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Ernährung

Altes Brot nur mit Mass verfüttern

Kaninchen | Freitag, 6. September 2013, Heinz Schmid

Im Haushalt kann es immer wieder vorkommen, dass Brotreste anfallen. Für Kaninchenhalter stellt sich da die Frage: Darf Altbrot an die Tiere verfüttert werden und wenn ja, welches und wie viel?

Altbrot erreicht punkto Energie- und Proteingehalt ähnliche Werte wie Weizen und ist damit ein hervorragendes Futtermittel. Allerdings wird in der Tierernährung auf mögliche Zusatzstoffe und den hohen Salzgehalt des Brotes hingewiesen. Nicht zu unterschätzen ist der hohe Feuchtigkeitsgehalt von Brotabfällen. Dieser kann bei unsachgemässer Lagerung allzu schnell zu einem Schimmelbefall führen.

Schimmelpilze sind allgegenwärtig. Das heisst, sie sind überall in der Natur verbreitet. Über die Luft gelangen die Sporen des Schimmelpilzes auf Futter- und Lebensmittel und können sich darauf vermehren. Überall, wo Nährboden, Wärme und Feuchtigkeit vorhanden sind, herrschen ideale Bedingungen und es bildet sich rasch ein Geflecht von Pilzfäden. Diese können ein Substrat rasch durchdringen und sind für unser Auge praktisch unsichtbar.

Sind nur wenige Schimmelstellen sichtbar, so kann das Lebensmittel trotzdem bereits voll befallen sein. Die enthaltenen Mykotoxine sind giftige Stoffwechselprodukte, die die Gesundheit der Kaninchen beeinträchtigen. Brotabfälle können ohne Trocknung nicht gelagert werden. Wenn ein Brot mit Schimmel befallen ist, sollte es keinesfalls mehr verfüttert, sondern weggeworfen und auch nicht bei Sammelstellen abgegeben werden.

In Drittweltländern wird Altbrot als Futter höher eingeschätzt als bei uns
Wie viel Altbrot darf es in der Ration der Kaninchen dann sein? In Drittweltländern wurden Fütterungsversuche mit Kaninchen durchgeführt. Zu einer Kontrollgruppe von Kaninchen, die mit 170 Gramm Pellets pro Tag gefüttert wurden, gab es drei weitere Tiergruppen. Die erste Gruppe erhielt 75 Prozent der Pelletsration und dazu altbackenes Brot zur freien Verfügung; die zweite Gruppe erhielt 50 Prozent der Pelletsration und altbackenes Brot zur freien Verfügung und die dritte Gruppe erhielt nur altbackenes Brot während 18 Tagen.

Die durchschnittliche Futteraufnahme war am höchsten mit 128 Gramm bei der Ration mit reiner Pelletsfütterung und war am tiefsten mit 58,5 Gramm bei der reinen Altbrot-Ration; insgesamt wurde mit der Ration «Altbrot» um 54 Prozent weniger Trockenmasse aufgenommen.

Die Verdaulichkeit wird mit Altbrot zwar erhöht, aber insgesamt wird weniger Futter aufgenommen, je mehr davon gegeben wird. Die Kaninchen nehmen weniger Trockenmasse auf und wachsen auch weniger schnell. Die Langohren eignen sich trotzdem für solche Futtermittel, weil sie im Vergleich zu anderen Tieren mit einem einteiligen Magen Eiweiss sehr effizient verwerten können. Altbrot ist eine leicht verfügbare Nährstoffquelle. In Mexiko beispielsweise nutzen laut einer Umfrage 14,5 Prozent der Landwirte altes Fladenbrot als Kaninchenfutter.

Eine interessante Regelung gibt es in den Labelprogrammen von Bio, Knospe und Demeter: Dabei wird nur Altbrot aus dem eigenen Betrieb toleriert. So darf ein Biobetrieb also kein eingesammeltes Nichtbiobrot verfüttern. Es gibt zwei Ausnahmen: Bei Pensionspferden dürfen in der Ration maximal 10 Prozent Nichtbiofutter in der Form von Brot eingerechnet werden; auch als Lockfutter in Kleinstmengen sind konventionelle Brotabfälle erlaubt. Den Kaninchen, die auf Biobetrieben gehalten werden und als solche verkauft werden, darf also kein vom Nachbar vorbeigebrachtes Altbrot verfüttert werden.

Brot sollte nicht in der Einstreu liegen
Es gibt ein immer grösseres Sortiment von Brotsorten wie unter anderem Speckbrot, Olivenbrot, Sesambrot oder Laugenbrot. Aber was für uns Menschen gut ist, muss noch lange nicht ideal für das Tier sein. Viele Zutaten – vor allem die fetthaltigen – oxydieren, werden während der Lagerung ranzig und sind im Einsatz als Tierfutter nicht besonders zu empfehlen. Vor der Trocknung im Backofen sollte daher falls möglich alles «Zugemüse» auf oder im Brot entfernt werden.

Eine kleine, gut getrocknete, halbierte Ruchbrotschnitte – also gerade so viel, wie während eines Tages von einem Tier aufgenommen werden kann – ist als Tagesration zu empfehlen. In der Einstreu herumliegendes Brot beginnt wieder Feuchtigkeit aufzunehmen und wird wieder zu einer Brutstätte für unerwünschte Keime. Auch das Verfüttern von «Brotbröckli» mit Milch an säugende Zibben wurde früher empfohlen. Heute gelten Pellets als besser geeignet. Die beigegebene Milch ist ein idealer Nährboden für Keime; besonders auch dann, wenn das Futtergeschirr nicht täglich gereinigt wird.

Brot, das in der Nähe des Kaninchenstalles gelagert wird, wirkt anziehend auf andere Nager wie Mäuse und Ratten. Es gilt deshalb darauf zu achten, dass diese sich gar nicht erst einnisten.

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