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Vegetarische Katze

Viel Aufregung um kein Fleisch

4 Kommentare Haustiere | Montag, 24. April 2017, Andrea Trueb

Katzen sind «Karnivoren», also Fleischfresser. Es gibt aber Halter, die ihr Büsi vegetarisch oder gar vegan ernähren – meistens weil es ihrer eigenen Lebensart entspricht. Der Entscheid ist hoch umstritten – und gleichzeitig in der Regel wohlüberlegt.

Immer mehr Menschen lehnen den Konsum von Fleisch und anderen tierischen Produkten ab. Die Gründe dafür sind vielfältig und gehen von Tierschutz über die Klimaerwärmung bis hin zur eigenen Gesundheit. Während der Mensch seine Ernährung einigermassen problemlos auf «pflanzlich» umstellen kann und zunehmend auf Verständnis sowie Gleichgesinnte trifft, sieht es bei der Katze anders aus. Der Entscheid, seinem Büsi kein Fleisch zu füttern, ist – gelinde gesagt – umstritten. 

Aufrufe auf Facebook, ob jemand über seine Erfahrungen berichten würde, enden mit Löschung, Tumult und dem Hinweis, wer seine Katze vegetarisch ernähre, gehöre ins Gefängnis. Uneinsichtigen Pflanzen-Fütterern wird zudem empfohlen, sich gefälligst eine Ziege oder ein Kaninchen anzuschaffen und die arme Katze zu verschonen. 

Auch der Schweizer Tierschutz STS findet deutliche Worte: Eine Katze vegetarisch zu ernähren, sei eine grundlegende Missachtung ihrer Biologie, Bedürfnisse und Würde. Prinzipiell sei es zwar möglich, wenn alle notwendigen Nährstoffe wie das lebensnotwendige Taurin, Vitamin A oder essenzielle Fettsäuren beigemischt würden. Aber allein die Tatsache, dass es möglich sei, mache eine vegetarische Katzenernährung eben noch lange nicht tiergerecht. 

Die Frage nach dem Sinn
Auch Annette Liesegang vom Zürcher Institut für Tierernährung kritisiert in einer in der Tierärztlichen Monatsschrift veröffentlichten Expertenmeinung, dass mit dem «Trend vegan» dem Tier Lebensweisen aufgezwungen würden, die seiner Physiologie nicht entsprechen: «Katzen sind reine Karnivoren und benötigen, um ihren Nährstoffbedarf zu decken, unbedingt tierische Produkte.» Wie vom Tierschutz erwähnt, könnten zwar alle wichtigen Nährstoffe, die nur in tierischen Futtermitteln zu finden sind, synthetisch hergestellt und supplementiert werden, wobei sich aber die Frage nach dem Sinn einer solchen Fütterung stelle. 

Gerade die Sinnfrage ist es aber, die viele Vegan-Fütterer an- und umtreibt. «Ich verzichte auf tierische Produkte, weil ich gegen die Ausbeutung von Tieren bin und mich ums Klima sorge. Und dann verfüttere ich meiner Katze Fleisch, das erst noch aus Tierfabriken stammt? Das macht doch keinen Sinn», sagt etwa Monika Fischer. Die 36-jährige Zürcherin hat sich auf einen Facebook-Aufruf gemeldet. Weil sie sich vor negativen Reaktionen fürchtet, tritt sie nicht mit ihrem richtigen Namen auf. Sie verstehe zwar, dass Fleisch zu füttern natürlicher sei: «Aber die Haltung von Haustieren ist per se unnatürlich und fordert von den Besitzern allerlei Kompromisse.» Dass sie nicht zuletzt von Menschen, «die selber möglichst billiges Fleisch essen ohne auf Tierschutzmassnahmen zu achten», immer wieder heftig kritisiert wird, findet sie hingegen «schlicht nicht nachvollziehbar».

Hochwertiges veganes Futter
Dorothea Schmid (Name ebenfalls geändert) füttert ihre zwei Lieblinge (6 und 15 Jahre alt) seit 2013 vegan. «Unsere Katzen sind aus dem Tierschutz. Ich kann ja nicht ein Tier retten und dann für dieses andere Tiere sterben lassen. Das ist absolut unlogisch», sagt sie. «Da es ja gutes, qualitativ hochwertiges veganes Futter gibt, das sie mit allem versorgt, warum nicht?» Sie habe schon lange davon geträumt, einer Katze ein neues Zuhause zu geben: «Ich wollte, dass sie gesund ernährt werden. Darum musste ich den Wunsch so lange zurückstecken, bis es auch das Futter dazu gab.» 

