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Unterhaltung

T. rex in Bewegung

Zoo, Unterhaltung | Donnerstag, 10. Oktober 2019, Niklaus Salzmann

In Bern lassen animierte Dinosaurier-Nachbildungen Urzeit-Stimmung aufkommen. Nebenbei räumt die Ausstellung mit falschen Vorstellungen über den Tyrannosaurus auf. 

Das Problem mit den Dinosauriern ist, dass sie tot sind. Und deshalb wirken sogar die spektakulärsten Funde, die in Museen ausgestellt werden, starr. Anders in der Sonderausstellung im Naturhistorischen Museum Bern: Hier bewegen sich die Dinosaurier, drehen die Köpfe, scharren mit den Füssen, lärmen. 

Es ist düster im Raum mit den Dinosauriern, und aus den Boxen ertönen Klänge wie aus bedrohlichen Filmszenen, passend zum Bild des gefährlichen Räubers, das wir vom Tyrannosaurus rex haben. Der eine T. rex tut sich denn auch gerade an einem Triceratops gütlich, einem pflanzenfressenden Dinosaurier. Diesen hat der Raubsaurier offensichtlich gerade erlegt. Oder vielleicht doch nicht? 

«T. rex – kennen wir uns?», lautet der Titel der Ausstellung. Und klar, die Antwort lautet: nein. Denn wer ein paar Sätze auf einer der Tafeln liest, sieht sein vermeintliches Wissen über den berühmtesten aller Saurier auf den Kopf gestellt. Zwar lassen sich mit einem derart mächtigen Kiefer, wie T. rex ihn hatte, durchaus Tiere töten. Aber wie in der Ausstellung zu erfahren ist, spricht einiges dafür, dass ein erwachsener Tyrannosaurus dies gar nicht nötig hatte. Mit seinem feinen Geruchssinn spürte er tote Tiere auf. Und wer dort am Fressen war, machte Platz, wenn T. rex auftauchte.

Dinosaurier-Spuren in der Schweiz
Aas zu fressen war auch deshalb eine sinnvolle Strategie für den Tyrannosaurus, weil er nicht allzu schnell war. Ungefähr 20 Kilometer pro Stunde hat ein ausgewachsenes Exemplar erreicht, fitte Menschen wären ihm davongerannt. Weshalb er so langsam war? Beim Blick aufs Skelett – auch eine originalgrosse Nachbildung eines solchen fehlt in der Ausstellung nicht – leuchtet es ein: Die Knochen waren so schwer, dass sie bei höheren Tempi unter ihrem eigenen Gewicht zusammengekracht wären. Die Grösse war in diesem Sinne auch eine Schwäche. 

Hätten wir in der Kreidezeit gelebt, hätten wir uns vielmehr vor den flinken Deinonychen in acht nehmen müssen. Diese sehen aus wie Miniaturausgaben des T. Rex, sie wurden knapp so schwer wie ein ausgewachsener Mensch. Doch in Gruppen konnten sie mit ihren scharfen Krallen auch sehr viel grös­sere Pflanzenfresser töten. In der Ausstellung scheinen sie einen Tentosaurus erlegt zu haben, der schwer wie ein Nashorn war. Mit blutverschmierten Mäulern beissen die zwei kleinen Raubsaurier an ihrer Beute herum. 

Herzig wird es im hinteren Teil des Ausstellungsraumes. Hier hat ein Edmontosaurus ein Nest angelegt. Das Maul dieses Sauriers erinnert an einen Entenschnabel, bei ihm handelt es sich offensichtlich nicht um ein Raubtier. Und die Besucherinnen und Besucher haben Glück: Die Jungen sind gerade am Schlüpfen. Zwei sind schon raus aus der Schale, andere gucken neugierig mit den Köpfen aus ihren Eiern, und bei einem Ei zeigen die Risse und wackelnden Bewegungen, dass hier alsbald ein weiteres Saurierli das Licht der Urwelt erblicken wird.

Doch Gefahr droht auch ihnen. Wenige Meter neben dem Nest warten die kleinen gestreiften Dromaeosauren mit gebleckten Zähnen offensichtlich nur darauf, über das gefundene Fressen in Form frisch geschlüpfter Dinobabys herzufallen.

Die ausgestellten Dinosaurier-Nachbildungen kommen vom Naturhistorischen Museum London, wo man es bestens versteht, die Emotionen des Publikums zu wecken. Das Berner Team hat aber nebst den Tafeln mit den prägnanten Infohäppchen doch auch einige klassische Exponate dazugestellt. So kann sich das interessierte Publikum in sicherem
Abstand von hungrigen T. rex und anderen Räubern ansehen, was Saurier in der Schweiz für Spuren hinterliessen. Da gibt es etwa ein Schultergelenk aus Moutier BE, einen Oberschenkel aus Frick AG und einen Zahn aus einer Höhle in Baselland zu bestaunen. Alles unbewegt, aber echt. 

 

Die Ausstellung läuft bis zum 22. März 2020 im Naturhistorischen Museum Bern.
www.nmbe.ch

 

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