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Thurgau

Tierquäler lässt Pferde verhungern

4 Kommentare Nutztiere | Donnerstag, 3. August 2017, sda

13 Pferde sind laut einer ehemaligen Mitarbeiterin auf einem Hof im Thurgau verendet, weitere sind am Verhungern. Der Bauer wurde bereits mehrmals verurteilt.

Die Bilder sind unerträglich: Sie zeigen den aufgedunsenen Kadaver eines Pferdes, ein totes Tier mit aufgerissenen Nüstern und bis auf die Knochen abgemagerte Pferde, die keine Kraft mehr haben zum Stehen, oder Futterkrippen mit total verschimmeltem Gemüse und Brot. Die Fotos stammen von einer Bekannten des Pferdezüchters, die auf dem Hof in der Thurgauer Gemeinde Hefenhofen mitgearbeitet hatte und die schrecklichen Zustände in den vergangenen sechs Monaten mit Dutzenden Fotos dokumentierte.  

Wie der «Blick» am Donnerstag berichtete, hat die Frau den Bauern Ende Juli angezeigt. Erwin Kessler vom Verein gegen Tierfabriken (VgT) schickte der Thurgauer Regierung einige Tage danach einen Brief und verlangte, dass die Polizei die Tiere sofort beschlagnahme und wenn nötig einschläfere. Der Tierschützer wirft den Thurgauer Behörden vor, sie liessen den notorischen Tierquäler seit Jahren gewähren, weil sie Angst vor ihm hätten.

Behörden nicht untätig  
Der Thurgauer Regierungsrat Walter Schönholzer, bestätigt gegenüber der Nachrichtenagentur sda den Eingang einer Strafanzeige. «Die Bilder sind schockierend», sagt der Vorsteher des zuständigen Departements. Das Thurgauer Veterinäramt beschäftige sich seit Jahren intensiv mit dem Hof und sei keinesfalls untätig.  

Die Situation für die Behörden sei sehr schwierig. Der Tierhalter wehre sich gegen jegliche Eingriffe und ergreife sämtliche Rekursmöglichkeiten. Ein gegen den Bauern ausgesprochenes Tierhalteverbot sei vom Bundesgericht aufgehoben worden. Zurzeit bestehe deshalb lediglich ein Teiltierhalteverbot. Der Bauer sei zur Haltung von bis zu sechzig Pferden berechtigt. Bei verschiedenen amtlichen Entscheidungen seien noch Rechtsmittelverfahren hängig.

Behörden sahen keine Missstände  
Das Veterinäramt mache regelmässige Kontrollen auf dem Hof, sagt Schönholzer weiter. «Die im laufenden Jahr erfolgten Kontrollen – auch externe – haben keine derartigen Missstände wie auf den Bildern gezeigt», sagt der Regierungsrat. Aufgrund der Anzeige liefen nun neue Ermittlungen. Bei sämtlichen Massnahmen müssten die rechtsstaatlichen Verfahren eingehalten werden. Was die Polizei bis jetzt unternommen habe, wisse er nicht.  

Erwin Kessler vom VgT bezeichnet den Fall als «skandalöse Tiertragödie, die von den Thurgauer Behörden grobfahrlässig und amtspflichtwidrig bis heute nicht verhindert» werde. Seit zwölf Jahren berichte der VgT über die Zustände auf dem Hof des Bauern, der schon mehrfach wegen Tierquälerei verurteilt wurde. «Das Veterinäramt sollte ein vorsorgliches Tierhalteverbot anordnen, das nicht durch Rekurse aufgehalten werden kann», sagte Kessler gegenüber der sda.

Kommentare (4)

Neuhaus Angie am 05.08.2017 um 07:07 Uhr
"Das Thurgauer Veterinäramt beschäftige sich seit Jahren intensiv mit dem Hof und sei keinesfalls untätig." Es genügt eben nicht, wenn sich das Vet'Amt seit 6 Jahren NUR beschäftigt, handeln und zwar sofort ist doch angesagt. Die Tiere könnten alle noch leben, hätten die etwas gemacht. Leider hört man immer wieder von Tierquälereien, wo das Vet'Amt sich nur beschäftigt und nichts dagegen unternimmt. Für was haben wir eigentlich ein Vet'Amt????????????? Ich habe gemeint, es gebe Gesetze wo klar und deutlich steht, das bei solchen schwerwiegenden Misshandlungen die Tiere sofort weggenommen werden müssen Himmeltraurig ist es, dass die Regierung und das Vet'Amt erst reagieren, wenn es in den ganzen Medien kommen.

Brändli Beatrix am 04.08.2017 um 13:19 Uhr
Sprachlos über die gesamte Situation und fas nicht Vorgehen der Behörden.

Berger am 04.08.2017 um 12:11 Uhr
Vielen Dank für die Berichterstattung
Sowas muss an die Öffentlichkeit

Helene Vollmer am 03.08.2017 um 18:39 Uhr
Ich dachte wir leben in einer zivilisierten Welt. Hat die Justiz wieder mal versagt?????????

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