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Zebrafische

Besser Flosse ab als arm dran

1 Kommentare Wildtiere | Freitag, 28. März 2014, idw/mg

Zebrafische können verletzte oder teilamputierte Flossen komplett regenerieren. Wissenschaftler der Universität Ulm haben nun einen neuen zentralen Steuerungsmechanismus für die Flossen-Regeneration aufgedeckt.

Man stelle sich das einmal vor: Ein Mensch verliert durch einen Unfall einen Arm, und nach ein paar Wochen ist dieser von sich aus komplett nachgewachsen. Was etwas gruselig und nach Science-Fiction klingt, ist für den Zebrafisch in Bezug auf seine Flossen eine Selbstverständlichkeit.

«Der drei bis vier Zentimeter kleine Fisch, der im Deutschen eigentlich Zebrabärbling heißt, hat eine Eigenheit, um die ihn wohl nicht nur die Unfall-Chirurgie beneidet. Er kann verletzte oder teilamputierte Flossen komplett regenerieren», erklärt Gilbert Weidinger. Der Biologe vom Institut für Biochemie und Molekulare Biologie der Universität Ulm hat nun mit Kollegen einen neuen zentralen Steuerungsmechanismus für die Regeneration von Zebrafischflossen aufgedeckt. 


Nach einigen Wochen ist die verlorene Flosse wieder vollständig nachgewachsen. Bild: © Daniel Wehner

Teilungsfreudige Zellen
«Zebrafische sind perfekte Modellorganismen für die Regenerationsforschung. Neben Flossen können sie sogar Herz und Gehirn nach Beschädigung in größerem Umfang wieder herstellen», so der Wissenschaftliche Mitarbeiter Daniel Wehner. Die Schwanzflossen eignen sich laut den Forschern besonders, um die Regeneration von Gewebe zu studieren. «Egal wieviel von einer Flosse fehlt, sie wächst immer exakt auf die richtige Größe nach», erläutert Wehner. Die Ulmer Forscher haben nun herausgefunden, wie die Zellvermehrung und Knochenbildung bei der Flossenneubildung koordiniert wird. 

Das «Kontrollzentrum» dieses Prozesses nennt sich Blastem. Es besteht aus besonders Teilungsfreudigen Zellen, aus denen das neue Organ, in diesem Fall die regenerierte Flosse, hervorght. Das Blastem besteht aus unterschiedlichen Zonen mit sich schnell- und langsam vermehrenden Zellen sowie aus Bereichen, die für die Knochenbildung und die Entwicklung weiterer Gewebe zuständig sind. Und diese komplexen Prozesse greifen perfekt ineinander und führen dazu, dass ein «wohlgeformtes und funktionierendes neues Organ» entsteht, wie die Ulmer Forscher schreiben.

Originalpublikation: 
Wehner et al., Wnt/beta-Catenin Signaling Defines Organizing Centers that Orchestrate Growth and Differentiation of the Regenerating Zebrafish Caudal Fin, Cell Reports (2014),
http://dx.doi.org/10.1016/j.celrep.2013.12.036

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Kommentare (1)

G.S. Zeller am 29.03.2014 um 20:19 Uhr
Ach, wie neu. Das wissen US-Forscher schon seit mindestens zwanzig Jahren und haben es publiziert.

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