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Thailand

Das Geheimnis der malenden Elefanten

2 Kommentare Zoo | Donnerstag, 20. August 2015 06:00, Niklaus Salzmann

Videos von Elefanten, die farbige Muster, Blumen und Bäume oder gar angebliche Selbstporträts malen, faszinieren und irritieren. Sind die Aufnahmen echt oder gefälscht? Hier erfahren Sie, wie die Gemälde tatsächlich entstehen.

Zum Staunen: Ein Elefant malt einen Elefanten – und signiert das Bild mit seinem Namen.

Nein, die Videos sind nicht gefälscht: Tatsächlich malen Elefanten in thailändischen Parks Bilder. Trotzdem vermitteln die Filme einen falschen Eindruck von den Fähigkeiten und dem künstlerischen Verständnis der Elefanten. Doch um der Sache auf den Grund zu gehen, müssen wir erst differenzieren zwischen abstrakten und gegenständlichen Gemälden aus Elefantenhand, pardon, Elefantenrüssel.

Den stärksten Eindruck beim Publikum hinterlassen diejenigen Elefanten, die mit dem Pinsel konkrete Sujets auf das Papier zaubern. Besonders beliebt sind Bäume, Blumen und – Elefanten. Sie verkaufen sich bestens an Touristen. Solche Malerei ist kein Kinderspiel, weder für den Elefanten noch für den Elefantenführer, den sogenannten Mahut. Letzterer trägt entscheidend zum Gelingen bei, und genau dies wird in den meisten Videos unterschlagen.

Die Hand am Stosszahn
Nicht umsonst sind die meisten Filme, die auf den Homepage der Elefantenparks präsentiert werden, so aufgenommen, dass der Mahut höchstens dann zu sehen ist, wenn er dem Elefanten einen neuen Pinsel reicht. Bei öffentlichen Vorführungen stellen sich die Mahuts bevorzugt auf die Seite des Elefanten, die dem Publikum abgewandt ist. Somit bleibt den Zuschauern verborgen, was zwischen dem Menschen und dem Tier läuft.

Eine Ausnahme bildet das untenstehende Video. Darin ist deutlich zu sehen, wie der Mahut den Elefantenen mit der Hand am Stosszahn richtiggehend steuert und ihm durch ein feines Klopfen sagt, wann er den Pinsel wieder vom Blatt nehmen soll:

Es wird berichtet, dass ein jeder Elefant jeweils tagein tagaus dasselbe Bild malt. Eine künstlerische Leistung ist dies nicht, erstaunlich trotzdem. Bereits mit dem Rüssel einen Pinsel zu halten, der für menschliche Hände geschaffen wurde, erfordert bemerkenswertes Feingefühl. Offensichtlich gelingt es den Elefanten, den Pinsel gezielt übers Blatt zu führen und damit exakt die Bewegungen nachzuvollziehen, die ihnen der Mahut vorgibt. Der gezeigte Elefant ist zwar kein Künstler, aber ein gut dressiertes und sehr geschicktes Tier.

Tierschützer kritisieren allerdings, bei den Trainings der Elefanten werde mit schmerzhaften Methoden gearbeitet. Es komme gar vor, dass der Mahut in der Hand verborgen einen Nagel halte, mit dem er dem Tier Schmerzen am Ohr zufügen könne. Inwieweit das zutrifft, können wir nicht beurteilen, der Mahut im obigen Video scheint aber respektvoll mit seinem Elefanten umzugehen.

Elefant malt
Malt ein Elefant ohne menschliche Anleitung, ist das Ergebnis
abstrakt.
Bild: Dennis Jarvis / cc-by-sa

Es geht auch ohne Mensch
Bleibt die Frage, ob ein Elefant auch ohne menschliche Steuerung malen kann. Die Antwort: Ja – wenn er entsprechend trainiert wurde, kann er es. Der Mensch muss ihm nur Pinsel mit Farbe reichen, die Linien zeichnet er dann ohne Hilfe aufs Blatt. Allerdings entstehen dabei nie figürliche Bilder, vielmehr malen die Tiere abstrakte Muster, wie sie etwa auf «The Elephant Art Gallery» verkauft werden.

Dabei fällt auf, dass jeder Elefant seinen eigenen «Stil» hat. Das verleitet wiederum manche Menschen dazu, die Bilder als Form des künsterlischen Ausdrucks der Elefanten zu betrachten. Dies ist aber eine arge Vermenschlichung. Dass einzige, was wir mit Sicherheit aus den Gemälden schliessen können, ist, dass der eine Elefant das Malen gerader Linien gelernt hat, während ein anderer Wellenlinien beherrscht. Auch die Farbauswahl hat nie der Elefant getätigt, sondern vielmehr ein Mensch.

Das bremst die Begeisterung des Publikums offenbar nicht. Wie auf in der «Elephant Art Gallery» zu sehen ist, finden sich Käufer, die zwischen 200 und 500 Dollar für ein Elefantengemälde bezahlen.

Kommentare (2)

W. Vanweegen am 16.10.2017 um 08:11 Uhr
Phantastische Geschchte. Habe ich (leider) nur nirgendwo bestätigt gefunden.

Kurt Cornelius am 20.10.2016 um 02:04 Uhr
Wissen Sie, was der Glanzkuckuk in Neuseeland alles zu leisten vermag? Nachdem das Weibchen seine Eier, wie bei Kuckuks üblich, in ein fremdes Nest gelegt hat, fliegt das Elternpaar sofort weg und überlässt das Ausbrüten einem anderen Vogel. Die Eltern selbst fliegen dann 2000 Km weit bis zur australischen Küste, dort biegen sie nach Norden ab und fliegen weitere 4000 Km bis zum Archipel-Gulag. Auf einer der dortigen Inseln bauen sie sich ihr Nest. Dies ist dann nur eines unzähligen anderen. Nun geschieht etwas für den Menschen unbegreifliches. Nachdem in Neuseeland die Eier ausgebrütet sind, warten die Küken wenige Tage, dann fliegen sie, ebenso wie ihre Eltern, 2000 Km bis zur australischen Küste, biegen dann nach Norden ab, fliegen 4000 Km bis zum Archipel Gulag und finden dort unter den vielen Inseln das Nest ihrer Eltern, das auch eines von vielen Nestern ist. Dann lassen sie sich seelenruhig im Nest ihren Eltern nieder. Das soll mal ein Mensch nachmachen.

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