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Was Katzen tun, wenn niemand hinschaut

Haustiere | Donnerstag, 13. Juni 2019 08:00, Meret Signer

Britische Forscherinnen statteten 16 Hauskatzen mit Kamerahalsbändern aus und liessen sie vier Jahre lang immer wieder filmen. Nun haben sie das Videomaterial ausgewertet. 

Was machen eigentlich Katzen, wenn sie draussen sind? Diese Frage treibt viele Katzenhalter um. Die Antwort hört sich nicht sehr aufregend an: Sie sitzen oder stehen herum. Das ist ihre Lieblingsbeschäftigung. Mehr als einen Drittel ihrer Zeit im Freien verbringen sie damit. Dabei sind sie immer wachsam und beobachten ihre Umgebung. Am zweitliebsten liegen sie herum. Auch dabei sind sie stets wachsam. Ebenfalls beliebt sind entdecken – damit ist schnüffeln an verschiedenen Dingen gemeint – oder fressen. Wegen der erhöhten Gefahr verbringen die Büsi draussen nur zehn Prozent ihrer Zeit schlafend.    

Das ist nun wissenschaftlich erwiesen. Die englischen Forscherinnen Maren Huck und Samantha Watson veröffentlichten im Mai im Journal «Applied Animal Behaviour Science» einen Verhaltenskatalog von Hauskatzen, den sie mit Hilfe von Kamerahalsbändern erstellten.    

Hier ein «Best of Büsicam» (Video: Science Magazine):

Nimmt ein menschlicher Beobachter die Daten auf, bleibt ihm vieles verborgen. Die Kamerahalsbänder dagegen zeigen die Katzenperspektive und liefern teilweise überraschende Einblicke. «Wenn sie zuhause sind, verbringen Katzen eine Menge Zeit damit, ihren Menschen hinterherzulaufen. Sie sind gerne im gleichen Zimmer wie sie», sagt Huck etwa gegenüber dem Magazin «Science». «Meine Studenten waren erstaunt darüber, wie verbunden die Katzen mit ihren Besitzern sind.»    

Im Haus sei die Nummer-Eins-Aktivität von Katzen mit Sicherheit schlafen. «Draussen sind sie super wachsam», sagt Huck. «Manchmal scannen sie ihre Umgebung eine halbe Stunde lang ununterbrochen oder sogar länger.» Huck erkannte dieses in der sitzenden oder stehenden Position ruhende Verhalten an den gelegentlichen Bewegungen der Kamera, die auf eine Hals- und Kopfbewegung schliessen liessen. Begegnen sich zwei Katzen, sitzen sie oft wenige Meter voneinander entfernt bis zu einer halben Stunde am gleichen Platz und mustern sich gegenseitig. Manchmal begrüssen sich zwei Büsi, indem sie sich mit ihren Näschen kurz berühren.    

Einblicke ins Tierlieben
Dass Wissenschaftler Tiere gerne mit Sensoren und Kameras bestücken, ist im Grunde genommen nichts Neues. Spätestens seit die dafür notwendigen Geräte die nötige Kleinheit und Leichtigkeit erreicht haben, werden sie rege genutzt. Kein Wunder – denn sie geben ja auch einen wertvollen Einblick in das Verhalten und die Bewegungen der Tiere, den man sonst nicht erhalten würde.    

Neu ist aber – zumindest laut den Autorinnen der Studie –, dass Video-Tracking dazu genutzt wurde, den täglichen Stundenplan einer Haustierart zu erstellen. In diesem Fall ging es Huck und Watson in erster Linie darum, eine verlässliche Methode dafür zu entwickeln. Diese soll dereinst zu einem besseren Verständnis für die Verhaltensweisen der Büsi und ihren Einfluss auf die wildlebende Tierwelt verhelfen.

Treacle fängt Merlin
Auf die Idee gebracht hat Huck ihre eigene Katze Treacle. «Eines Tages im Jahr 2014 brachte Treacle einen Merlin nach Hause. Der Falke war fast so gross wie sie selber. Ich wunderte mich, ob sie ihn wirklich selber gefangen oder einfach aufgelesen hatte, nach dem er in ein Fenster geflogen war.»       

Zum tatsächlichen Einfluss des Jagdverhaltens von Katzen kann Huck noch nicht viel sagen. Auf der neuseeländischen Website «Stuff.co.nz» erklärt sie, dass es Studien gebe, die herausgefunden haben wollen, dass die grosse Mehrheit der Katzen gar nicht so viele Tiere fangen, es aber einzelne «Killer-Katzen» gebe, die sehr effizient jagen. Von Huck und Watsons Studienkatzen hätten in den 127 aufgezeichneten Stunden nur zweimal ein Säugetier erbeutet – eine Waldmaus und eine Wühlmaus. Wie Huck betont, sei aber nicht genug Videomaterial vorhanden, um eine verlässliche Aussage zu machen.

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