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Tierschutz

KAG Freiland lockert Richtlinien

Nutztiere | Freitag, 5. Februar 2016, pd/nsn

Die Richtlinien, um das KAG-Freiland-Label zu erhalten, wurden den wirtschaftlichen Veränderungen und dem aktuellen Wissensstand angepasst und damit in einigen Bereichen gelockert. Nur vereinzelte Anforderungen sind strenger geworden.

KAG Freiland wirbt auf seiner Website damit, das tierfreundlichste Label der Schweiz zu sein. Doch die Organisation legt Wert darauf, dass ihre Richtlinien tatsächlich auch einen biologischen Nutzen haben und nicht rein ideologisch sind. So dürfen Legehennen seit dem 1.1.2016 in Herden von bis zu 2000 Tieren gehalten werden. Es gebe keine biologischen Grundlagen, welche ein höheres Wohlbefinden in Beständen von maximal 500 Tieren, wie sie bisher vorgeschrieben waren, garantieren. Damit stimmt die KAG-Freiland-Richtlinien neu auch mit derjenigen von Bio Suisse überein.

Längere Transporte zu Schlachtbetrieben
Andere Regeln wurden angepasst, da sich die wirtschaftlichen Gegebenheiten in den vergangenen Jahren geändert haben. Da viele Dorfmetzgereien geschlossen wurden, sei es für Landwirte in Berggebieten oft kaum mehr möglich, innert einer Stunde einen Schlachtbetrieb zu erreichen. Neu dürfen Rinder deshalb zwei statt nur einer Stunde zur Schlachtung transportiert werden, in Ausnahmefällen bewilligt KAG Freiland auch bis zu dreistündige Transporte.

Ebenfalls aus wirtschaftlichen Gründen können Betriebe bereits bestehende Anbindestelle für Rinder anerkennen lassen. Der Umbau in einen Laufstall sei in den Bergen und in zentralen Dorflagen nur schwer möglich.

Geflügel muss nicht mehr betäubt werden
Auch beim Geflügel wurde eine Richtlinie angepasst, weil sie nicht mehr mit der wirtschaftlichen Realität vereinbar war: Neu müssen Legehennen und Mastgeflügel vor dem Aufhängen in das Schlachtband nicht mehr betäubt werden. Dies sei in modernen Schlachthöfen unter den gegebenen Stückzahlen nicht mehr möglich. Das Festhalten an dieser Regelung hätte bedeutet, dass Legehennen nicht mehr in der Schweiz geschlachtet werden könnten.

Nach wie vor ist aber das Tierwohl das «höchste Gut» für KAG Freiland, wie die Organisation in einer Übersicht zu den Änderungen der Tierhaltungsrichtlinien schreibt. So sei zwar neu die Einzelhaltung von Kälbern während der ersten zwei Lebenswochen erlaubt, allerdings nur bei stetigem Sichtkontakt zu anderen Tieren und mit Auslauf. So können die Kälber besser überwacht und versorgt werden. Ab der dritten Woche müssen sie dann in Gruppen gehalten werden.

Krankenabteil für Legehennen
In einzelnen Bereichen wurden die Richtlinien auch verschärft, meist um sie den Änderungen in der Tierschutzverordnung anzupassen. So muss Rindern, Ziegen und Schafen auf der Weide ein Witterungsschutz zur Verfügung stehen, der die Tiere vor Wind und Nässe schützt. Für verletzte oder kranke Legehennen mit guten Heilungschancen muss ein Krankenabteil eingerichtet werden, in welchem sie vorübergehend von der Herde getrennt leben können.

Die vollständigen Richtlinien sind auf der Website von KAG Freiland zu finden.

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