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Gefährliche Motte

Tomatenkatastrophe trat nicht ein

Natur & Umwelt | Montag, 29. Juli 2013, Agroscope/mg

Als die Tomatenminiermotte 2009 erstmals in der Schweiz beobachtet worden ist, waren sich die Experten einig: Unheil droht. Nun, nach vier Jahren der Beobachtung, hat sich das ganze als Fehlalarm herausgestellt.

Tritt ein Schädling in einer neuen Region auf, spielt sich seine Ansiedlung in drei Phasen ab. Einzelne «Pioniere», die Gründerindividuen, lassen sich (meist unentdeckt) nieder, vermehren sich zu einer bescheidenen Population, die sich letztlich breit macht. Diese letzte dieser Phasen kann zu grossen wirtschaftlichen Schäden führen.

Tomatenproduktion gefährdet
Die Tomatenminiermotte (Tuta absoluta) ist ein solcher Schädling. 2009 wurde sie, die ursprünglich aus Südamerika stammt, erstmals in der Schweiz gefunden und liess die Alarmglocken der Experten läuten. In Frankreich, Spanien und Italien mussten nämlich viele Tomaten-Produktionsgebiete grosse Verluste hinnehmen, weil die Blätter und Früchte von den Larven dieser Schmetterlingsart zerfressen wurden. 


Schäden der Tuta absoluta an reifen Tomaten. Bild: © JM Cobos Suarez/EPPO

Auch in der Schweiz wurde Befall gemeldet, in Gewächshäusern in den Kantonen Genf, Tessin und Wallis. Einer dieser Fälle sorgte sogar für das Komplette Blattsterben dieser Kultur. Für das Folgejahr wurde also das Schlimmste befürchtet...

Die biologische Uhr tickt nicht nach Schweizer Zeit
...Doch es traf nicht ein. Weil die Tomaten in der Schweiz eher spät gepflanzt werden und die Motte ausschlüpft, sobald die Temperatur regelmässig über 15 Grad steigt, schrammen Schädling und Opfer meist zeitlich aneinander vorbei. Die Tomatenminiermotte findet ihre Wirtspflanze nicht, die zu ihrer Fortpflanzung notwendig ist, wodurch ihr Bestand einbricht.

Und selbst in den Gewächshäusern im Kanon Genf, wo bereits im Januar-Februar gepflanzt wird, wurde man dem Problem Herr: Die Schmetterlinge können mithilfe von Raubwanzen bekämpft werden. Diese werden schon lange zur Bekämpfung von Milben und weissen Fliegen eingesetzt und wirkt nun auch gegen die Eier der Tomatenminiermotte.

Gefahr eingedämmt, aber nicht verschwunden
Die Einschleppung neuer, exotischer Schadorganismen stellt ein besorgniserregendes Phänomen dar, mit dem immer wieder gerechnet weredn muss. Das Beispiel der Tomatenminiermotte zeigt, dass die tatsächliche Auswirkung auf die hiesige Kultur – und damit die Wirtschaft – sehr schwierig abzuschätzen ist.

Die Gefahr der Tomatenminiermotte wurde bei ihrem Auftauchen überbewertet. Dennoch ist sie in der Schweiz weiterhin präsent und birgt ein Schadpotenzial in sich, das ausbrechen kann, sobald auch nur kleine Veränderungen in der Pflanzenschutzpraxis im Tomatenbau vorgenommen werden. 


So sieht die Tomatenminiermotte in ihrem ausgewachsenen Stadium aus. Bild: © Marja van der Straten/EPPO

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