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Bundesrat

Massnahmen gegen Bienensterben fruchten

Nutztiere | Freitag, 2. Dezember 2016, sda

Grösseres Nahrungsangebot, schärfere Vorschriften für Pflanzenschutzmittel: Die vor zwei Jahren verabschiedeten Massnahmen für die Gesundheit der Bienen fruchten. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht des Bundesrats.

Die hohen Winterverluste, auch Bienensterben genannt, waren der Auslöser für den Entscheid des Bundesrats, im Jahr 2014 gezielt Massnahmen zur Förderung der Bienengesundheit zu ergreifen. Eine Umfrage bei mehr als 1000 Imkern hatte gezeigt, dass die Verluste über den als normal geltenden 10 Prozent liegen.

Zwei Jahre später zieht der Bundesrat nun eine erste Bilanz. Und er kommt zum Schluss: «Zahlreiche Massnahmen für die Gesundheit der Bienen sind umgesetzt.» Dies steht im Bericht, den die Regierung am Freitag zur Kenntnis genommen hat.

Blühstreifen bewährt sich
Der Bestand an Honigbienen beläuft sich laut dem Bericht aktuell auf rund 165'000 Bienenvölker. Die Zahl sei seit seit einigen Jahren zwar rückläufig und die jährlichen Winterverluste schwankten zwischen Kantonen teils deutlich. Die Erfahrungen zeigten allerdings, dass die Mehrheit der Imker geringe Winterverluste habe.

Neben den Honigbienen sind Wildbienen die wichtigsten Bestäuber der Kultur- und Wildpflanzen. Zentral für das Überleben beider Arten ist der Erhalt von entsprechendem Lebensraum. Die Agrarpolitik 2014-17 berücksichtige dies mit zielgerichteten Direktzahlungen, schreibt der Bundesrat.

Für Bestäuber wichtig sind ferner Biodiversitätsförderflächen wie Buntbrachen, extensive Wiesen oder Hecken. Im 2015 wurde zusätzlich der Blühstreifen für Bestäuber und andere Nützlinge zur Förderung der Biodiversität im Ackerland aufgenommen. Auch diese Massnahme hat laut dem Bundesrat ihre Wirkung nicht verfehlt und soll weitergeführt werden.

Weiter unter Beobachtung
Zudem habe sich das Ausbildungsangebot für Imkerinnen und Imker dank des 2012 geschaffenen Bienengesundheitsdiensts merklich verbessert. Von einer von der Imkerbranche geforderten Einführung einer verpflichtenden Ausbildung für Imkerinnen und Imker sieht der Bundesrat zum jetzigen Zeitpunkt ab.

Trotz des positiven Zwischenfazits bleibt weiterhin viel zu tun. Laut dem Bundesrat läuft eine Vielzahl unterschiedlicher Forschungsprojekte weiter, um noch offene Fragen zum Thema Bienengesundheit, Bestäubungssicherheit und Biodiversität zu beantworten. Auch beteilige sich die Schweiz an diversen internationalen Forschungsaktivitäten zu diesen Themen.

Neue Erkenntnisse werden in der Weiterentwicklung der Agrar- und Umweltpolitik berücksichtigt. Mit der Revision der Roten Liste der Wildbienen in der Schweiz wird ab 2021 eine aktuelle Zustandsbeschreibung vorliegen. Auf dieser Basis kann entschieden werden, ob es neben den derzeit laufenden Bestrebungen, Wildbienen zu fördern, weitere gezielte Naturschutzmassnahmen braucht, um die seltenen Wildbienenarten zu fördern.

Neue Forderungen
Weiter gehen als der Bundesrat wollen die Imker. Sie forderten erst kürzlich ein Verbot von drei für Bienen besonders giftigen Pflanzenschutzmitteln. Diese Neonikotinoide sind bereits heute nur beschränkt zugelassen und dürfen nicht eingesetzt werden in Kulturen, die von Bienen beflogen werden.

Der Zusammenhang zwischen dem Bienensterben und Pestiziden sei lange verkannt worden, monieren die Imker. Die Wissenschaft habe diesen erst in jüngster Zeit belegt. Erwischt ein Tier eine hohe Dosis eines Bienengifts, stirbt es sofort oder es verendet, weil es den Weg zurück zum Bienenstock nicht mehr findet.

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