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Tierquälerei-Vorwürfe

Beschuldigter Schweinehalter wehrt sich

Nutztiere | Donnerstag, 1. September 2016, sda

Er habe «das Möglichste getan», hat der Beschuldigt ehemalige Schweinehalter am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Hinwil ZH beteuert. Er habe Geld und Freizeit in den Betrieb gesteckt, den er eigentlich gar nicht wollte.

Dem 46-Jährigen wird unter anderem Tierquälerei vorgeworfen. Der gelernte Molkerist hatte zusammen mit Mutter und zwei Brüdern den Schweinebetrieb vom Vater geerbt. Er war der einzige der Erbengemeinschaft, der sich darum kümmerte. Gleichzeitig besass er einen Molkereibetrieb. Die tägliche Arbeit bei den Schweinen machte ein Mitarbeiter, der Beschuldigte selbst schaute jeweils in seiner Freizeit bei den rund 800 Tieren zum Rechten.

Zudem schoss er viel Geld aus der Molkerei ein – er habe heute rund 200'000 Franken zu gut, sagte er. Dabei wollte er den Betrieb gar nicht: Er habe bei seinen Brüdern darauf gedrungen, den Schweinebetrieb aufzugeben. Schliesslich wurde dieser im September 2015 auf behördliche Anweisung geräumt.

Die Staatsanwaltschaft See/Oberland wirft dem Mann unter anderem Tierquälerei vor. Sie beruft sich dabei auf das kantonale Veterinäramt. Dieses hatte bei zahlreichen Kontrollen Missstände festgestellt: So wurden etwa einzelne verletzte und kranke Tiere nicht wie verlangt behandelt, von den anderen getrennt oder rasch getötet und die Ställe genügten nicht den Anforderungen («Tierwelt Online» berichtete).

Der Beschuldigte weist den Vorwurf der Tierquälerei entschieden zurück. So seien etwa kranke und verletzte Tiere stets behandelt oder im schlimmsten Fall erlöst worden, er hätte sie nie leiden lassen. Allerdings sei manchmal das Behandlungsjournal nicht vollständig geführt worden, räumte er ein.

Anderes sagte Kantonstierärztin Regula Vogel, die als sachverständige Zeugin befragt wurde. Bei einigen Kontrollen war sie dabei gewesen. Einzelne Schweine hätten starke Schmerzen gehabt, erklärte sie. Anzahl und Schwere der Fälle seien in einem solchen Schweinezucht- und Mastbetrieben «nicht üblich, geschweige denn tolerierbar».

Der Mitarbeiter tat nicht, was er sollte
Auf einzelne in der Anklageschrift festgehaltene Fälle angesprochen, konnte sich der Beschuldigte wiederholt nicht erinnern. Immer wieder schob er Missstände auch auf seinen Mitarbeiter, der seine Anweisungen nicht befolgt habe: «Ich hatte einen laufenden Kampf mit dem Mitarbeiter».

Er sieht sich zudem als Opfer der Behörden. Die Kontrolleure hätten «masslos Dinge aufgeschrieben – die wollten ein Exempel statuieren». Es sei gewesen «wie im Wilden Westen». Laut dem Gerichtsvorsitzenden ist eines auf jeden Fall klar: «Einzelnen Schweinen ging es hundsmiserabel».

Am Nachmittag folgen nun die Plädoyers der Parteien. Die Staatsanwaltschaft fordert eine unbedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten sowie eine Busse von 10'000 Franken. Die Anträge der Verteidigung sind noch unbekannt. Das Urteil wird aller Voraussicht nach zu einem späteren Zeitpunkt eröffnet, wie der Gerichtsvorsitzende auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte.

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