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Kleines Dorf in Kanada

Die Hauptstadt der Eisbären

Wildtiere | Dienstag, 22. November 2016, Meret Signer

Das Dorf Churchill in der kanadischen Provinz Manitoba hat nur 813 Einwohner. Aber immer im Herbst strömen Tausende Touristen in den verschlafenen Ort. Der Grund: Sie wollen Eisbären sehen.

Jedes Jahr im Oktober und November versammeln sich Hunderte von Eisbären in der Nähe von Churchill. Laut der Eisbärenschutz-Organisation Polar Bears International gehören sie zu der Population der westlichen Hudson Bay und warten an Land darauf, dass diese über den Winter zufriert. Dann kehren sie zur Robbenjagd aufs Eis zurück. 

Der Ort Churchill gehört somit zu den wenigen Orten der Erde, wo man Eisbären in der Nähe von menschlichen Siedlungen beobachten kann – und er hat sich dies zunutze gemacht. Seit den 1980er-Jahren wird ein Tourismus betrieben, bei dem Besucher in speziellen, gesicherten Fahrzeugen, sogenannten «Tundra Buggies» durch das Gebiet gefahren werden und die Eisbären aus nächster Nähe sichten können. Churchill wurde als «Eisbären-Hauptstadt» der Welt bekannt.

 

Wie die Tourismus-Organisation Travel Manitoba auf ihrer Webseite versichert, sind diese Fahrten streng reguliert. Nur eine limitierte Anzahl Fahrzeuge von lizenzierten Anbietern dürften pro Tag herausfahren und dies nur auf vorbestimmten Wegen. Es besteht natürlich trotzdem die Gefahr, dass das Ökosystem Schaden nimmt. 

Wie Polar Bears International schreibt, gerieten die Eisbären der Hudson Bay zunehmend in Bedrängnis. Die Eisdecke schmelze im Frühling früher und friere im Winter später wieder zu, was die Jagdsaison für die Bären verkürze. Somit können sie sich weniger Fettreserven für die Sommermonate anlegen. Um auf die Anliegen der Eisbären aufmerksam zu machen, installiert die Organisation jedes Jahr eine Live-Kamera, durch die man von überall auf der Welt nach Churchill blicken kann.

Das ist die Eisbären-Live-Kamera:

Zwischenfälle mit den Dorfbewohnern und den Eisbären seien selten, kämen aber vor, schrieb «National Geographic» 2013. Die Bewohner treffen jedoch Vorkehrungen. Vor einigen Jahren habe man beispielsweise eine Müllkippe geschlossen. Das «Polar Bear Alert Program» von Mantiobas Umweltschutzbehörde betreibt eine 24-Stunden-Hotline und hat eine Schutzzone um das Dorf geschaffen, aus der Bären vertrieben werden, sollten sie sie betreten. Lassen sie sich nicht vertreiben, werden sie eingefangen und wieder frei gelassen.

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