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Färöer-Inseln

Sheep View statt Street View

Nutztiere | Donnerstag, 21. Juli 2016, Meret Signer

Die abgelegenen Färöer-Inseln sind auf Google Street View nicht vertreten. Das stört die Inselbewohner und sie wollen dies jetzt ändern. Dabei wissen sie sich zu helfen – statt auf Autos montieren sie Kameras kurzerhand auf Schafen.

Hoch im Norden liegen die Färöer-Inseln. Schweizerinnen und Schweizern sind sie als gelegentlicher WM-Quali-Gegner bekannt, doch der aus 18 kleinen Inseln bestehende Archipel hat auch sonst einiges zu bieten: spektakuläre Landschaften, Seehunde, Wale (wobei sie wegen dem Walfang allerdings auch oft in der Kritik stehen) und Abertausende von Küstenvögeln. Ausserdem wohnen dort noch etwa 80'000 Schafe und 50'000 Menschen.

Doch die Welt bekommt von alldem nicht viel mit, denn auf Google Maps haben zwar einige Nutzer bereits Bilder hochgeladen, doch versucht man vergebens, das gelbe Männchen in der Karte auf die Strassen der Inseln zu ziehen. Bisher hat sich noch kein Auto von Google Street View auf die Färöer verirrt.

Aus der Schafsperspektive 
Das soll nicht sein. Die Tourismus-Organisation Visit Faroe Islands hat es sich zum Ziel gesetzt, den Suchmaschinen-Giganten auf die Inseln zu locken. Und solange Google nicht kommt, will man die Färöer auf andere Weise für die Welt sichtbar machen, nämlich mit – genau – Schafen.  

Die Idee dazu stammt von Durita Dahl Andreassen von Visit Faroe Islands. «Meine Heimat ist schön, grün und unbekannt im Rest der Welt – ich möchte sie mit der Welt teilen», sagt sie in einer Mitteilung der Organisation. Das Prinzip ist einfach: Andreassen montiert eine 360-Grad-Kamera auf ein Schaf – ganz vorsichtig, damit sich das Schaf nicht gestört fühlt. Das Schaf geht seinen üblichen Schaf-Geschäften nach und macht dabei Bilder von seiner Umgebung. Fertig ist «Sheep View 360», wie das Projekt getauft wurde. 

Die Fotos werden mitsamt GPS Koordinaten zu Andreassen gesendet, die sie dann bei Google Street View hochlädt. Bei Youtube und auf Andreassens Blog gibt es ausserdem Videos aus der Schafsperspektive zu sehen, so wie dieses hier: 

Von Google nur ein «Like» 
Hat sich Google denn schon gemeldet? «Die einzige Reaktion von Google bis jetzt ist ein ‹Like› für einen unserer Tweets über Sheep View 360. Wir drücken aber weiterhin die Daumen, dass sie uns noch kontaktieren werden», sagt Súsanna E. Sørensen, Marketing-Managerin bei Visit Faroe Islands auf Anfrage von «Tierwelt Online».

Das im Juni gestartete Sheep View-Projekt hat international ein gewisses Medienecho ausgelöst. Es ist natürlich auch dazu da, Werbung für die einsamen Inseln zu machen. Bis jetzt besuchen jährlich erst etwa 100'000 Touristen die Färöer, rund die Hälfte davon auf Kreuzfahrtschiffen, erklärt Sørensen. «Wir möchten den Tourismus fördern. Aber es ist uns auch bewusst, dass die Anzahl der Touristen, die wir als Destination aufnehmen können, begrenzt ist. Vor allem auch deshalb, weil die Leute auf die Färöer reisen, um unsere Natur und unsere Kultur zu erleben.» 

In diesem englischsprachigen Video, erklärt Durita Dahl Andreassen, wie die Kameras auf den Schafen befestigt werden – und dass dabei keine Schafe zu Schaden kommen, wohl aber einige Kameras:

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