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Pflanzen

Heilkräuter für Krankenbett und Küche

Natur & Umwelt | Mittwoch, 19. April 2017, Andeas Krebs

Schon die alten Naturmediziner wussten: Die besten Heilkräuter wachsen direkt vor der Haustür des Kranken. Wer keine Leiden hat, kann sie trotzdem verwenden: zur Vorbeugung und für den Genuss.

Wie kräftig die Natur ist, zeigt sich jeden Frühling, wenn es wieder an allen Ecken spriesst, grünt und blüht. Aus klitzekleinen Samen wachsen gros­se, mächtige Bäume heran. Pflanzen wie der Löwenzahn keimen in engen Ritzen zubetonierter Städte und sprengen den Asphalt. Es ist diese Kraft, die sich auch der Mensch seit jeher zunutze macht. Um Leiden und Beschwerden zu lindern.

Laut einem Fachartikel, der Anfang März im Wissenschaftsmagazin «Nature» erschienen ist, wussten schon die Neandertaler um die heilenden Eigenschaften bestimmter Pflanzen. Sie nutzten sie gezielt als Schmerzmittel und Entzündungshemmer. Belege dafür liefern Forscher der Universitäten Adelaide (Australien) und Liverpool (England). Sie untersuchten dazu die Kieferknochen und Zähne von vier Neandertalern auf krank machende Erreger, die im Zahnbelag konserviert wurden. 

Ein Neandertaler litt an einem Abszess am Kieferknochen. Zudem fanden sich DNA-Spuren eines Darmparasiten, der akuten Durchfall verursacht. «Er war offensichtlich sehr krank», kommentiert Professor Alan Cooper von der Universität Adelaide den Fund. Um die Schmerzen zu lindern, so die Forscher, ass der Neandertaler Pappelholz. Es enthält, wie übrigens auch Weide und Mädesüss, Salicylsäure. Ein Wirkstoff, der heute in vielen Schmerzmitteln enthalten ist. Beim selben Neandertaler fanden die Forscher zudem Spuren eines Schimmelpilzes, der einen antibiotischen Wirkstoff wie Penicillin erzeugt.

Ein Kraut gegen jedes Zipperlein
Der griechische Militärarzt Dioskurides schrieb im 1. Jahrhundert nach Christus das erste Kräuterbuch der westlichen Welt. Wie schon Hippokrates (470–365 v. Chr.) vor ihm und Hildegard von Bingen (1098–1179), Paracelsus (1493–1541) oder Maria Treben (1907–1991) nach ihm, wusste Dioskurides, dass die wirksamsten Heilkräuter oft in unmittelbarer Umgebung des Kranken wachsen.

Gegen jedes Zipperlein ist ein Kraut gewachsen, heisst es im Volksmund. Selbst die einfachsten, gewöhnlichsten Kräuter haben ihren Wert. Laut Pflanzenheilkundlern genügt oft schon eine Hand voll, um Leiden zu lindern. Darüber hinaus sind viele Kräuter sehr schmackhaft: zum Beispiel als Tee, Pesto, im Salat, in Suppen, der Quiche oder im Wildkräuterrisotto. Und wie gesagt: Viele der Pflanzen spriessen direkt vor unserer Haustür.

Literaturtipp:
Monika Wurft: «Mein Wildkräuterbuch: 30 essbare Pflanzen entdecken, sammeln und geniessen», Ulmer, ISBN: 978-3-8001-0858-9, ca. Fr. 24.–

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