Sie sind hier: TierweltAktuellNutztiere

Kriminalität

Britische Schafdiebe schlagen im grossen Stil zu

Nutztiere | Sonntag, 11. Oktober 2015 12:00, Sid Astbury, dpa/sda

Sie kommen in der Nacht mit Hunden und LKWs. Schäfer fürchten sie, Restaurantbesitzer profitieren von ihnen. Schafdiebe in Grossbritannien stahlen im vergangenen Jahr rund 90'000 Tiere.

Am Morgen war das Feld einfach leer. Diebe hatten Jason Steepers 600 Schafe im Dunkel der Nacht abtransportiert. So ein Coup will gut vorbereitet sein. Man braucht Schäferhunde, Absperrungen, LKWs und einen Absatzmarkt.

«Das sind Profis, die wissen was sie tun», sagt Schafzüchter Ian Murray. Seine Familie lebt und arbeitet seit Generationen in der Nähe von Wooler an der englisch-schottischen Grenze. Schafdiebe seien schwer zu entdecken, meint er. «Man kann ja nicht jeden Tiertransport anhalten.»

Die Tage der unverschlossenen Gatter und des blinden Vertrauens sind vorbei. Schafzüchter müssen in teure Technik investieren, um ihre Herden zu schützen, und die Polizei muss das Jahrhunderte alte Verbrechen mit neuer Kraft verfolgen.

Elektronik statt Farbe
Im vergangenen Jahr gab es das erste Urteil in 25 Jahren. Die 55 tragenden Mutterschafe waren 15'000 Pfund (22'000 Franken) wert. Wahrscheinlich wurden sie für einen Bruchteil dessen verkauft. Tania Conway von der NFU Mutual, bei der drei Viertel aller britischen Bauern versichert sind, schätzt, dass im vergangenen Jahr 90'000 Tiere gestohlen wurden. Der Schaden betrug 6,6 Millionen Pfund (9,7 Millionen Franken).

Jim Mathewson, der 2010 in den Ruhestand ging, wundert sich über die Kehrtwende. «Ich hatte 1750 Schafe. Die kann man nicht alle über Nacht im Auge behalten.» Früher unterschied man seine Schafe mit Farbklecksen von denen des Nachbarn. Heute hat jedes Tier eine elektronische Erkennungsmarke in einem Ohr und einen Herkunftscode in dem anderen. Jeder Besitzerwechsel wird registriert. Doch all das scheint die Diebe nicht abzuhalten.

«Ein Schaf ohne Kopf gehört niemandem», sagt der 70-jährige Schäfer im Ruhestand Walter Brown. «Da stellt niemand Fragen.» Er nimmt an, dass die meisten Tiere in illegalen Schlachthöfen getötet und in zweifelhaften Läden und Restaurants verkauft werden.

Ohrmarken sind teuer und nützen nur begrenzt
Strengere Sicherheitsmassnahmen wären aber zu teuer für viele Züchter, die ohnehin am Existenzminimum lebten, meint John Guiry, dessen Hof ebenfalls in der Nähe von Wooler liegt. Ohrmarken kosten bis zu zehn Prozent des Verkaufswerts eines Tieres. Ausserdem können sie leicht entfernt oder gefälscht werden.

Murray stimmt mit ihm überein, dass Sicherheitsmassnahmen und Technik ihre Grenzen haben. Die Polizei müsse einfach besser werden. «Man kann keinen Hochsicherheitszaun um den eigenen Hof bauen», sagt Murray. Einige Farmer versuchen es inzwischen ganz ohne Technik. Sie haben das Fell ihrer Schafe knallbunt gefärbt. Das hält die Diebe ab, weil die Tiere beim Abtransport zu sehr auffallen.

Kommentar schreiben


Die Redaktion behält sich vor, Kommentare zu kürzen, als Leserzuschriften im Heft abzudrucken oder auf die Publikation zu verzichten.

Galerien Alle Galerien