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Ziervögel abzugeben

So glückt die Übergabe einer Vogelzucht

Ziervögel | Freitag, 8. März 2019 07:59, Lars Lepperhoff

Wer Vögel hält, übernimmt Verantwortung. Was, wenn man älter wird und gesundheitlich angeschlagen ist? Plötzlich werden die Arbeiten mühsam. Einige Ideen einer geglückten Übergabe. 

Wer die kleinen Mohrenkopfpapageien als Jungvögel erwirbt, geht meistens eine Verpflichtung ein, die 40 Jahre dauern kann. Wer Wellensittiche oder Agaporniden hält, kann mit einer Lebensdauer dieser kleinen Papageienvögel von bis zu 15 Jahren rechnen. Prachtfinken und Kanarienvögel werden weniger alt. Natürlich gibt es immer Ausnahmen. 

Wer Vögel anschaffen möchte, sollte sich vorher mit ihrem Lebensalter auseinandersetzen. Obwohl niemand weiss, wann er in gesundheitliche Schwierigkeiten gerät oder vielleicht gar die letzte Reise antreten wird, ist es nicht sinnvoll, im Alter von 80 Jahren zwei junge Graupapageien anzuschaffen, die 50 Jahre alt werden können. Trotzdem muss man auch im Alter nicht auf den Traum von Grosspapageien verzichten. Es gibt immer wieder Vögel, die nicht mehr gehalten werden können und bereits viele Jahre gelebt haben. Warum nicht zwei solcher Papageien aufnehmen, wenn man sich auch im Alter gerne noch mit Grosspapageien beschäftigen möchte? Die Auffangstation für Papageien und Sittiche APS im thurgauischen Matzingen betreibt eine Vermittlungsstation. Dort können immer wieder auch Papageien übernommen werden, die von Leuten abgegeben wurden, die sie nicht mehr halten konnten.

Die Jugendlichkeit alleine ist aber kein Garant, dass man Vögeln langfristig gerecht werden kann. Auslandaufenthalte, berufliche und familiäre Veränderungen können Pläne der Vogelhaltung durchkreuzen. So ist es heute kaum noch möglich, dass zwei Grosspapageien, die sich ein 14-Jähriger einst wünschte, ihn durch sein Leben begleiten.

Altes Wissen übertragen
Als 60-Jähriger hat man da schon klarere Perspektiven. Doch auch in diesem Alter verreist man gerne. Jeder muss sich fragen: Was ist wichtiger: ausgedehnte Reisen oder die tägliche Freude an der Vogelpflege? Beides ist nicht möglich. Grundsätzlich ist es einfacher, Vögel weiterzuvermitteln, die nicht auf den Menschen geprägt sind. Wenn Unterbringung und Pflege gut sind, werden sie sich auch an einem anderen Ort einleben. Es ist darum Vorsicht geboten, wenn man Grosspapageien auf sich prägen möchte.

Eine gute Lösung hat Wellensittichzüchter Johannes Mathys aus Oftringen AG gefunden . «Ich schaffte es gesundheitlich nicht mehr, meine Wellensittiche zu betreuen.» Zudem seien er und seine Frau in eine Wohnung gezogen. Mathys war ein bekannter Züchter von Schau- und Farbwellensittichen, die er in Volieren in einem separaten Haus in seinem Garten hielt und züchtete.

Da Mathys immer wieder Nachzuchten verkaufte, kam er in Kontakt mit dem 16-jährigen Jonas Peter. Der erfahrene Wellensittichzüchter stellte schnell fest, dass da jemand vor ihm stand, der ein tiefes Interesse hatte. «Ich habe Jonas viele meiner Wellensittiche übergeben», sagt Mathys. «Er soll mit guten Tieren beginnen können.» Der Gymnasiast ist begeistert: «Es sind wunderschöne Vögel.» Ihm gefalle es, sie in der Gruppe zu beobachten, und er freue sich auch über die Zutraulichkeit. Peter begann einst mit acht Wellensittichen in einem Käfig in seinem Zimmer. Er könne sich durchaus vorstellen, einmal Zoologie zu studieren, meint er. Jonas Peter hat nun selber Volieren zur Verfügung.

Wer selber nicht mehr mag, kann aber auch seine Vogelzuchtanlage im Garten einem anderen Liebhaber überlassen, der sie nutzen kann, oder eventuell auch lediglich einzelne Abteile. Es ist schade, wenn einst blühende Zuchten und das Wissen darüber einfach verschwinden. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, sollten andere Interessierte eingeführt werden, welche die Zucht dann weiterführen. Bei der Wellensittichzucht von Johannes Mathys ist das gut gelungen.

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