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Ernährungs-Hype

Superfood für Superhunde

Hunde | Mittwoch, 3. Juli 2019, Regina Röttgen

Der Hype um Superfoods hat die Hundewelt erreicht. So manchem Lebensmittel wird ein positiver Effekt auf die Vitalität der Vierbeiner nachgesagt. Was ist dran?

Es gibt einige Nahrungsmittel, mit denen man das Immunsystem des Hundes beeinflussen kann. Tierheilpraktikerin und Ernährungsberaterin Betthina Glarner von der mobilen Tierheilpraxis gesHund in Richterswil ZH rät jedoch zur Vorsicht: «Ohne vorher den Gesundheitszustand des Hundes abzuklären, ist das nicht zu empfehlen. Denn eine Immunstimulation kann auch kontraproduktiv sein.»

Dabei sind gerade Superfoods wegen ihrer angeblich gesundheitsfördernden Wirkung beliebt. Allerdings verfügen sie meist nicht über mehr oder weniger Mineralien, Vitamine, Spurenelemente oder Antioxidantien als herkömmliche Lebensmittel. «Futterbooster sind ernährungsphysiologisch zwar wertvoll, aber keine Allerheilmittel», sagt Glarner. Für viel wichtiger hält die Expertin eine abwechslungsreiche und ausgewogene Fütterung. Es gilt: Schmeckt es dem Hund und passt das Lebensmittel in den Futterplan, ist gegen seine Gabe – zumindest in Massen – nichts eizuwenden. Nachfolgend einige Superfoods für den Hund.

Bierhefe
Bierhefe enthält 15 unterschiedliche Mineralstoffe, 16 Aminosäuren sowie Spurenelemente und besonders viele Vitamine des B-Komplexes. Auf Haut, Fell, Bindegewebe und Nervensystem wirkt sich Bierhefe bekanntlich positiv aus. Oft wird Bierhefe auch bei Magen-Darm-Beschwerden oder zur Darmsanierung nach antibiotischen Behandlungen gegeben. Auch Betthina Glarner empfiehlt Bierhefe, insbesondere bei darmregulatorischen Themen. Damit es dem Hund ernährungstechnisch wirklich nützt, sollte die Bierhefe dem Futterplan angepasst sein.

Kokosnuss
Die exotische Frucht enthält viele Mineralstoffe, weist einen hohen Anteil an Ballaststoffen auf und soll Abwehrkräfte sowie Immunsystem stärken. Hunde scheinen den Geschmack von Kokosnuss zu lieben. Soll es unbedingt Kokosnuss sein, dann laut der Ernährungsexpertin am besten kalt gepresstes Kokosöl. Gelegentlich könnte man dies, insbesondere als Wurmkur, zufüttern. Von einer permanenten Gabe rät Glarner allerdings ab. Dies schadet, vor allem aufgrund seines hohen Anteils gesättigter Fettsäuren, der Ausgewogenheit des Futters.

Algen
Algen enthalten zahlreiche Mineralstoffe, Vitamine und Spurenelemente, die eine gesundheitsfördernde Wirkung auf den Organismus haben. Die in Algen vorkommenden Antioxidantien sollen sich positiv auf das Immunsystem auswirken und die Anfälligkeit für Infektionserkrankungen verringern. Vor allem sind Algen für ihren Jodgehalt bekannt. Dieser ist teilweise extrem hoch, darum sollten sie mit Bedacht verwendet werden.   

Gojibeeren
Die aus China stammende Beere besitzt enormes gesundheitliches Potenzial. Sie ist reich an Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen – wie unsere heimischen Beeren! So enthalten Heidelbeeren viele Antioxidantien, Johannisbeeren sind reich an Vitaminen, Spurenelementen und Mineralien. Damit Beeren nicht zur Zuckerbombe werden, sollte auf die Verarbeitung der getrockneten Beeren geachtet werden. Zu empfehlen sind luftgetrocknete Beeren ohne Zuckerzusatz aus biologischem Anbau.

Apfel
Auch der Apfel ist Superfood! Das Obst ist reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Spuren-elementen. Den enthaltenen Polyphenolen wird entzündungshemmende und krebsvorbeugende Wirkung zugeschrieben. Und sie unterstützen aufgrund von Ballaststoffen und Faserstoffen die Darm-tätigkeit. «Es ist nicht die alleinseelig machende Lösung, nur Apfel zu füttern», warnt Glarner. Übergewichtige Hunde sollten wegen dem hohen Fruchtzuckergehalt nur selten Apfel fressen.

Leinöl, Lachsöl, Arganöl
Öle sind  sehr wertvoll und sollten im Futterplan des Hundes vorkommen. Lachsöl ist reich an Omega-3-Fettsäuren, welche sich positiv auf Herz, Kreislauf, Haut und Fell auswirken. Kalt gepresste Pflanzenöle liefern mehrfach ungesättigte Fettsäuren und sind ebenfalls gut für Fell und Haut. Sie werden vom Hund aber nicht optimal verstoffwechselt, weswegen sie auch sparsam ein-gesetzt werden sollten. Ferner haben pflanzliche und tierische Fette in der Ernährung unterschiedliche Bestimmungen. Für alle Öle gilt: Eine willkürliche Zufuhr kann ebenso wie das Weglassen zu gesundheitlichen Problemen führen.

Rohes Ei 
Eier gehören zu den wertvollen Lebensmitteln, da sie neben hochwertigem Eiweiss auch Fettsäuren, Mineralstoffe und Vitamine liefern. Rohes Ei galt lange als giftig für den Hund. Heute weiss man, dass dem nicht so ist. Vielmehr bindet das im Eiklar enthaltene Avidin teils das im Eigelb befindliche Biotin, eines der Vitamine des B-Komplexes. Trotzdem ist eine gelegentliche Gabe von rohem Ei unbedenklich. 

Spinat
Das grüne Gemüse ist kalorienarm und liefert reichlich Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe. Auch hier sollte auf die Verarbeitung Wert gelegt werden. Laut Glarner ist eine pürierte Darreichung wertvoller als frisch in Blattform. Benötigt der Darm etwas mehr Beschäftigung, sollte Blattspinat grob gehackt sein. In punkto Kalzium sind Knochen Spinat vorzuziehen.

Chiasamen
Die ölhaltigen Samen aus Süd- amerika sind reich an Omega-3- und -6-Fettsäuren, Mineral-stoffen, Vitaminen und Eiweiss. Ferner sättigen die enthaltenen Ballaststoffe optimal. Nach Einschätzung Glarners sind sie vollkommen überbewertet: Zahlreiche andere wertvolle Samen und Kerne, wie zum Beispiel geschroteter Leinsamen, liefern ebenso viele Fettsäuren und Aminosäuren – optimalerweise stammen sie sogar aus heimischer Produktion.

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