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Das sollte man beachten

Saftfutter für Pferde

Pferde | Dienstag, 2. Juli 2019, Heidi van Elderen

Die meisten Pferde lieben Rüebli, Äpfel und andere süsse Früchte und Gemüse. Damit das sogenannte Saftfutter nicht nur gut schmeckt, sondern auch gesund ist, sollte man sich jedoch beim Füttern an einige Regeln halten. 

Obst und Gemüse in der Pferdefütterung können eine willkommene

Abwechslung sein und zugleich wertvolle Nährstoffe liefern. Zu grosse Mengen, falsche Sorten sowie unreife, gefrorene,
gespritzte, verfaulte oder schimmelige Früchte können Pferde hingegen krank machen – unter anderem drohen Durchfall und Koliken. Wer also Saftfutter auf den Speiseplan des Vierbeiners setzt, sollte deshalb auf gute Qualität – am besten aus biologischem Anbau – achten, zudem Früchte und Gemüse frostfrei lagern und grundsätzlich eher sparsam dosieren. 

«Alle Obstsorten und auch Rüebli und Randen enthalten viel Fruchtzucker und relativ wenig Rohfaser», sagt die Tierärztin Silke Hieronymus, die sich mit ihrer mobilen Praxis in Hombrechtikon ZH auf Tierernährung und Krankheitsprophylaxe für Pferde, Hunde und Katzen spezialisiert hat. «Früchte sollten im Verhältnis zur Gesamtration daher immer nur in kleinen Mengen verfüttert werden.» Besondere Vorsicht ist bei Pferden mit gesundheitlichen Problemen geboten. Wegen des hohen Zuckergehaltes sollten zum Beispiel Patienten mit Hufrehe oder Cushing (Überfunktion der Nebennierenrinde) am besten gar kein Obst bekommen. 

Rüebli sind der Klassiker
Gut geeignet für die meisten Pferde sind Rüebli. Das Wurzelgemüse enthält Beta-Carotin, das im Körper zu dem für Haut und Schleimhäute so wichtigen Vitamin A weiterverarbeitet wird. Schon 2,5 Kilogramm Rüebli decken den täglichen Bedarf an Vitamin A bei einem erwachsenen Pferd. «Im Sommer nehmen die Tiere durch das Gras genügend Beta-Carotin auf, im Winter können Mineralfutter oder Karotten Ersatz liefern», sagt

Hieronymus. Wie so oft macht die Dosis das Gift: Zu viel Vitamin A kann langfristig zu Vergiftungen mit Ataxien (Bewegungsstörungen), struppigem Fell oder gesenktem Muskeltonus führen. 

Ein weiterer spannender Inhaltsstoff des orangenen Gemüses sind Oligosaccharide, die gegen Durchfall helfen können. Dazu sollte man in Absprache mit dem Tierarzt trockene Rüeblischnitzel servieren. Rohe Karotten wirken dagegen leicht abführend. Vorsicht also bei Pferden mit empfindlichem Darm! «Ein 500 Kilogramm schweres, gesundes Pferd darf täglich bis zu drei Kilogramm Rüebli fressen, kleinere Tiere bekommen entsprechend weniger», sagt die Veterinärin.

Besonders gewaschene Karotten in gros­sen Säcken verderben relativ schnell. Da schon kleine faule oder schimmelige Stellen Koliken auslösen können, kontrolliert man die Rüebli am besten täglich. Dabei sollte man gleich den Grünansatz, der recht viel Blausäure enthält, abschneiden.

Ein empfehlenswertes Wintergemüse ist auch die Rande. «Ihr hoher Eisengehalt ist blutbildend, ihr Kupfergehalt unterstützt die Knochenentwicklung und die Immunabwehr, ihr Mangangehalt den Knochen-, Knorpel- und Bindegewebeaufbau und den Fettstoffwechsel», erklärt die Expertin. Auch Pferde mit Nierenproblemen und Ekzemer können von den Knollen profitieren. Randen sollten immer roh verfüttert werden, denn beim Kochen gehen wichtige Inhaltsstoffe verloren. In getrockneter Form – als Chips aus dem Handel oder aus dem heimischen Ofen – werde das Gemüse zu einem gesunden Leckerchen, sagt Hieronymus. 

Als Ersatz von Rüebli darf ein gesundes erwachsenes Grosspferd ein bis drei Knollen (insgesamt bis zu einem Kilogramm) Randen fressen. Weniger gut geeignet sind die roten Rüben allerdings für Pferde mit Insulinproblemen, da sie neben Frucht- und Traubenzucker auch das leicht verdauliche Zuckerkohlenhydrat Saccharose enthalten.

Steinobst ist zu vermeiden
Bei den Früchten stehen vor allem Äpfel und Birnen hoch im Kurs. Fast jedes Pferd liebt sie. «Wegen des hohen Säure- und Fruchtzuckergehaltes sollte auch hier Mass gehalten werden. Ein Kilogramm pro Tag ist bei einem gesunden, ausgewachsenen Pferd die absolute Obergrenze», erzählt Hieronymus. Schon deshalb ist es also keine gute Idee, Pferde auf Fallobstwiesen schlemmen zu lassen. Zudem drohen Bienen- und Wespenstiche und Koliken durch überreife, verdorbene Früchte. 

Eher als gelegentlicher Leckerbissen denn als täglicher Bestandteil des Speiseplans sind auch exotischere Früchte erlaubt. «Ab und zu eine Banane ist sogar ausgesprochen gesund. Vor dem Verfüttern sollte man sie jedoch schälen», rät die Fachfrau. Auch Wassermelonen – ebenfalls immer ohne Schale – dürfen in den Pferdetrog. Ganz selten und in kleinen Mengen sei auch gegen Orangen und Mandarinen nichts einzuwenden. 

Einige Obstsorten sollten Reiter grundsätzlich besser selber essen. «Bei Steinobst wie Pflaumen, Pfirsichen, Kirschen und Mirabellen kann der Kern zu einer Schlundverstopfung führen. Zudem besteht Kolikgefahr, da diese Obstsorten sehr stark gären», warnt die Tierärztin. Auch auf Weintrauben, Beeren und Ananas sollte man nach Möglichkeit verzichten. Der hohe Zuckergehalt dieser süssen Früchte begünstigt unter anderem die Bildung von Hefepilzen im Darm, die lästiges Kotwasser provozieren können.

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