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Ausrottungsprogramm

Südatlantikinsel South Georgia ist nagerfrei

Wildtiere | Sonntag, 13. Mai 2018 15:00, Meret Signer

Es ist geschafft! In einem Ausrottungsprojekt von bisher nie gesehener Grösse wurden alle Ratten und Mäuse von der Südatlantikinsel South Georgia entfernt. Millionen von Vögeln können aufatmen.

1775 landete der berühmte Seefahrer James Cook als Erster auf der Insel South Georgia im südlichen Atlantik und erklärte sie zu einem Teil Grossbritanniens. Mit brachte er nicht nur seine Crew sondern auch kleinere Passagiere, die uneingeladen auf seinem Schiff mitfuhren: Wanderratten und Hausmäuse. Während die Zweibeiner fortan fast 200 Jahre lang Wale und Robben jagten, breiteten sich die Vierbeiner im Stillen aus – und der Schaden, den invasive Nager vor allem für auf abgelegenen Inseln brütende Vögel anrichten können, ist beträchtlich. Sie fressen Eier und Jungvögel, je nach Grösse auch adulte –  und seit neustem überfallen auf einigen Inseln sogar winzige Mäuse viel grössere Albatrosküken (lesen Sie hier mehr dazu). Dagegen wehren können sich die Vögel nicht. Sie lebten Jahrtausende lang ohne natürliche Feinde und haben deshalb von der Evolution keine Abwehr- oder Fluchtreflexe mitgegeben bekommen.

So auch auf South Georgia. Laut dem schottischen South Georgia Heritage Trust (SGHT), der das Ausrottungsprogramm koordinierte, leben auf der Insel die Hälfte aller Südlichen Seeelefanten – die grösste Robbenart der Welt – und 98 Prozent aller Südlichen Seebären kommen dorthin, um sich fortzupflanzen. Es brüten ausserdem 81 Vogelarten auf South Georgia, darunter vier Pinguinarten und zwei endemische Arten: die South-Georgia-Spitzschwanzente und der South-Georgia-Pieper, der einzige Singvogel der Insel. Die Zahl der Brutvögel wird auf insgesamt 30 Millionen geschätzt. Die eingeschleppten Nager hätten einen «vernichtenden Effekt» auf sie gehabt, schreibt der SGHT.

Grösstes Ausrottungsprogramm der Welt
Deshalb entschied er sich im Jahr 2008 zusammen mit seiner Partnerorganisation in den USA zu handeln. Fast zehn Millionen Pfund (13,5 Millionen Franken) an Spenden- und Regierungsgeldern wurden seither gesammelt, um das riesige Ausrottungsprojekt zu finanzieren. South Georgia hat eine Fläche von 1097 Quadratkilometern – dies sei eine achtmal grössere Fläche bei jedem anderen Ausrottungsprogramm der Welt. 2011, 2013 und 2015 wurden mit Helikoptern tonnenweise Giftköder abgeworfen. Helfer verteilten sie auch von Hand an sonst nicht zugänglichen Stellen. 2017 kehrte schliesslich ein Team mit Suchhunden zurück und verbrachte sechs Monate auf der Insel. Anzeichen von Ratten und Mäusen fanden sie keine. Mission geglückt: Am 8. Mai 2018 wurde South Georgia offiziell für nagerfrei erklärt.

Was die Giftköder für einen Einfluss auf die Natur und die anderen Tiere der Insel haben, wird nicht mitgeteilt. Wie oft bei solchen Aktionen dürften die Nutzen wohl aber höher sein als die Kosten. Einige Vogelarten hätten sich in den zwei Jahren seit dem Abwurf der letzten Köder schon «sehr dramatisch» erholt. Wie es aussieht, wenn so eine Nagerausrottung umgesetzt wird, zeigen wir Ihnen in unserer Bildergalerie. 

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