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Affäre im Stadtzürcher Abfallwesen

Wohin mit den Emus?

Zoo | Freitag, 12. April 2019 11:00, Leo Niessner

Kritik an der zweckfremden Verwendung von Mitteln bei Entsorgung und Recycling Zürich: Mitarbeiter hielten sogar Emus. Was mit den Tieren weiter geschieht, beschäftigt ERZ-Direktor Daniel Aebli.

Weil die Betreuung von Emus nicht zu den Kernkompetenzen der städtischen Angestellten gehört, muss für die Tiere ein neuer Platz gesucht werden. Dessen ist sich ERZ-Direktor Daniel Aebli bewusst. Aber auch der Tatsache, dass dieses Unterfangen knifflig ist. «Wir wollen die Emus schliesslich gut platziert wissen», sagt er gegenüber «Tierwelt Online». «In der Gruppe hat es jüngere Tiere, die fünf- bis siebenjährig sind. Wer sie übernimmt, muss bereit sein, ein langfristiges Engagement einzugehen». Interessenten müssten sich bewusst sein, dass die Laufvögel bis zu 40 Jahre alt werden können. Erschwerend für eine Fremdplatzierung komme hinzu, dass eine Haltebewilligung eingeholt werden müsse. Zu guter letzt stelle auch noch der Transport eine Herausforderung dar.

Bei ERZ hat man sich darauf eingestellt, dass der Vermittlungsprozess noch lange dauern kann. Die Tiere werden erst abgegeben, wenn ein guter Platz gefunden ist. «Sie haben die aktuelle Situation ja auch nicht zu verantworten», ergänzt Aebli. Mit Kosten von rund 500 Franken für Futter und Gemüse rechnet Aebli in den nächsten Monaten. Die Pflege indes werde von Mitarbeitern teilweise in der Freizeit wahrgenommen.

Wie der «Tages Anzeiger» am Donnerstag schreibt, stand allerdings im Pflichtenheft des Leiters der Werkstätten und dreier seiner Mitarbeiter, dass sie die Tiere in der Arbeitszeit zu betreuen hätten. Damit fallen Lohnkosten an. «Da Opfikon ein Aussenstandort ist und ohnehin immer jemand vor Ort sein muss, hält sich der Zusatzaufwand hier allerdings in Grenzen», sagt Aebli.

Obwohl ihm bewusst ist, dass das Problem mit den Emus gelöst werden muss: Einzelne der Tiere sind besonders zutraulich und haben zu den betreuenden Mitarbeitenden eine enge Beziehung aufgebaut. «Ich kann das gut verstehen, da ich auch Haustiere habe» erzählt er.

Die Option, ein Patronat für die Emus zu suchen, oder einen Geldgeber, der bereit ist, sie langfristig zu unterstützen, ist indes auch keine Variante. Denn selbst wenn die Finanzierung am jetzigen Standort gewährleistet wäre – die Betreuung würde ein Problem darstellen. Früher oder später müssten auswärtige Tierpfleger zumindest mithelfen. Weil das Gehege aber in einem privaten, eingezäunten Gebiet der ERZ liegt, kann ihnen nicht so einfach Zutritt gewährt werden. Dazu müssten zuerst Fragen wie diejenige nach der Werkeigentümerhaftung geklärt werden, die unter anderem bei einem Unfall ins Spiel kommt.

Daher geht die Suche nach einem neuen Besitzer weiter. Die Emus sind in Opfikon vorerst gut aufgehoben und umsorgt. 

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