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Buchtipp

Farbenfrohe Reise durch die Meere

Wildtiere | Dienstag, 10. Juli 2018, Meret Signer

Die blauen Weiten der Ozeane beherbergen allerlei kuriose Kreaturen und spannende Geschichten. Der Meeresbiologe Robert Hofrichter erzählt von ihnen in seinem neusten Buch.

Das Meer übt eine ungebrochene Faszination auf den Menschen aus. Viel wurde geforscht, gefilmt, geschrieben – wir können scheinbar nicht genug von dieser fremden Welt kriegen. Das Buch «Im Bann des Ozeans – Expeditionen in die Wunderwelt der Tiefe» des österreichischen Meeresbiologen Robert Hofrichter ist trotz seines etwas platt klingenden Titels nicht einfach nur ein weiteres Buch über das Meer.    

Höchst unterhaltsam nämlich schafft es Hofrichter, seine Leser mitzunehmen und berichtet aus seinem umfangreichen Erfahrungsschatz aus mehr als dreissig Jahren als Forscher und Taucher. Von der Entstehung der Meere und der wichtigen Frage, wie das Wasser überhaupt auf die Erde kam, wird ebenso anschaulich und leicht verständlich geschrieben wie über die physikalischen Besonderheiten der Ozeane und der Entstehung der Vielfalt des Lebens im Meer.    

Nach diesen etwas theoretischen Eingangskapiteln wird Hofrichter konkreter. Er erzählt von echten und falschen Freundschaften, WGs von Krebsen und Fischen und seltsamen untermeerischen Sexpraktiken. Wie die der Tiefsee-Anglerfische, bei denen das Weibchen nach Futter angelt, das winzig kleine Männchen hingegen nach einem Weibchen. Hat es ein solches gefunden, beisst es sich kurzerhand an ihm fest um bis an sein Lebensende dort hocken zu bleiben. Wie soll er denn in der Dunkelheit von 1000 bis 4000 Metern Tiefe je wieder ein anderes Weibchen finden? Auch von ziemlich unverschämten Delfinmännchen erfahren wir, die gerne sich gerne mal an Menschenweibchen heranmachen (lesen Sie hier mehr zur Kultur von Delfinen).

Zerstörung und Hoffnung
Und die tödlichsten Wesen, die sich in den Meeren tummeln? Das sind nicht etwa die zu Unrecht so gefürchteten Weissen Haie (lesen Sie hier mehr zur Gefährlichkeit von Haien). Viel mehr sind es hochgiftige Tiere wie Krustenanemonen, Verwandte der Korallen. Diese sind zwar wunderschön und bunt, aber zu nahe kommen sollte man ihnen auf keinen Fall. Dies gilt sowieso für alle Tiere im Riff. Ihre unglaubliche Vielfalt, von der auch Hofrichter begeistert erzählt, gilt es zu bestaunen und zu bewahren. Denn «bei allem Respekt und bei aller Liebe zu Wiesen und Wäldern: Auf diesem Planeten gibt es nirgendwo eine konzentriertere, dichtere Schönheit auf engstem Raum als in den Regionen der tropischen Meere, in denen Korallenriffe gedeihen.» Jeder, der dies schon mit eigenen Augen gesehen hat, wird ihm beipflichten müssen.    

Zu guter Letzt geht es natürlich auch bei Hofrichter um die andauernde Zerstörung der Meere und die Gefahren, die ihm drohen. Doch der Experte macht auch Hoffnung: Das Meer hat eine erstaunliche Regenerationsfähigkeit. Wie er am Beispiel des Mittelmeers berichtet, kommt auch in bereits zerstört geglaubte Unterwasserwelten das Leben zurück, wenn man sie nur einige Jahre in Ruhe lässt.    

Bei all diesen farbigen Schilderungen vermissen wir eigentlich nur eins: mehr Bilder, so dass wir nicht all die im Buch aufgeführten Kreaturen googeln müssen, wenn wir wissen wollen, wie sie aussehen.   

 

Im Bann des Ozeans

Robert Hofrichter: Im Bann des Ozeans –
Expeditionen in die Wunderwelt der Tiefe
1. Auflage 2018 
Gebunden, 240 Seiten 
Verlag: Gütersloher Verlagshaus, CHF 29.90 
ISBN: 978-3-579-08678-1

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