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Regenbogenbrücke

Die Brücke zum Paradies

Haustiere | Dienstag, 19. Dezember 2017, Andrea Trueb

Die Idee der Regenbogenbrücke ist für viele Menschen ein Trost. Statt sich für immer von ihrem verstorbenen Liebling trennen zu müssen, ist ihnen einen Wiedersehen gewiss.

Auf den ersten Schritten bis zum Regenbogen konnte ich Rambo begleiten. Den Rest musste er selber tun», sagt Anita Bugmann. Die 36-jährige gelernte Tiermedizinische Praxisassistentin liebt Tiere – und musste sich immer wieder von ihnen verabschieden. «Der Glaube an eine Regenbogenbrücke, die sterbende Menschen und Tiere in eine andere Welt führt, tröstet mich. Und wenn ich dann eines Tages gehen muss, weiss ich, dass alle meine Lieben auf der anderen Seite auf mich warten», sagt Bugmann und ergänzt mit einem Lachen: «Und das ist eine riesige Schar.»

Bugmann ist nicht die Einzige mit dieser Vorstellung. Allein auf der von ihr lancierten Facebook-Seite mit dem Titel «Regenbogenbrücke» teilen rund 3000 Menschen ihren Schmerz über ein verlorenes Tier. Eine davon ist Manuela Steiner. Dass sie ihren richtigen Namen der Redaktion nur im Vertrauen nennt, ist typisch: Wer stark, vielleicht sogar über Jahre hinweg, um sein Büsi oder sein Kaninchen trauert, stösst nicht überall auf Verständnis. «Mir hat es sehr geholfen, in der Gruppe Regenbogenbrücke dabei zu sein», sagt Steiner und ergänzt: «Man wird hier ernst genommen und nicht ausgelacht. Alle in der Gruppe haben Ähnliches durchgemacht.»

Der Verlust naher Menschen hat bei Anita Bugmann dazu geführt, dass die Regenbogenbrücke sie schon in frühen Jahren begleitete. «Wann und wo ich das erste Mal davon hörte, weiss ich nicht einmal mehr.» Wichtig in diesem Zusammenhang sei ein folgenschwerer Autounfall mit einem langwierigen Heilungsprozess gewesen: «Meine beiden Schäferhunde Rambo und Odin waren in dieser schweren Zeit immer an meiner Seite.» Inzwischen sind die Hunde über die Regenbogenbrücke gegangen. Beide litten an Krebs. 

Wiedersehen auf einer grünen Wiese
Wer die trostreiche Brücke erfunden hat, ist unklar. Als Quelle wird vielfach ein Gedicht genannt, dessen Urheberschaft gleich drei Autoren für sich beanspruchen. Und zwar ein gewisser Wallace Life, Korea-Kämpfer, Hunde-Freund und Gründer der US-amerikanischen «Gesellschaft für die Verarbeitung von Haustier-Verlusten» und Autor eines populären Buches zum Thema («The Loss of a Pet»), William N. Britton, Autor des Buches «The Legend of the Rainbow Bridge» (Die Legende der Regenbogenbrücke) sowie Paul C. Dahn, Autor des Buches «The Rainbowbridge» (Die Regenbogenbrücke).

Das Gedicht beschreibt, wie ein Tier von Schmerzen und Trauer befreit ist, sobald es die Regenbogenbrücke erreicht hat. Es lebt auf einer grünen Wiese, bekommt das beste Futter, das man sich nur vorstellen kann und spielt den ganzen Tag über unbeschwert in der Sonne. Eines Tages erblickt es seinen geliebten Menschen, den es hat zurücklassen müssen und die beiden begrüssen sich überglücklich – bevor sie zusammen die Regenbogenbrücke überqueren.

So kitschig es für manche Ohren tönen mag – die Idee der Regenbogenbrücke hat ihren Siegeszug längst angetreten. Sie hilft unzähligen Menschen auf der ganzen Welt, mit dem Verlust eines geliebten Tieres fertigzuwerden – ohne dabei jemandem zu schaden. Abgesehen von listigen Geschäftspraktiken, wo für virtuelle Grabstellen viel Geld bezahlt werden muss. Der Trost, den sich die Mitglieder von Anita Bugmanns Facebook-Gruppe seit Jahren gegenseitig spenden, ist jedenfalls gratis. 

Nachfolgend das Gedicht zur Regenbogenbrücke in einer deutschen Übersetzung und im englischen Original:

Gleich auf dieser Seite des Himmels ist ein Ort namens Regenbogenbrücke.      

Wenn ein Tier stirbt – eines, das jemandem speziell nah gewesen ist – geht dieses Haustier zur Regenbogenbrücke. Dort gibt es Weiden und Hügel für unsere lieben Freunde, so dass sie zusammen spielen und rennen können. Es gibt reichlich Essen und Wasser, bequeme Betten und unsere Freunde haben es warm und gemütlich.      

Alle Tiere, die alt und krank waren, bekommen ihre Gesundheit und ihre Lebenskraft zurück und diejenigen, die verletzt wurden, werden wieder unversehrt und stark – genau wie wir uns in unseren Träumen von vergangenen Tagen an sie erinnern. Die Tiere sind glücklich und zufrieden, bis auf eine Kleinigkeit: Sie vermissen alle jemand Besonderen, jemanden, den sie zurücklassen mussten.      

Sie alle rennen und spielen zusammen, aber es kommt der Tag an dem eines plötzlich innehält in in die Ferne blickt. Seine leuchtenden Augen sind fokussiert, sein Körper bebt erwartungsvoll. Plötzlich bricht es aus der Gruppe aus, fliegt über das grüne Gras – seine Beine tragen es schneller und schneller.      

Du bist gesehen worden und wenn du und dein besonderer Freund euch endlich wieder trefft, hält ihr euch fest in freudigem Wiedersehen, nie mehr werdet ihr getrennt werden. Die glücklichen Küsse auf deinem Gesicht, deine Hände streicheln das geliebte Köpfchen und du schaust wieder in die vertrauensvollen Augen deines Tieres, das so lange weg und doch nie aus deinem Herzen gegangen war.      

Dann überquert ihr die Regenbogenbrücke zusammen.

******

Just this side of heaven is a place called Rainbow Bridge.      

When an animal dies – one that has been especially close to someone here – that pet goes to the Rainbow Bridge. There are meadows and hills for our special friends so they can run and play together. There is plenty of food and water, sunshine and cosy beds, and our friends are warm and comfortable.      

All the animals who have been ill and old are restored to health and vigour, those who were hurt or maimed are made whole and strong again, just as we remember them in our dreams of days and times gone by. The animals are happy and content, except for one small thing: they miss each someone special, someone who had to be left behind.      

They all run and play together, but the day comes when one suddenly stops and looks into the distance. His bright eyes are intent; his eager body quivers. Suddenly, he breaks from the group, flying over the green grass – his legs carrying him faster and faster.      

You have been spotted, and when you and your special friend finally meet, you cling together in joyous reunion, never to be parted again. The happy kisses rain on your face, your hands again caress the beloved head, and you look once more into the trusting eyes of your pet – so long gone but never absent from your heart.       Then you cross the Rainbow Bridge together.

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