalisch Kurzhaar, präsentiert: «Ich bin gekommen, um Freunde zu treffen.»

Die Stimmung unter den Haltern und Züchtern ist familiär, man kennt sich. Etwa 200 Katzen pro Tag gibt es hier zu sehen, die meisten aus der Schweiz, ein paar aus Deutschland und Österreich, zwei aus Liechtenstein. Eine Heilige Birma ist gar aus Griechenland angereist; Freunde ihres Besitzers, welche dieselbe Rasse halten, haben ihn eingeladen. Er unterstützt nun als Stewart die Richter und sammelt so Erfahrung, um später mal selber Katzen beurteilen zu dürfen. 

«So schön wie meine war, ist keine»
Seine Heilige Birma wird derweil von einem älteren Paar aus Wollerau betrachtet. Die beiden schauen sich die Katzen gerne an, haben aber selber keine. Das Mädchen, das in der nächsten Käfigreihe gerade eine Ocicat mit ihrem Mobiltelefon fotografiert hat, besitzt dagegen gleich zwei Büsis, wie es stolz verkündet, Cindy und Gina. Und die junge Frau, deren Freund sich von einem Verkäufer gerade Kurz- und Langhaarbürsten erklären lässt, hält sogar drei Katzen. Zwei ihrer Züchter seien hier, erklärt sie, ausserdem wohne sie hier, also sei es klar gewesen, dass sie die Ausstellung besuche. 

Ein junges Paar aus Zürich hat derweil einen Züchter angesprochen und darf nun eine wildfarbene Somali streicheln, die ihnen sehr gut gefällt. Zwei Katzen möchten sie sich zulegen, hier können sie Züchter kennenlernen und die Rassen, die sie bisher teils nur von Bildern kannten, in echt sehen. Gerade weil das Spektrum der Rassen so breit ist, falle ihnen die Auswahl nicht einfach, sagt er. Möglicherweise werden sie eine Somali mit einem Tier einer anderen Rasse kombinieren, wenn sich die beiden vertragen. 

Auf den Käfigen der Züchter liegen Visitenkarten und Flyer auf, einer hat ein Schild aufgestellt: «Wir haben Kitten.» Die alte Dame, die davorsteht, will sich aber keine Katze kaufen. Früher hatte sie welche, doch wenn eine starb, sei es immer so traurig gewesen, das ertrage sie nicht mehr. Stattdessen ist sie nun aus der Nachbarsgemeinde Richterswil nach Wollerau gekommen, um sich an den Tieren zu erfreuen. «Wunderschöne Katzen», sagt sie. «Aber so schön, wie meine war, ist keine.»

Besonders viel Aufmerksamkeit erhalten zwei Maine Coons, einerseits dank ihres günstigen Platzes an der vorderen Ecke der ersten Käfigreihe, andererseits dank ihrer beeindruckenden Grösse. Die einzige Nacktkatze an der Ausstellung scheint die Besucher dagegen eher zu überfordern. «Mit der hast du keine Haare in der Wohnung», sagt ein Mann zu seinem Kollegen; auf ein klares Statement, was er von haarlosen Zuchtformen hält, verzichtet er. 

«Best in Show» – der Höhepunkt
Während in sechs Käfigreihen ein grosses Spektrum an Katzenrassen zu bestaunen ist, haben Händler an ihren Ständen entlang der Wände ein breites Sortiment an Zubehör aufgebaut. Hier findet sich alles, was die Katze oder vielleicht eher ihr Besitzer begehren könnte: Eine «Spezial-Milchflasche», eine «Softzupfbürste mit Edelstahlkopf», ein «Natur-Katzenbaum zum individuellen Gestalten», ein Federwedel «Handmade in America», Fellspray, Impfpasshüllen, Decken, Spielzeugmäuse, Körbe, Näpfe aus Kunststoff und Keramik und natürlich Trocken- und Nassfutterpackungen in allen Grössen und Geschmacksrichtungen.

Dass es den meisten Besuchern aber um die Tiere und nicht um Waren geht, wird klar, als die Besitzer der nominierten Katzen aufgerufen werden, ihre Tiere für die «Best in Show», den Höhepunkt des Tages, nach vorn zu bringen. Zum ersten Mal an diesem Tag ist Miauen zu hören, es ertönt mehrstimmig aus den Käfigen von der Tribüne herunter, während sich unten die Besucher scharen. 

Jeder der vier Richter hat in jeder Klasse jeweils ein Tier nominiert. Bei den Vier- bis Siebenmonatigen der Rassenkategorie 3 schlug Britta Busse selbstverständlich die Ägyptische Mau Chemetra vor. Sie freut sich, der Kleinen nochmals zu begegnen, schmust mit ihr herum. Es dauert nicht lange, bis alle vier Richter ihre Stimme abgegeben haben. Der Entscheid fällt einstimmig: Siegerin in dieser Klasse ist die Ägyptische Mau Chemetra von Skarrabäus. Applaus.

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