Damit meint Schmid Nass- und Trockenfutter von Firmen, die sich auf vegane Tiernahrung spezialisiert haben, sowie Katzengras, Hefeflocken, Malzpaste, Vitaminpaste, spezielles Katzenöl, Taurin und ab und an ein Leckerchen. Das Schwierigste sei, darauf zu achten, dass die beiden Katzen gleich viel essen würden. «Der Kater ist jünger und agiler und sehr verfressen. Die Katze frisst in Etappen. Da müssen wir etwas aufpassen.»

Ihrem Tierarzt habe sie sich bis anhin «nicht offenbart», sagt Schmid. Sie lasse die Katzen aber regelmässig untersuchen und auch das Blut kontrollieren. Es gehe beiden gut. Die 15-jährige Katze, die seit zwei Jahren bei ihr lebe, sei am Anfang fett und träge gewesen: «Jetzt ist sie schlanker und fängt wieder an zu spielen.»

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Kommentare (4)

CH am 15.08.2019 um 19:41 Uhr
Achja was für tolle und recherchierte Kommentare. Da gebe ich doch auch mal meinen Senf dazu :-D.
Es ist durchaus gerechtfertigt sich im 21. Jhd Gedanken über die Ernährung zu machen, denn die ist weder beim Menschen, noch beim geliebten Haustier, besonders "natürlich". Irgendwelche bierbäuchigen Männer gehen in den Supermarkt um sich ihr billiges Steak aus dem Kühlregal zu erjagen welches gratis mit Antibiotika und übrigens auch B12 (ooohja denn das "enthält" das Fleisch auch mittlerweile künstlich denn das verarbeitete Tier steht im allgemeinen nicht mehr auf der Wiese um es dort aus Erde/Gras aufzunehmen ;-)) versehen wurde. Studien zu Stresshormen etc wurden ganz schnell abgebrochen und untersagt, denn da könnte ja etwas rauskommen was dagegen sprechen würde weiterhin 3x am Tag Qualfleisch in sich reinzustopfen. Wie man hier von "der Schöpfung" schreiben kann ist mir ein Rätsel. Tiere die sich gegenseitig kannibalisieren und tot trampeln weil sie so eng im Kunstlicht aufeinander hocken. Kühe denen der Arm in den Arsch gesteckt wird und unter Schreien und Traumatisierung immer wieder das Kalb weggenommen wird um dann gleich wieder befruchtet zu werden, damit ein 40 jähriger Mann Muttermilch trinken kann. Jawohl - was für eine Schöpfung ;-).
Natürlich steht man als Vegetarier/Veganer irgendwann vor der Entscheidung ob man sich Haustiere hält und wie. Wenn man sich vernünftigerweise welche aus dem Tierschutz/Tierheim holt oder bereits hat (wo ja meist "der Abfall" der Gesellschaften sich wiederfindet) und diese Tiere reine Carnivore sind, ist es natürlich zuerst fraglich ob sie 100% vegan ernährt werden sollten. Wir leben aber ohnehin schon in einer immer weniger "natürlichen" Welt und die enorme Anzahl an Straßen Katzen (dank mangelnder Kastrationsbereitschaft) wären vermutlich froh überhaupt irgendwas zu fressen zu bekommen, mal abgesehen davon dass deren "natürliches" Futter an Kleintieren und Vögeln, dank unserer Achtung vor der Schöpfung, sich die letzten Jahre mehr als halbiert hat. Hunde sind uns Menschen von der Verdauung her sehr ähnlich (sie passen sich deshalb auch immer mehr unseren Zivilisationskrankheiten an weil wir Menschen ja so "natürlich" leben und uns das Fleisch so gut bekommt ;-)). Es spricht also nichts dagegen diese vegetarisch/vegan zu ernähren. Ich finde das Thema Wolf auch immer so lustig (vorallem die ganzen Bilder auf den Verpackungen der Futtermittelindustrie), denn der ist der erste den wir Menschen abknallen wenn er sich dann seine Nahrung reißt ;-).
Wer von "Schöpfung" redet kauft bestimmt nur Fleisch vom Bio Bauern um die Ecke der seine Tiere noch natürlich füttert (95% stammt aus Massentierhaltung aber irgendwie isst ja plötzlich jeder "Bio"). Denn alles andere wäre ja inkonsequent - die "Schöpfung" wird nämlich flächenweise zerstört um das Soja als billiges Futter für die Tiere in der Massentierhaltung anzubauen (etwa 95%-97% Soja gehen nämlich dafür drauf und nicht für die bösen Veganer)...
Also Augen zu vorm Fortschritt, schön weiter auf den guten alten Traditionen beharren und "Tierliebe" zeigen indem wir Schwein, Kuh, Ziege, Fisch und Hühner (und noch sooo viele mehr) verwursten und würzen bis es gar nicht mehr nach Fleisch schmeckt und wir es mit Bier runterspülen. Und gaaanz wichtig - in den sozialen Medien die runtermachen und beschimpfen die ein Gewissen haben und sich trauen unbequeme Fragen zu stellen. Die sind nämlich das Problem.
Das sind aber eh nur die Gedanken einer dieser durchgeknallten Veganerinnen die aufgrund von Mangelernährung und Proteinverlust in den nächsten Jahren vermutlich sich selbst auslöscht ;-).
P.s.: Die Logik hinter "dann auch Raubtiere auf vegan umstellen" finde ich übrigens echt spannend...Man kann sich ja das Gebiss von Raubtieren mal anschauen und mit unserem vergleichen. Hunde und Katzen bezeichnet man glaube ich als "domestiziert" weil sie auch eher in Gegenwart der Menschen zu finden sind, als in der Savanne oder im Dschungel. Außerdem jagen ja die bösen Mietzekatzen die armen Singvögel und sind gerne mal die wahren Übeltäter für deren Rückgang (nicht der Mensch und seine Überbauungen, Straßen, Pestizide,...)...Also was nun? Selbst jagen (auch Hunde dürfen erschossen werden wenn sie einem Reh hinterher jagen) nein, aus der Tüte erjagd ja?
Vielleicht die geringe Anzahl an Vegetariern/ Veganern etwas ernster nehmen weil sie sich trauen unbequeme Fragen zu stellen und über deren "Lösung" Gedanken machen oder aber einfach in Ruhe lassen. Wir sind so wenige, wir sind eh bald ausgestorben ;-). Ich entschuldige mich für den Sarkasmus in dieser Nachricht - meine Art und Weise nicht zu böse auf manche Diskussionen zu reagieren und lieber ein Schmunzeln zu verursachen anstatt einen hysterischen Wutanfall ;-).

