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Tierwohl

Tierschutz kritisiert Umgang mit Pferden

Nutztiere | Dienstag, 13. Juni 2017, Niklaus Salzmann

Obwohl die als Rollkur bekannte Methode verboten ist, werde sie im Pferdesport noch immer angewendet, sagt der Schweizer Tierschutz. Dies habe ein Augenschein an verschiedenen Turnieren ergeben.

Seit dem 1. Januar 2014 ist gemäss der Schweizerischen Tierschutzverordnung die Rollkur verboten. Dabei handelt es sich um eine besonders tiefe Kopf-Hals-Einstellung, die auch als Hyperflexion bekannt ist. Um sich ein Bild zu machen, ob dieses Verbot eingehalten wird, hat der Schweizer Tierschutz (STS) fünf Turniere der Disziplinen Dressur, Western, Concours Compelt (Vielseitigkeitsreiten) und Springen, wie er in einer Medienmitteilung schreibt. Dabei sei immer wieder die Rollkur beobachtet worden.

Gegen das Anwenden dieser verbotenen Praxis sei an den Turnieren nicht eingeschritten worden, heisst es weiter. Der Vollzug sei also offensichtlich unzureichend. Zudem seien der Einsatz von sehr eng geschnallten Sperrriemen und grober Sporengebrauch beobachtet worden. Manche Pferde seien bestraft worden, wenn sie die geforderten Leistungen nicht mit Bravour gemeistert hätten. Während der von STS beobachteten Phasen hätten keine Kontrollpersonen von Turnierverantwortlichen nicht eingegriffen.

Der STS fordert deshalb alle Reiter und Trainer auf, ihren Umgang mit Sportpferden zu überprüfen und das gesetzliche Rollkurverbot konsequent einzuhalten. Von Turnierveranstaltern erwartet der STS, dass sie Verstösse strenger ahnden und Verwarnungen und Ausschlüsse sofort aussprechen statt in anonymer Form und erst Wochen nach der Veranstaltung.

Pferdesportverband ruft Offizielle zum Eingreifen auf
Der Schweizerische Verband für Pferdesport (SVPS) wird kommende Woche in seinem Bulletin ein offizielles Statement des Präsidenten Charles Trolliet zu den Vorwürfen veröffentlichen. «Es steht ausser Frage, dass unkorrekte Verhaltensweisen auf den Turnierplätzen beobachtet werden können (...)», heisst es darin. «Der SVPS muss alles in seiner Macht stehende tun, um zu verhindern, dass tierschutzwidrige Taten begangen werden (...).»

Hinsichtlich der Rollkur schreibt Trolliet, dass man erst von Hyperflexion im Sinne der Tierschutzverordnung sprechen könne, wenn eine solche Poistion gewaltsam erzwungen und beibehalten werde. Aufgrund von Fotos könne dies nicht beurteilt werden, einzig filmische Dokumentationen wären überzeugend. An den Veranstaltungen liege es aber «ganz klar in der Verantwortung aller Offiziellen, wenn nötig bestimmt einzugreifen.» Es gehe hierbei an erster Stelle um das Wohlergehen der Pferde, aber auch um das Image des Pferdesportes.

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