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Georgien

Tiflis: Tiere brechen nach Unwetter aus Zoo aus

Zoo | Montag, 15. Juni 2015, sda/msi

Ein heftiges Unwetter hat in Georgien in der Nacht auf Sonntag mindestens zwölf Menschen das Leben gekostet und Dutzende Raubtiere aus dem zerstörten Zoo auf die Strassen getrieben.

Sicherheitskräfte mit Spezialgewehren machten Jagd auf streunende Bären, Tiger und Löwen. Ein Flusspferd erkundete die Gegend in der Nähe seines Zoos. Es stapfte durch den Schlamm in den Strassen der Hauptstadt Tiflis, vorbei an Autos, die teils bis zum Heck in einer Lawine aus Schutt und Erde steckten. 

Mit vereinten Kräften trieben und schoben mehrere Männer das Tier wieder in Richtung Zoo, wie in einem Video des Fernsehsenders 1. Kanal der Südkaukasusrepublik zu sehen war. Ein Flusspferd wurde mit einem gezielten Schuss betäubt.

 

 

Nach der Flucht der Raubtiere aus ihren Gehegen wollten die Behörden auf Nummer sicher gehen: Die rund 1,2 Millionen Einwohner von Tiflis sollten aus Sicherheitsgründen möglichst in ihren Wohnungen bleiben, teilte das Innenministerium mit.

Bär auf Fenstersims
Doch selbst die eigenen vier Wände boten nur bedingten Schutz: Im zweiten Stock eines Hauses spähte ein Bär vom Fenstersims aus in eine Wohnung, wie im englischsprachigen Video von Reuters zu sehen ist.

Insgesamt suchten die Behörden zwischenzeitlich nach mehr als 30 Tieren, darunter auch ein Krokodil. Spezialkräfte erschossen auch einige gefährliche Tiere. Bei einem Kinderspital erlegten sie dem Fernsehen zufolge sechs Wölfe. «Rund 20 Wölfe, acht Löwen, weisse Tiger, Tiger, Schakale und Jaguare wurden entweder von Spezialkräften erschossen oder werden vermisst. Nur drei unserer 17 Pinguine wurden gerettet», sagte die Sprecherin des Zoos.

Laut der Sprecherin wurden grosse Teile des Zoos in einen «höllischen Whirlpool» verwandelt, als der gewöhnlich kleine Vere-Fluss, der durch den Zoo in die grössere Kura fliesst, nach stundenlangem Regen das Gelände und angrenzende Strassen überflutete. Dem weitgehend zerstörten Zoo von Tiflis boten mehrere Tierparks aus anderen Ländern ihre Expertise beim Wiederaufbau an. Auch im Juli 1960 hatte eine schwere Überschwemmung Teile des Zoos in Tiflis verwüstet. Dabei waren viele Tiere - darunter Löwen, Tiger und Panther - umgekommen.

Staatstrauer am Montag
Die Wassermassen rissen auch viele Menschen mit, 24 galten am Sonntagnachmittag noch als vermisst. Unter den Toten waren mehrere Mitarbeiter des Zoos. Es war zunächst unklar, ob die Opfer bei dem Unwetter ums Leben kamen oder von den entwichenen Raubtieren getötet wurden.

Etliche Wohnviertel wurden überflutet. Strassen waren von Schlamm bedeckt und von entwurzelten Bäumen versperrt. In mehr als 100 Häusern lief das Erdgeschoss voll Wasser. «Alles, was ich in 50 Jahren gesammelt habe, hat das Wasser in nur 5 Minuten mitgerissen. Ich habe gar nichts mehr», klagte eine verzweifelte ältere Frau im Staatsfernsehen.

Präsident Georgi Margwelaschwili sprach den Angehörigen der Toten sein Beileid aus. Alles werde rasch wieder aufgebaut, versprach er. Das Finanzministerium sagte Hilfe in Höhe von umgerechnet knapp vier Millionen Franken zu. Regierungschef Irakli Garibaschwili sagte, die Überschwemmungen hätten «grossen Schaden» angerichtet. Die Regierung rief für Montag Staatstrauer aus. Das Wasser zerstörte auch mehrere Gas- und Wasserleitungen in Tiflis. Der Zivilschutz der früheren Sowjetrepublik mit rund 4,5 Millionen Einwohnern richtete einen Krisenstab ein. Russland bot seinem Nachbarland Hilfe an. Zwei Flugzeuge und mehr als 100 Spezialisten stünden bereit, teilte der Zivilschutz in Moskau mit.

Strafe für «Sünden der Kommunisten»
Der georgisch-orthodoxe Patriarch Ilia II. machte in seiner Sonntagspredigt die «Sünden» der Kommunisten für die Katastrophe verantwortlich. Während der Sowjetzeit hätten sie Kirchenglocken eingeschmolzen und mit dem Erlös aus dem Verkauf des Metalls den Bau des Zoos finanziert. »Der Zoo wurde mit diesem Geld erbaut, auf dieser Sünde und daher kann er an diesem Ort nicht blühen», sagte das Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche. «Eine Sünde bleibt niemals ohne Strafe.»

 

 

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