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Tierschutz

Löwin werden Krallen unter Schmerzen entfernt

Zoo | Montag, 18. Februar 2019 08:21, Vier Pfoten/lni

Nach Misshandlung einer Löwin: Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten fordert die Schliessung des Rafah-Zoos in Gaza und die Umsiedlung von 49 Tieren.

In einer Medienmitteilung vom Donnerstag zeigt sich die internationale Tierschutzorganisation Vier Pfoten schockiert über Aufnahmen aus einem Zoo im Gazastreifen. Im Rafah-Zoo wurden einer jungen Löwin Ende Januar mit einer Gartenschere die Krallen entfernt.

Grund für die brutale Prozedur ist das nach Angaben von Vier Pfoten eine vermeintliche Attraktion: Der Zoobesitzer lasse Besucher mit der 14 Monate alten Löwin spielen. Die fehlenden Krallen sollen das Verletzungsrisiko reduzieren. Vier Pfoten verurteilt den Eingriff aufs Schärfste und fordert die Schliessung des Zoos, in dem über 40 weitere Tiere in katastrophalen Umständen gehalten werden. Die Tierschutzorganisation hat bereits Gespräche mit den verantwortlichen Behörden aufgenommen.

Schmerzhafte Prozedur mit langanhaltenden Schäden
Das Entfernen der Krallen ist für Grosskatzen eine besonders schmerzhafte Prozedur mit langanhaltenden Schäden. Natürliches Verhalten, wie das Fassen von Nahrung oder klettern, sind kaum noch möglich. «Krallen sind sozusagen die Finger und Zehen für Löwen. Die Entfernung dieser ist absolute Tierquälerei und weltweit verboten. Die brutale Prozedur wird oft mit der Amputation aller Finger eines Menschen bis zum ersten Knöchel verglichen», wird Vier-Pfoten-Tierarzt Amir Khalil zitiert, der 2014 und 2016 bereits zwei Zoos in Gaza evakuierte.

Man sei schockiert, dass der Besitzer des Rafah Zoos diesen Eingriff erlaubt hat. «Auch die Beweggründe sind erschütternd. Ein Löwe ist ein für Menschen gefährliches Raubtier und kein Spielkamerad. Der Zoobesitzer hat erneut gezeigt, dass er fahrlässig mit den Leben von Menschen und Tieren umgeht. Wir fordern deshalb die verantwortlichen Behörden auf, den Zoo zu schliessen und artgemässe Lösungen für die Tiere zu finden. Vier Pfoten ist bereit zu helfen», ergänzt Khalil.

Über 40 Tiere leiden
Wie Vier Pfoten weiter schreibt, wurde der Zoo in Rafah wurde 1999 eröffnet und liegt südlich im Gazastreifen an der ägyptischen Grenze. Von dort würden durch unterirdische Tunnel immer wieder Wildtiere nach und aus Gaza geschmuggelt. Viele der Tiere seien seit der Eröffnung des Zoos bei Raketenangriffen und Kriegsgefechten ums Leben gekommen. Einige von ihnen wurden nach Angaben der Tierschutzorgansation ausgestopft und im Rafah Zoo ausgestellt.

Aktuell leben 49 Tiere – unter anderem fünf Löwen, eine Hyäne, mehrere Affen, Wölfe, Emus, Katzen, Hunde und exotische Vögel – in engen und desolaten Käfigen im Rafah Zoo, schreibt Vier Pfoten weiter. Die schlechten Haltungsbedingungen, mangelnde Nahrung und fehlende medizinische Betreuung hätten ihren Spuren an den Tieren hinterlassen. Zuletzt war der Zoo Anfang des Jahres in den Schlagzeilen, nachdem vier Löwenwelpen erfroren sind.

Zahlreiche Einsätze in Gaza
Vier Pfoten möchte dem Leiden der Tiere im Rafah Zoo endlich ein Ende setzen. Dafür laufen bereits erste Verhandlungen mit den Verantwortlichen. Seit 2014 ist Vier Pfoten nach eigenen Angaben in Gaza aktiv und hat bereits zwei Zoos – den Al-Bisan Zoo und den Khan Younis Zoo – in der Region evakuiert und geschlossen. Die ehemaligen Zoobewohner wurden in Vier-Pfoten-eigene Tierschutzzentren überstellt.

Auch der Zoo in Rafah sei für die die internationale Tierschutzorganisation kein Unbekannter: 2015 verkaufte der Zoobesitzer die zwei Löwenwelpen Max und Mona an einen Einheimischen, der sie seinen Enkeln schenkte, beklagt Vier Pfoten. Fotos der beiden Löwen inmitten eines Flüchtlingslagers gingen um die Welt. Die Tierschutzorganisation konfiszierte die Tiere und brachte sie in ihr Tierschutzzentrum in Jordanien. 

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