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Leuchtende Nagetiere

Pinke Überraschung bei den Gleithörnchen

Wildtiere | Sonntag, 24. März 2019 12:00, Meret Signer

Mehr oder weniger per Zufall haben Forscher herausgefunden, dass alle Neuweltlichen Gleithörnchen im UV-Licht pink leuchten. Warum sie das tun, ist ein Rätsel.

Mit einer UV-Lampe ging der Forstwirtschafts-Professor Jonathan Martin vom Northland College im US-Staat Wisconsin eines Nachts in seinem Garten spazieren. Beleuchtete Flechten, Pflanzen, Pilze, in der Hoffnung, dass etwas zurückleuchte. Ohne grosse Erwartungen richtete er seine Lampe auch auf ein Gleithörnchen, dass sich an seinem Vogelhäuschen zu schaffen machte. Und siehe da – das Hörnchen erstrahle in leuchtendem Kaugummi-Pink.    

Ultraviolette Fluoreszenz sei bei Wirbeltieren bei vielen Arten von Vögeln, Reptilien, Fischen und Amphibien bekannt, schreiben Martin und seine Kollegen später im Fachjournal «Journal of Mammology». Ausserdem gebe es einige Beutelratten, deren Haut und Fell unter UV-Licht leuchteten. Bei Höheren Säugetieren komme das Phänomen beim Fuchshörnchen vor, allerdings auf keinen äusserlich sichtbaren Körperteilen, sondern nur auf dessen Schädel und Zähnen.

Neuweltliches Gleithörnchen
Allerliebst: Ein Gleithörnchen der Gattung Glaucomys.
  Bild: Tony Cambell/Shutterstock.com

Umso mehr erstaunt es, dass die Felle von allen drei Neuweltlichen Gleithörnchen (Gattung Glaucomys), namentlich das Nördliche, das Südliche und das Humboldt-Gleithörnchen, unter UV-Licht unterschiedlich stark leuchten. Von 109 untersuchten Museumsexemplaren fluoreszierten deren 108 in verschiedenen Schattierungen von Pink. Auch fünf beobachtete wilde Gleithörnchen leuchteten pink. Bei allen Arten leuchteten sowohl Männchen als auch Weibchen und zwar vornehmlich auf der Unterseite. Verwandte Arten der Gattungen Sciurus (Eichhörnchen) und Tamiasciurus (Rothörnchen) bleiben unter UV-Beleuchtung dunkel.

Funktion unbekannt
Die drei Glaucomys-Arten sind in Nordamerika verbreitet und die einzigen Gleithörnchen des Kontinents. Die putzigen Nager sind dämmerungs- und nachtaktiv. Unter gewissen Bedingungen sei gerade im Zwielicht besonders viel Licht im UV-Bereich vorhanden, schreiben die Forscher in ihrer Ende Januar veröffentlichten Studie. Welche Bedeutung die Fluoreszenz für die Flughörnchen hat, darüber können sie allerdings nur spekulieren.

Als einzige Hörnchen Amerikas vertreten die Neuweltlichen Gleithörnchen eine nachtaktive Lebensweise. Das Leuchten könne sie für ihre Artgenossen besser sichtbar machen, eine helle pinke Unterseite ihren Anflug schon von Weitem verraten. Zudem zeigen Eulen wie die Schleiereule und der Virginia-Uhu, welche Jagd auf die Hörnchen machen, gleichfalls helle pinke Flecken im Gefieder. Einige Pflanzen und Flechten im Lebensraum der Hörnchen flureszieren ebenfalls. Das Pink der Gleithörnchen könnte also dazu dienen, die Beutegreifer zu verwirren und den Nagern besseren Schutz zu geben. 

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