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Ernährung

Der Hund ist, was er frisst

Hunde | Montag, 29. April 2019, Regina Röttgen

Was? Wie? Wo und wann? Das sind die vier wichtigsten Fragen der Hundefütterung. Denn sie können das Verhalten des Hundes beeinflussen. 

Der Frage nach dem passenden Futter schenkt der Hundehalter viel Aufmerksamkeit: Wie soll es sein: roh, gekocht oder doch besser Trockenfutter? Dabei sind das «was», «wo» und «wann» nicht minder wichtig. «Ernährung ist der Grundstein für allgemeines Wohlbefinden, und dies wirkt sich unweigerlich auch auf das Verhalten aus», sagt Katrin Schuster, Tierpsychologin aus Mettlen TG. «Verhalten geht durch den Darm.» Erst Anfang des Jahres hatte eine Studie der Oregon State University in Corvallis, USA,  auf einen Zusammenhang zwischen den im Darm vorkommenden Mikroorganismen und aggressivem Verhalten des Hundes hingewiesen.

«Was» gefüttert wird, kann direkten Einfluss auf das Verhalten unserer Vierbeiner haben. So ist eine ausreichende Aufnahme von Grundbaustoffen für Neurotransmitter und Hormone wichtig, da beide das Verhalten regeln. Ein Beispiel ist Tryptophan, eine Aminosäure, die in Proteinen und Peptiden vorkommt. Sie gilt als Baustoff für das Glückshormon Serotonin. «Dieses sogenannte Wohlfühlhormon sorgt für ein Gegengewicht zu zehrenden Stressreaktionen», erklärt Schuster. Die optimale Menge Tryptophan könne einem gestressten Tier helfen, im Gleichgewicht zu bleiben und sich gut zu fühlen. Tryptophan kommt beispielsweise in Sojabohnen, Nüssen, Milch oder Eiern vor. 

Was: Auch eine Frage des Wieviel 
Zu viel Serotonin kann aber genauso wie zu wenig Serotonin Verhaltensauffälligkeiten begünstigen, wie Studien an verschiedenen Tierarten belegen. Bei Hunden sind die Auswirkungen allerdings fraglich. Zumindest konnte der Holländer Guido Bosch bei seinen Untersuchungen keinen Einfluss von supplementär verabreichtem Tryptophan auf das Verhalten seiner kaninen Probanden feststellen. Im Rahmen seiner Dissertation hatte er sich ausgiebig mit dem Thema beschäftigt. In Stresssituationen änderte sich die Reaktion der besagten Hunde ebenfalls nicht. Für Bosch ist das schlüssig: Meist sei durch Angst motiviertes Verhalten vor allem durch den Halter bedingt.

Eine mögliche Auswirkung auf das Verhalten hat die Proteinmenge des Futters. Zwar halten viele Hundehalter Futter mit hohem Proteingehalt für gutes Futter. Doch dem ist nicht zwangsläufig so. «Ein erhöhter Proteingehalt des Futters kann beim Hund unter Umständen zu aggressivem Verhalten und erhöhter Aktivität führen», sagt Katrin Schuster.

Wann und Wie: die Sättigungsfrage 
Den Zeitpunkt «wann» der Hund gefüttert wird, können Hundehalter hingegen getrost vernachlässigen. «Feste Fütterungszeiten haben meines Erachtens selten einen Einfluss auf das Verhalten», sagt die Hundepsychologin. Allerdings kann man sich die Fütterung zunutze machen. Vierbeiner, die auf Spaziergängen besonders aufgeregt sind, sollten vorher eine Ration serviert bekommen, denn das Erregungslevel von Hunden ist nach der Fütterung meist geringer. Der Hund fühlt sich satt.

Wie lange das Sättigungsgefühl anhält, hängt wiederum davon ab, «wie» das Futter aufgebaut ist. Verschiedene Studien zeigten, dass kohlenhydratreiches Futter aggressives und stark aktives Verhalten mindert. Wichtig ist hierfür die Energiedichte: Je mehr Energie ein Futter liefert, desto schneller wird der Hund wieder Hunger verspüren. Dies ist zum Beispiel bei Trockenfutter der Fall, wo kleine Mengen bereits viel Energie beinhalten. «Das liegt daran, dass die Passage durch den Darm weniger Zeit in Anspruch nimmt.» Nassfutter liegt hier klar im Vorteil, da man für eine vergleichbare Energiemenge ein grösseres Volumen füttern muss. Zudem kann das Sättigungsgefühl noch durch Ballaststoffe und Kohlenhydrate gezielt erhöht werden.

Wo: am besten an ruhigem Ort
Je nachdem, «wo» der Vierbeiner frisst, reagiert er unterschiedlich. «Grundsätzlich sollten Hunde in Ruhe fressen können, ohne Angst vor Futterverlust oder gestört zu werden», sagt Katrin Schuster. Bei Wachhunden ist das Gegenteil gewollt. «Wer das Territorialverhalten seines Hundes fördern möchte, füttert in den Bereichen, die der Hund schützen soll.» So kurbelt man das Verteidigungsverhalten an.

Eine Verhaltenstherapie über den Futternapf ist trotz allem nicht möglich. «Ein Punkt allein ist selten die Lösung. Aber eine Optimierung der Darmgesundheit zusammen mit der Versorgung durch Nährstoffe, die für eine gute Stressbewältigung hilfreich sind, ist oft ein wichtiger Baustein, um in der Verhaltenstherapie stabile Erfolge zu erzielen», sagt Schuster. Der Rest ist individuell. Am besten sollte das «Was», «Wie», «Wo» und «Wann» der Fütterung an die Lebenssituation angepasst sein. «Manchmal macht es auch Sinn, einfach auszuprobieren und zu gucken, was passiert.»

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