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Nur noch 150 Tiere

Eselsfarm will Esel in Montenegro erhalten

1 Kommentare Nutztiere | Sonntag, 4. Dezember 2016 09:00, Rachel O'Brien und Olivera Nikolic, afp

Der Montenegriner Darko Saveljic hält auf einer Farm dreissig Esel und verkauft ihre Milch. In dem kleinen Land gibt es nur noch etwa 150 von ihnen.

Mit sanftem Druck streift Darko Saveljic die Zitze der Eselin, nur langsam füllt sich das Glas mit Milch. Doch jeder Tropfen ist wertvoll: Ein Liter Eselsmilch kostet hier in Montenegro 50 Euro. «Diese Milch ist äusserst gesund», erklärt Saveljic. Schon kleine Mengen täglich genügten, um Asthma, Bronchitis und Hautkrankheiten zu lindern.

Nicht nur die ihr zugesprochene Heilkraft macht die Milch so kostbar. Es gibt kaum noch Esel in Montenegro. «Vor dreissig Jahren hatte jedes Haus in den Küstendörfern einen Esel», erinnert sich Saveljic. «Es waren Tausende. Jetzt benutzen wir Maschinen statt Esel.»

2010 wurden noch 500 Esel in dem kleinen Balkanstaat gezählt, inzwischen schätzt Saveljic ihre Zahl auf 150. Davon leben 30 im Reservat, das der 42-Jährige – eigentlich ein Ornithologe – vor einem guten Jahr einrichtete. Die Esel stammen von Leuten, die nichts mehr mit ihnen anfangen konnten. Die Tiere waren misshandelt worden oder sind fast verhungert. Einer von ihnen ist blind.

Jetzt hat jedes Tier einen Namen, genug zu fressen und viel Freiheit. Gegen ein Kilo Karotten oder Äpfel als Eintritt heisst Saveljic Besucher willkommen.

Er hofft, dass die Begegnung zwischen Mensch und Esel dazu beitragen wird, die Esel in Montenegro Aussterben zu bewahren. «Wenn man gut mit ihnen umgeht, sind Esel wie Hunde. Sie respektieren dich und folgen dir überall hin», sagt Saveljic.

Milch finanziert Reservat  
Die Eselin, die Saveljic gerade melkt, heisst Tereza. 400 Milliliter Milch gibt ein Tier am Tag. Die Hälfte der Milch verkauft Saveljic, um damit das Reservat zu finanzieren. Die andere Hälfte schenkt er Bedürftigen, die die Milch brauchen, sie sich aber nicht leisten könnten.

Eine Kundin ist Valeria Markovic in der Hauptstadt Podgorica. Sie wurde auf die Eselsfarm aufmerksam, als sie Hilfe für ihren von Allergien geplagten Sohn Vlado suchte.

«Davor wusste ich nur, dass Kleopatra in Eselsmilch badete», erzählt Markovic lachend. Jetzt gibt sie dem Fünfjährigen jeden Tag ein bisschen von der kostbaren Milch. Vlados nächtliche Atemnot habe sich seither gebessert, sagt die Mutter. 

Auch der Wissenschaftler Photis Papademas geht von einer heilenden Wirkung der Eselsmilch aus. Es gebe gewichtige Hinweise, dass die Milch bei gesundheitlichen Problemen aufgrund eines schwachen Immunsystems helfe, sagt der Experte für Milchwissenschaft an der Technischen Universität Zypern.  

Die Zusammensetzung der Proteine in der Eselsmilch sei der in der Muttermilch sehr ähnlich. Weitere wissenschaftliche Studien seien jedoch nötig.

Kommentare (1)

Fundación el Burro Patrimonio del Mundo CV am 05.12.2016 um 08:39 Uhr
Eine Eselstute trägt 13 bis 14 Monate .
Die Stuten sind also ständig ,tragend und sollen gleichzeitig
Milch abgeben und ihre Fohlen säugen ? Dies ist unsrer Ansicht nach Tierquälerei. Dies hat mit Erhaltungszucht nichts zu tun. Im gegenteil
Fohlen brauchen 2 Jahre die Muttermilch . Bekommen sie dies nicht werden sie für die weitere Zucht unbrauchbar. Was geschieht mit den Eselhengstfohlen ?

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