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Thurgau

Hefenhofen: Regierung räumt Fehler ein

Nutztiere | Mittwoch, 16. August 2017, sda/msi

Der Vollzug des Tierschutzes im Kanton Thurgau soll von einer externen Kommission analysiert werden. Auslöser ist der Fall des mutmasslichen Tierquälers von Hefenhofen. Die Thurgauer Regierung räumt Fehler ein.

Nachdem die Missstände auf dem Hof des Pferdezüchters von Hefenhofen aufgedeckt wurden, will die Thurgauer Regierung nun den Vollzug des Tierschutzgesetzes im Kanton Thurgau von einer externen Kommission systematisch analysieren lassen, wie es in der Mitteilung der Thurgauer Staatskanzlei heisst. Ziel sei es, das Tierschutzgesetz konsequent durchzusetzen sowie allfällige Lücken im Vollzug aufzudecken. Durch die fachliche und juristische Aufarbeitung solle weiteres Tierleid vermieden werden.  

Die Thurgauer Regierung hat indes im Umgang mit dem Pferdehalter Fehler eingeräumt. Der zuständige Regierungsrat, Walter Schönholzer, dankte der Frau, welche die schrecklichen Zustände auf dem Hof dokumentiert hatte und den Pferdehalter in Hefenhofen Ende Juli anzeigte. «Ein solcher Fall darf sich nicht wiederholen», sagte Schönholzer. Es sei die Aufgabe des Kantons, die Vorkommnisse in diesem extremen Fall schonungslos und systematisch zu analysieren. «Dies schulden wir den toten und misshandelten Pferden», sagte Schönholzer. Allfällige Vollzugsmängel müssten korrigiert werden. Anlässlich der Parlamentsdebatte demonstrierten erneut rund 30 bis 40Tierschützer in Frauenfeld. Sie kritisierten die Verantwortlichen.

Anfang August war publik geworden, dass auf dem Hof eines Tierhalters in Hefenhofen TG in den letzten Monaten mehrere Pferde verendet waren. Weitere Tiere waren abgemagert und in schlechtem Zustand. Der Tierhalter wurde vergangene Woche von der Polizei in Gewahrsam genommen («Tierwelt Online» berichtete). Der Mann ist zurzeit in einer fürsorgerischen Unterbringung.

Pferde sollen verkauft werden  
Die rund 250 Tiere auf dem Hof wurden beschlagnahmt und gegen den mutmasslichen Tierquäler ein Tierhalteverbot ausgesprochen. Das Thurgauer Veterinäramt will die derzeit in Schönbühl BE bei der Armee eingestellten Pferde am kommenden Donnerstag verkaufen. Wie das Thurgauer Veterinäramt, das den Verkauf organisiert, mitteilt, seien bereits hunderte Telefonanrufe eingegangen von Menschen, die sich für ein Pferd interessierten oder Geld spenden möchten.  

Tierschützer sind empört: Der Schweizer Tierschutz kritisierte den schnellen Verkauf in einer Mitteilung vom Montag als «unverständlich und skandalös». Mit einer seriösen und überlegten Vermittlung der Pferde an fachkundige Halterinnen und Halter hätte der Kanton Thurgau die Möglichkeit gehabt, zumindest etwas an den Tieren wieder gut zu machen. Nun komme es stattdessen zu einem eigentlichen «Pferde-Ausverkauf».

Weiterer Fall im Thurgau?
Laut der Zeitung «Blick» hält auchein Bauer in Bussnang trotz Tierhalteverbots Kühe unter miserablen Bedingungen. Einzelheiten dazu gab der Kanton vorerst nicht bekannt. Wie der «Blick» berichtet, erliessen die Thurgauer Behörden gegenden betroffenen Bauern im Weiler Reuti bei Bussnang schon 2010 ein Tierhalteverbot, nachdem der Thurgauer Tierschutzverband eine Anzeige eingereicht hatte. Trotzdem soll der Bauer noch immer rund 60 Kühe unter fragwürdigen Bedingungen halten. 

Dass auf dem betreffenden Hof Kühe gehalten werden, bestätigte die Thurgauer Staatskanzlei gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Allerdings sei nicht der mit einem Tierhalteverbot belegte Bauer der Halter der rund 60 Kühe, sondern dessen Neffe. Wie eine Kontrolle letzte Woche gezeigt habe, sei die Tierhaltung auf dem Hof zur Zeit tierschutzkonform. «Zum Einschreiten sieht das Veterinäramt keinen unmittelbaren Handlungsbedarf», schrieb Walter Hofstetter, Kommunikationschef des Kantons.

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