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Ausstellung

«Karneval der Tiere» gibt ästhetische Denkanstösse

Unterhaltung | Dienstag, 13. März 2018 08:00, Oliver Loga

Das Kunstmuseum Luzern zeigt Werke, die das Verhältnis zwischen Mensch und Tier abbilden. Von Schosshunden über Kriegspferde bis zu Schlachtvieh.

Die Fasnacht ist zwar vorbei, doch der «Karneval der Tiere» geht gerade erst los. Zumindest im Kunstmuseum Luzern, dessen aktuelle Ausstellung diesen Titel trägt. Sieben Räume verwandeln sich in eine Menagerie mit Pferden, Kühen, Ziegen, Schafen, Raubtieren und Vögeln – in Form von Gemälden, Zeichnungen, Fotografien und Skulpturen. «Wir widmen uns anhand von über hundert Werken vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart dem oftmals innigen, aber nicht immer einfachen Verhältnis von Mensch und Tier», sagt der Sammlungskonservator und Kurator Heinz Stahlhut.
Das unterstreicht gleich der erste Ausstellungsraum «Hoch zu Ross und unterm Joch». Bilder von Rudolf Koller und Jacques Laurent Agasse stellen einerseits Pferde als geschmeidige und kraftvolle Tiere dar. Auf der anderen Seite zeigt zum Beispiel der Schweizer Bildhauer Hugo Siegwart einen Rossbändiger, der die menschliche Machtausübung auf das Pferd verdeutlicht.

Getötete Tiere haben Platz in der Ausstellung
Ein paar Meter weiter stehen getötete Tiere im Fokus. «Wenn Schlachthöfe Fenster hätten, wäre jeder Mensch Vegetarier», prangt ein Zitat von Paul McCartney in grossen, schwarzen Lettern auf einer weissen Wand. Passend dazu führen Varlins Malereien von Schlachthöfen die Herkunft unserer Mahlzeiten ungeschönt vor Augen. «Dabei fasziniert den Künstler das rohe Fleisch auch, weil es weich, feucht und glänzend ist wie die Ölfarbe, die er verwendet hat», erklärt Stahlhut. «Es wirkt fast so, als hätte er die Bilder mit dem Blut der geschlachteten Tiere gemalt.»

Mensch und Pferd leiden gemeinsam
Blutig geht es auch in den kriegerischen Darstellungen des 19. und 20. Jahrhunderts zu. Hier leiden Mensch und Pferd gemeinsam. Besonders bedrückend sind dabei Edouard Castres’ Studien für das monumentale Luzerner Bourbaki-Panorama. Sie veranschaulichen das Elend und Sterben von Soldaten und Pferden während des Deutsch-Französischen Krieges 1870 / 71.

Nach so viel Mord und Totschlag wünscht sich wohl mancher Museumsbesucher in die heile Welt des «Garten Eden». Die Illusion davon bietet Josephine Trollers gleichnamiges Werk mit zahlreichen Vögeln, die sich zufrieden in einem Teich und unter Bäumen tummeln. Beim Betrachten des Bildes stellt sich ein wohliges Gefühl von Freiheit ein.
Zulasten der Freiheit geht dagegen oft die Zähmung von Tieren. Für den Luzerner Künstler Claude Sandoz etwa war der Anblick von eingesperrten Zootieren in Rom ein Bild für das eigene Gefangensein in seiner bisherigen Kunstpraxis. «Die rasterartigen Gitterstäbe führten ihn dann zu einer ornamentalen Bildgestaltung, die bis heute sein Schaffen bestimmt», erklärt Stahlhut.

Spinne symbolisiert die Pest
Mit der Frage, ob das Halten von Haustieren artgerecht ist, beschäftigte sich Paul Stöckli, der eine Frau mit einem Hund auf dem Schoss porträtierte. Beide sehen alles andere als glücklich aus. Doch wer weiss das schon so genau, schliesslich seien Tierdarstellungen immer Deutungen des Menschen, findet Stahlhut.

So werden Tiere seit Urzeiten als Symbole für moralische Ermahnungen oder Illustrationen von Eigenschaften verwendet. Dies ist auch das Thema des letzten Ausstellungsraumes, in dem Franz Karl Basler-Kopps Gemälde mit einer schwarzen Spinne heraussticht. Es bezieht sich auf Jeremias Gotthelfs Novelle, in der das achtbeinige Tier mit den leuchtend roten Augen für die Pest steht, die eine Dorfgemeinschaft bedroht.

Keine Drohung, sondern ein Versprechen ist «Karneval der Tiere». Ein Versprechen, mit zahlreichen ästhetischen Eindrücken und Denkanstössen zum oft widersprüchlichen Verhältnis zwischen Mensch und Tier nach Hause zu gehen.

 

«Karneval der Tiere» läuft bis zum6. Januar 2019 im Kunstmuseum Luzern.

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