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Grossraubtiere

Grossteil der Urner Alpschafe ist nicht geschützt

Nutztiere | Dienstag, 22. März 2016, sda

Im Kanton Uri weiden jeweils im Sommer auf 64 Alpen im Schnitt über 15'200 Schafe. Vor Grossraubtieren geschützt ist davon aber weniger als ein Drittel. 

Auf fünf Alpen sind Herdenschutzmassnahmen bereits umgesetzt oder die Voraussetzungen dafür geschaffen. Sie machen ein Drittel der gesömmerten Schafe aus, wie es in einem am Dienstag publizierten Schlussbericht zur Schafalpplanung Uri 2014/2015 heisst.

42 weitere Alpen wären laut Bericht ebenfalls für Herdenschutzmassnahmen geeignet. Diese umfassen 61 Prozent der gesömmerten Schafe. Auf 17 Alpen hingegen seien Anpassungen für einen Schutz der Tiere schwierig und werden nicht empfohlen. Diese beherbergen fünf Prozent oder 700 gesömmerte Schafe.

Ein grosser Teil der Alpen gehört der Korporation Uri. Auf deren Alpen sind laut Bericht die Bewirtschaftungsstrukturen für unmittelbare Herdenschutzmassnahmen aufgrund der Topographie, der Bewirtschaftungsweise oder der Grösse der Alpen grösstenteils noch nicht geschaffen. Im Korporationsgebiet Ursern sind die Voraussetzungen weitgehend gegeben, teilweise fehlen aber geeignete Unterkünfte für Hirten.

Tiere umsiedeln
Der Bericht eines Berner Beratungsbüros für die Alpwirtschaft schlägt unter anderem vor, im Fall einer Grossraubtierattacke nicht schützbare Schafe auf anderen Alpen zu verschieben, wo ein Herdenschutz einfacher realisierbar ist.

Die Alpen, bei denen die Voraussetzung für Herdenschutzmassnahmen erfüllt oder möglich seien, seien zu 88 Prozent ausgelastet und könnten mehr Tiere aufnehmen. Um Herdenschutzmassnahmen umsetzen zu können, sind in Zukunft laut dem Bericht mehr Schafhirten und Personal auf den Alpen nötig. Dabei verfügen nur gerade 31 Alpen oder knapp die Hälfte über eine Unterkunft, viele seien allerdings schlecht ausgestattet oder weit von Weiden entfernt.

Für den Aufbau eines Herdenschutzes ist Geld nötig. Der durch die Präsenz der Grossraubtiere verursachte Mehraufwand werde ohne entsprechende Abgeltung von den Betroffenen nicht angegangen, schreiben die Autoren.

Kanton will helfen
Der Kanton Uri will die Kleinviehhalter und Alpbewirtschafter zusammen mit den Korporationen Uri und Ursern beim Schutz ihrer Herden beraten und unterstützen, wie er in einer Mitteilung schreibt. Die Betroffenen sollen bei den Veränderungsprozessen unterstützt werden. Zu Details heisst es in der Mitteilung nichts.

Jedes zwölfte in der Schweiz gesömmerte Schaf weidet im Kanton Uri. Dieser zählt 182 Landwirtschaftsbetriebe mit Schafen. Von den rund 15'200 gesömmerten Schafen stammen die Hälfte von ausserhalb des Kantons.

Nach Wolfsattacken auf zwei Alpen im Urner Oberland 2013 verstärkte der Kanton seine Beratungs- und Informationstätigkeit rund um den Herdenschutz. Zudem gab er Analysen zu den Kleinviehalpen im Kanton in Auftrag.

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