B. Oberson am 14.03.2019 um 12:25 Uhr
Noch ein Hinweis: Wer das Buch "Katzen würden...Mäuse kaufen", von Hans-Ulrich Grimm, Heyne Verlag 2009, gelesen hat, weiss definitiv Bescheid. Grimm rechnet mit der Futtermittelindustrie gnadenlos ab!

B. Oberson am 14.03.2019 um 12:10 Uhr
Genau so sehe ich es auch. Ich habe noch nie Katzen gesehen, die freiwillig Erbsen, Karotten, Kartoffeln, Getreide und anderes dergleichen gefressen haben. Ausser gelegentlich etwas Gras zur Bildung von Haarknäueln im Magen. Der Verdauungstrakt der Karnivoren ist eben genau darauf eingerichtet: Vorne rein und hinten schnellstmöglich wieder raus.

Markus Weber am 29.04.2017 um 18:11 Uhr
Zur Gattung Katze gehören auch Löwen, Tiger und Co dazu. Und das sind reine Fleischfresser. So ist auch ihr Organismus auf reine Fleischverdauung bestens eingerichtet. Ein Hund ist ein Mischfresser, genau wie der Mensch. Auch diese beiden Spezies waren nie reine Vegetarier oder sogar Veganer. So stösst bei mir die Aussage dieser Veganer Katzenhalterin nur totales Kopfschütteln aus. Denn weder für den Mensch noch für Hund und Katze ist Vegan Ernähren gesund, weil der Organismus niemals darauf eingerichtet ist, auch wenn man dann Pillen/Tabletten und anderer Chemie die fehlenden Nährstoffe zuführen muss. Das schlimmste ist, dass sogar die Futtermittelhersteller nun Veganes Futter anbieten. Ginge es nach mir müsste man Tierhaltern die ihre Tiere nicht artgerecht Ernähren, eben Katzen / Hund Vegan, die Tiere wegnehmen und ein Halteverbot aussprechen, da dies für mich Tierquälerei ist. Wenn der Mensch sich so unsinng ungesund ernähren will, ist das seine Sache, aber nicht bei Tieren. Für mich ist Vegan sowieso eine Spinnerei und absolut nicht gesund. Kein Tier stirbt weniger bei Veganer Ernährung. Und wenn der Mensch die Tiere schon Vegan ernähren will, dann bitte auch alle freilebenden Raubtiere auf Vegane Ernährung umstellen. Aber das funktioniert zum Glück nicht. Die Schöpfung wusste ganz genau warum Fleischfresser und Grasfresser entstanden sind um ein harmonisches Gleichgewicht im Oekosystem zu haben und dazu gehört auch der Mensch mit Verstand. Aber das Verständnis für das Bedürfnis eines Haustieres ist leider bei einigen nicht mehr vorhanden. Was ich richtigerweise von Veganer und Vegan Ernährung bei Mensch und Tier halte, bzw das passende Wort dazu verbietet mir der Anstand zu schreiben, aber zum Glück darf ich s noch denken.

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