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Fruchtfliegen

Männchen beeinflussen Weibchen durch Sperma

Wildtiere | Donnerstag, 11. April 2019, sda

Fruchtfliegen-Männchen verändern durch ihr Sperma das Verhalten und die Physiologie von Weibchen. Damit erhöhen sie ihre Chancen, Vater zu werden. Die Weibchen zahlen dafür einen hohen Preis.

Fruchtfliegen-Weibchen können sich mit mehreren Partnern paaren, die Samen «speichern», und ihre Eier damit noch während mehr als einer Woche befruchten. Die Männchen haben daher offenbar eine Strategie entwickelt, um ihre Chancen zu erhöhen, tatsächlich selbst Vater zu werden. Das berichten Forschende um Laurent Keller von der Universität Lausanne im Fachblatt «PNAS».    

Fruchtfliegen-Weibchen verändern nach der Paarung ihr Verhalten: Sie sind beispielsweise weniger empfänglich für die Avancen weiterer Männchen, schrieb die Uni Lausanne am Montag in einer Mitteilung. Bisher war unklar, ob das Weibchen selbst sein Verhalten anpasst, oder aber ob es durch seinen Partner dazu gebracht wird.    

Letzteres scheint der Fall zu sein, wie die Forschenden mithilfe eines Langzeit-Experiments feststellten. Sie hielten Fruchtfliegen in zwei getrennten Gruppen: Die eine bestand aus je fünf Männchen und fünf Weibchen, die sich beliebig paaren konnten, also wie in der Natur polygam lebten mit dem dazugehörigen Konkurrenzkampf der Männchen. Die andere Gruppe lebte «monogam», vermehrte sich also nur mit einem einzigen Partner, wodurch der Konkurrenzkampf der Männchen wegfiel.      

Nach 150 Generationen sexueller Selektion verglichen die Forschenden die Fliegen, die aus den beiden unterschiedlichen Regimen hervorgegangen waren. Bei den Weibchen fanden sich 350 Gene im Gehirn und 45 im Abdomen, die unterschiedlich stark abgelesen wurden, je nachdem, ob sie aus der monogamen oder der polygamen Gruppe stammten. Diese Unterschiede gehen auf Proteine zurück, welche die Männchen bei der Paarung mit dem Sperma übertragen.

Mehr Eier und frühere Eiablage  
Unter den betroffenen Genen findet sich eines, das für Entwicklung und Vermehrung von Insekten unerlässlich ist. «Konkret bringen die Männchen ihre Partnerinnen dazu, mehr Eier zu legen. Und schneller», liess sich Studienautor Brian Hollis in der Mitteilung zitieren. Die Weibchen aus der polygamen Gruppe legten rund 20 Eier zusätzlich, also ein Drittel mehr als die aus der monogamen Gruppe.    

Indem die Eiablage beschleunigt wird, erhöht der erste Partner des Weibchens seine Chancen, selbst Vater zu werden: Für weitere Paarungen bleibt weniger Zeit. Allerdings zum Nachteil der Weibchen: Könnte sie ihre Vermehrung über einen längeren Zeitraum verteilen, könnte sie ihre Kräfte schonen. Tatsächlich starben die Weibchen in der polygamen Gruppe während der Stunden nach der Paarung doppelt so häufig wie die in der monogamen.

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