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Ur-Raubtiere

Als Katzen und Hunde noch dasselbe waren

Wildtiere | Montag, 6. Januar 2014 20:05, Matthias Gräub

Knochenfunde aus Belgien führen Wissenschaftler auf die Spur der Ur-Raubtiere. Diese frühen Säugetiere lösten die gerade erst ausgestorbenen Dinosaurier vor über 55 Millionen Jahren an der Spitze der Nahrungskette ab.

Als die Dinosaurier, die gigantischen Herrscher über die Landmassen der Erde vor etwa 66 Millionen Jahren ihren letzten Atemzug tätigten, begann der Siegeszug der Säugetiere. Erst wuselten sie als Pflanzenfresser durch die riesigen Urwälder des Paläozän, doch standen ihre Feinde schon in den Startlöchern: Erste fleischfressende Säugetiere zeigten sich allmählich, die sogenannten «Carnivoraformes». 

Diese «Raubtierartigen» entwickelten sich im nachfolgenden Erdzeitalter des Eozäns allmählich zu dem, was wir heute unter dem Begriff «Raubtiere» kennen (Im Wissenschaftlichen Sinn werden darunter anders als in der Umgangssprache nur fleischfressende Säugetiere gezählt). Diese «Carnivoraformes» sind also die Vorfahren der heutigen Löwen, Tiger, Bären, aber auch Walrosse, Wiesel, Hunde und Katzen. 

   Der Stammbaum der Katzenartigen (Feliformia) und Hundeartigen
   (Caniformia) Raubtiere mit ihren gemeinsamen Vorfahren.
   Bild: Charlène Letenneur (MNHN)/Pascale Golinvaux (RBINS)

Puzzle aus Zähnen und Knöcheln

Ein Team von Wissenschaftlern um Floréal Solé ist nun anhand von 55 Millionen Jahre alten Knochenfunden einem der frühesten Vertreter dieser Ur-Raubtiere auf der Spur. Mithilfe von 250 Zähnen sowie Fussknöcheln aus einem Fundort in Belgien haben die Forscher den Dormaalcyon latouri rekonstruiert (Bild oben). Die primitiv ausgebildeten Zähne des Tieres haben den Wissenschaftlern klar gemacht, dass es sich beim Fund um ein sehr frühes Exemplar der «Carnivoraformes» handelt und legt nahe, dass diese Ordnung ihre Wurzeln im heutigen Europa haben könnte. Der Bau der Fussknöchel von Dormaalcyon latouri deute darauf hin, dass das Tier «arboreal» gelebt, sich also auf Bäumen fortbewegt hat.

Das Klima vor 55 Millionen Jahren war warm, feucht und stark bewaldet; diese kurze Periode der starken globalen Klimaerwärmung ist auch als «Paläozän/Eozän-Temperaturmaximum» bekannt. Diese klimatischen Bedingungen begünstigten die Evolution vieler Säugetiergruppen. Während dieser Zeit haben sich die Ur-Raubtiere auch von Europa ins heutige Amerika bewegt, schreibt Solé in seiner Studie im Fachjournal «Journal of Vertebrate Paleontology». Damals habe es einen durchgängigen, immergrünen Waldgürtel gegeben, in dem sich die Tiere fortbewegen konnten.

Künftig wollen die Forscher weiter nach der Ursprungsform aller Raubtierartigen suchen. «Da draussen gibt es noch mehr Fossilien, die es zu finden gilt, um die Frage des Ursprungs dieser heute so beliebten Gruppe zu finden.» 

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