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Fisch-Kannibalismus

Heimvorteil für junge Hechte

Wildtiere | Dienstag, 7. Oktober 2014, sda/dpa/mg

Junge Hechte haben sich zum Fressen gern. Wortwörtlich jetzt. Und deshalb, so erklären deutsche Forscher, bringt es kaum etwas, Jungtiere in eine bestehende Population einzusetzen. Die Neuankömmlinge sind klar im Nachteil.

Von wegen viel hilft viel. Das Einsetzen von jungen Hechten in Gewässer, in denen es schon Artgenossen gibt, erhöht die Population nicht. Das haben Biologen in Ostfriesland herausgefunden. Erklärung für das Phänomen: Junge Hechte haben sich zum Fressen gern.

Kannibalismus der Hechte erkläre, warum junge Zuchtverstärkung erfolglos bleibt, schreiben die Forscher im «Canadian Journal of Fisheries and Aquatic Sciences». Die Studie wurde vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und der Berliner Humboldt-Universität durchgeführt.

Die Experimente der Biologen ergaben, dass die künstlich aufgezogenen Hechtbrütlinge die Bestandsdichte nur für wenige Wochen steigern. Der rasch beginnende Kannibalismus drücke den Jungfischbestand bereits drei Monate nach dem Besatz wieder auf das Ausgangsniveau. Die Minihechte fressen einander ab einer Grösse von drei Zentimetern. Und dabei seien die «Zuzügler» klar im Nachteil: «Junghechte aus der Fischzucht sind natürlich geschlüpften Tieren in der Konkurrenz um Nahrung unterlegen», schreiben die Wissenschaftler.

Der Natur kann vertraut werden
Die Forscher um Daniel Hühn und Studienleiter Robert Arlinghaus halten fest: «Ähnliche Ergebnisse sind bei vielen anderen Raubfischen wie Zander und Bachforelle zu erwarten, auch wenn bei diesen Arten der Kannibalismus später einsetzt.» Auch unabhängig vom Kannibalismus könne schon allein der Wettbewerb um Futterfische und geeignete Verstecke zur Selbstregulation der Räuber beitragen.

Hechtbesatz berge zudem das Risiko, Krankheiten einzuschleppen oder den Genpool des natürlichen Bestandes mit Zucht-DNA zu schwächen. Er sei also nur wohldosiert ratsam, schlussfolgern die Forscher. Etwa dann, wenn ein Hechtbestand noch fehlt oder Lebensräume vorübergehend verloren gingen. «In allen anderen Fällen kann künftig guten Gewissens auf den natürlichen Hechtbestand vertraut werden.»

Originalpublikation:
Hühn, D., Lübke, K. Skov, C., Arlinghaus, R. (2014): «Natural recruitment, density-dependent juvenile survival, and the potential for additive effects of stock enhancement: an experimental evaluation of stocking northern pike (Esox lucius) fry», Canadian Journal of Fisheries and Aquatic Sciences, 71: 1508-1519. 
DOI: 10.1139/cjfas-2013-0636

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