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Unneigennütziges Verhalten

Hunde geben ihren Freunden Futter

Haustiere | Sonntag, 27. Dezember 2015 12:00, msi

Menschen und andere Primaten tun ihren Freunden gerne mal einen Gefallen – ohne sich dabei eine Gegenleistung zu versprechen. Nun wurde diese Form von prosozialem Verhalten zum ersten Mal auch bei Hunden nachgewiesen.

Verhaltensforscherinnen der Veterinärmedizinischen Universität Wien gaben Hunden in einem Experiment die Wahl, einem zweiten Hund ein Leckerli zu geben oder nicht. Die «Entscheider-Hunde» mussten dafür an einer Schnur ziehen, damit sich eine Plattform bewegt, auf der die «Empfänger-Hunde» das Leckerli präsentiert bekamen. Für die Entscheider-Hunde selbst sprang nichts dabei raus. Es ging als bloss darum, dem anderen Hund etwas Gutes zu tun.

Und dies taten die Hunde viel öfter, wenn sie den Empfänger-Hund schon kannten. «Hunde verhalten sich tatsächlich wohlwollend gegenüber anderen Hunden», sagt Studienleiterin Friedrike Range in einer Mitteilung. «Dies wurde bisher noch nie experimentell nachgewiesen.»

Hunde im Versuchsaufbau
Der Entscheider-Hund (rechts) kann dem Empfänger-Hund (links) ein
Leckerli ermöglichen..
  Bild: Mylène Quervel-Chaumette/Vetmeduni Vienna

Dass die Hunde aus reiner Freude an der Schnur zogen, können Range und ihre Kolleginnen, die ihre Ergebnisse im Fachmagazin «Nature Scientific Reports» veröffentlicht haben, ausschliessen. War ein fremder Hund beim Versuch dabei, hielten sich die Entscheider mit Ziehen zurück. Dass sie genau wussten, was sie taten, konnten die Forscherinnen ebenfalls zeigen: In einem Kontrolltest konnten die Hunde an der Schnur ziehen, um sich selbst ein Leckerli zu geben. Dies taten alle 16 Hunde des Experiments – egal, ob sich ein bekannter oder fremder Hund neben ihnen befand.

Jahrtausendelange Selektion
Prosoziales Verhalten – das Gegenteil von antisozialem Verhalten – kann einerseits aus Egoismus – man erhofft sich davon einen späteren Vorteil – oder aber aus echter Empathie erfolgen. Dass solch uneigennütziges Verhalten auch bei Hunden vorkommt, nahm Friedrike Range aus zwei Gründen an: «Hunde und ihre nächsten Verwandten, die Wölfe, zeigen geselliges und kooperatives Verhalten. Da lag die Vermutung nahe, dass es bei diesen Tieren prosoziales Verhalten gegenüber Artgenossen gibt. Ausserdem wurden Hunde im Zuge der Domestikation Jahrtausende lang auf spezielle sozialen Fähigkeiten hin selektiert.»

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